Nach Rekordverlust 2015: Deutsche Bank kürzt Bonuszahlungen

Nach Rekordverlust 2015
Deutsche Bank kürzt Bonuszahlungen

Die Deutsche Bank hat harte Monate hinter sich, doch Entwarnung kann der neue Chef John Cryan nicht geben, im Gegenteil. Der Aktienkurs steigt trotzdem.
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FrankfurtKeine neuen schlechten Nachrichten, das ist für die Deutsche Bank offenbar schon eine gute Nachricht. Nur so lässt es sich erklären, dass der Aktienkurs des mächtigsten heimischen Geldhauses am Freitag Vormittag nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2015 um rund sechs Prozent in die Höhe sprang. Denn gute Nachrichten suchten die Investoren in dem 490 Seiten dicken Konvolut weitgehend vergebens. Aber vielleicht freuten sich die Anleger einfach auch darüber, dass das Leiden bei der Deutschen Bank zumindest demokratisch verteilt wird auf Aktionäre, Mitarbeiter und den Vorstand.

Erst vor wenigen Tagen hat der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, noch versucht, den Investoren Mut zuzusprechen: „Wir sind besser, als wir von außen wahrgenommen werden“, sagte er auf einer Konferenz. Doch im Geschäftsbericht muss er die Anleger erneut auf schlechte Zahlen vorbereiten. „Das für gewöhnlich starke erste Quartal droht in diesem Jahr für die gesamte Branche schlecht auszufallen. Die Deutsche Bank ist hier keine Ausnahme.“ Grund seien die großen Schwankungen an den Märkten zu Jahresbeginn. Das dürfte vor allem das wichtige Kapitalmarktgeschäft belastet haben. Daniele Brupbacher, Analyst bei der UBS fürchtet, dass das Ergebnis der Bank unter dem Strich in den ersten drei Monaten auf 2,6 Milliarden Euro fallen wird, das wären gut 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

Eine konkrete Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2016 wagt das Geldhaus nicht. Aber angesichts der anstehenden Herausforderungen durch den radikalen Konzernumbau und die schwierigeren Märkte bereitet Cryan die Investoren schon einmal auf zwei weitere verlorene Jahre vor: „Wir erwarten, dass sich die Früchte unserer Arbeit ab 2018 in unseren Ergebnissen und in der Erreichung unserer Ziele positiv niederschlagen. werden“, heißt es im Geschäftsbericht. Nach einem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hat Cryan bereits die Dividende für 2015 und für 2016 zusammengestrichen.

Aber nicht nur die Aktionäre, auch die Mitarbeiter müssen Einschnitte hinnehmen. Deutschlands größtes Geldhaus kürzte die Boni für 2015 um 17 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro. Eine drastischere Reduzierung des Bonuspools hätte die Umsetzung der Strategie 2020 gefährdet, „da dies die Fähigkeit der Bank zur Gewinnung und Bindung von Talenten beeinträchtigt hätte“, heißt es im Geschäftsbericht. Die Mitarbeiter der Bank seien der wesentliche Faktor, um die Ziele der Strategie 2020 zu erreichen. „Um das entstandene Momentum, das über die letzten Monate aufgebaut wurde, zu erhalten, ist es essenziell, dass die Mitarbeiter adäquat vergütet werden“.

Damit die Banker bei Laune bleiben, gab es parallel eine deutliche Verschiebung bei der Gehaltsstruktur. Denn im Gegenzug zu den Bonuskürzungen kletterten die Fixgehälter, so dass die Deutsche-Bank-Mitarbeiter im Schnitt immer noch ein leichtes Gehaltsplus im Geldbeutel spürten. So stieg die Mitarbeiterzahl um drei Prozent, der Vergütungsaufwand aber um fünf Prozent.

„Sinkende Boni, die zudem noch immer länger gestreckt werden müssen in gewissem Maße durch höhere Fixgehälter kompensiert werden, weil Banken sich im Wettbewerb um Talente befinden“, sagt Florian Frank, Vergütungsexperte bei Willis Towers Watson. Die Abwanderungsgefahr werde gleichwohl überschätzt. „Viele gute Mitarbeiter sind in der Wahl ihres Arbeitsortes gar nicht so flexibel. Und diejenigen, die sich nur an der Vergütung orientieren, passen nicht mehr zu der neuen Kultur, die die Banken ausrufen.“

In der Investmentbanking-Sparte der Deutschen Bank dagegen zeigt sich bereits ein anderes Bild. Hier stieg die Zahl der Mitarbeiter um neun, die Gesamtvergütung jedoch nur um sechs Prozent. Wechselkursbereinigt schrumpfte hier der Bonuspool um 20 Prozent. Einige Händler mussten sogar auf rund 30 Prozent ihrer Boni verzichten.

Trotzdem dürfen sich andere Banker über dicke Schecks freuen: 700 Mitarbeiter bekommen eine Vergütung von mehr als 1,0 Millionen Euro im Jahr, einer sogar mehr als elf Millionen Euro.

Wie bereits angekündigt, muss der gesamte Vorstand auf seinen Bonus verzichten. Dadurch sinkt die Ausschüttung an die oberste Führungsriege um ein Drittel gegenüber 2014 auf 22,7 Millionen Euro. Cryan, der seinen Posten im vergangenen Juli antrat, kassiert ein Grundgehalt von 1,9 Millionen Euro, Co-Chef Jürgen Fitschen, der im Mai die Bank verlassen wird, bekommt 3,8 Millionen Euro.

Vergütungsexperte Frank erwartet, dass die Boni insgesamt durch die schwierigere Ertragslage der Banken weiter sinken werden. „Ein Arbeitgeber muss, um gute Führungskräfte an sich zu binden und zu engagieren, das Gesamtpaket aus Gehalt, Nebenleistungen, Arbeitsumfeld und Entwicklungsmöglichkeiten neu gestalten“, so Frank. Die Führungskräfte müssten dabei lernen, stärker auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter einzugehen.

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Bank versucht Anleger abermals zu beruhigen

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  • Respekt! Das nenne ich selbstvertrauen. Bei Ihrem Vorhaben wünsche ich Ihnen viel Glück ! Ernsthaft: wer sein Gehalt von € 200.000,-- auf € 300.000,- erhöht bekommt und dafür "nur" € 100.000,-- Bonus bekommt und dann glaubt, er kann draußen mehr verdienen - Diese Person sollte man nicht aufhalten.

  • Die Verschiebung von Bonuszahlung zum Fixgehalt ist für jeden Investmentbanker eine Demütigung und Ohrfeige. Denn welchen Investmentbanker interessiert denn das Fixum ? Die Verantwortung dafür trägt aber die Politik mit ihrer dämlichen Regulierung.

    Die Konsequenz kann aus meiner Sicht nur lauten, Kündigung einreichen und sich selbständig machen und das Gehalt selber zahlen. Denn auf eigenen Füßen und mit eigenem Kapital auf eigene Rechnung ist eh lukrativer.

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