Nach Sex-Skandal
"Versicherungsvermittler sind nette Menschen"

Bei der Provinzial Rheinland will man sich gegen das schlechte Image der Branche zur Wehr setzen. Versicherungsvermittler seien nette Menschen und Exzesse gebe es in seiner Firma nicht, sagte Provinzial-Chef Jansen.
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Die Provinzial Rheinland glaubt an ihre Versicherungsvermittler. „Das sind nette gebildete Menschen, die nachhaltige Geschäfte machen wollen“, sagte Ulrich Jansen, der Vorstandsvorsitzende des Sparkassenversicherers, am Donnerstag auf der Bilanzpressekonferenz in Düsseldorf. Wie wohl seine Vertreter sich fühlten, zeige auch die geringe Fluktuation von knapp drei Prozent. Mit Blick auf die Skandale in der Ergo-Gruppe sagte er: „Es ist sehr bedauerlich, dass ein Berufsstand leidet, der es ohnehin nicht einfach hat.“

Die Provinzial Rheinland verkauft im Rheinland und in Rheinland-Pfalz über eigene Agenturen und die Filialen der Sparkassen Versicherungsprodukte. In seinem Geschäftsgebiet verfügt der Sparkassenversicherer über 838 Geschäftsstellen, in denen 1700 Menschen arbeiten. Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen Prämien von 2,4 Milliarden Euro eingenommen und vor Steuern 149 Millionen Euro verdient. 

Exzesse wie die Sex-Party von Vermittlern der Hamburg-Mannheimer International (HMI) in Budapest schließt Jansen für sein Unternehmen aus. Incentive-Reisen für seine Versicherungsberater hält er gleichwohl für wichtig. Seit 1990 habe er jede größere Reise mitgemacht. Selbstverständlich seien auch die Partner der Vorstände wie der Vermittler dabei. Er schätze diese Reisen, um mit dem Vertrieb in Kontakt zu kommen. Zudem wirkten solche Belohnungen sehr positiv. „Dies motiviert die Leute ungemein“, sagte Jansen.

Zur jüngsten Handelsblatt-Berichterstattung über Tricksereien der Ergo bei Riester-Verträgen sagte Jansen: „Als ich das las, dachte ich, es darf nicht wahr sein.“ Der Versicherer hat nach Angaben von ehemaligen Generalvertretern rund 70000 Kunden zu hohe Verwaltungskosten berechnet und daran ungerechtfertigt bis zu 160 Millionen Euro verdient. Ergo bestreitet diese Vorwürfe und gibt nur Einzelfälle zu.

Jansens Kollege Guido Schaefers, ab Juli neuer Provinzial-Vorstand für das Lebensversicherungsgeschäft, ergänzte mit Blick den jüngsten Ärger für Ergo: „Dadurch könnte ein negatives Image auf Riester-Policen fallen. Damit ist keinem gedient.“ Die Provinzial Rheinland reagiere bei Fehlern in den Policen innerhalb von 24 Stunden. „Da muss sich kein Kunde melden, um eine Korrektur zu bekommen“, sagte Schaefers.

Auch Winfried Spies, Vorstandschef der Generali Versicherungen, befürchtet, dass durch die Ergo-Skandale das Image der Versicherer insgesamt leidet. „Das hat die Branche nicht verdient“, sagte Spies dem Handelsblatt.

 

Kommentare zu " Nach Sex-Skandal: "Versicherungsvermittler sind nette Menschen""

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  • naja - A.H. war auch nett z.B. zu Eva und Blondi. Aber sonst!?

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