Nach Sex-Skandalen
Ermittlungen wegen versuchter Ergo-Erpressung

Die in Bedrängnis geratene Ergo-Versicherungsgruppe sieht sich als Erpressungsopfer und hatte Strafanzeige erstattet. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen ein Trio aus Geschäftsmännern und Anwälten.
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DüsseldorfDie Düsseldorfer Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen des Verdachts der versuchten Erpressung des Versicherers Ergo eingeleitet. Das gab Oberstaatsanwalt Ralf Möllmann am Freitag bekannt. Die Tochtergesellschaft des Rückversicherungskonzerns Munich Re hatte gegen einen Geschäftsmann und zwei Rechtsanwälte Strafanzeige erstattet.

Das Trio soll ungerechtfertigte Forderungen in Millionenhöhe erhoben und mit einer nachhaltigen Schädigung des Unternehmens unter anderem durch Presse-Veröffentlichungen gedroht haben. Eine Prüfung habe ergeben, dass die Vorwürfe zutreffen könnten. Ob die Behörde aufgrund einer Anzeige von Verbraucherschützern wegen Betrugsverdachts auch gegen Ergo ermitteln wird, sei noch nicht entschieden.

Ergo-Prüfung veröffentlichen

Unterdessen fordern Verbraucherschützer nach den Skandalen die Finanzaufsicht BaFin auf, die Ergebnisse einer Sonderprüfung öffentlich zu machen. Zudem sollte die Untersuchung ausgeweitet werden, verlangte der
Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) am Donnerstag in Berlin. „Das Vertrauen in die Branche ist erschüttert. Auch andere Anbieter müssen auf den Prüfstand, um Klarheit zu schaffen, wer seriös am Markt agiert und wer nicht“, sagte vzbv-Vorstand Gerd Billen. Eine Veröffentlichung sei vom Informationsfreiheitsgesetz gedeckt. Die BaFin wollte in dieser Woche beim Düsseldorfer Ergo-Konzern prüfen. Die Behörde sieht jedoch keine Möglichkeiten einer Veröffentlichung.

Ergo war durch eine Budapester Sex-Party mit Prostituierten als Belohnung für Versicherungsvertreter in die Schlagzeilen geraten. Außerdem musste der Versicherungskonzern einräumen, dass er Riester-Verträge mit falschen Kostenberechnungen verkauft hatte. Zudem soll Ergo Kunden für sie ungeeignete Versicherungspolicen verkauft haben. Der Konzern hatte dafür Entschädigungen angekündigt und sich in großen Zeitungsanzeigen
entschuldigt.

Ergo wollte sich zu den Forderungen der Verbraucherschützer auf Anfrage nicht äußern. Eine Sprecherin betonte jedoch: „Wir haben selbst Untersuchungen eingeleitet und externe Wirtschaftsprüfer zur Unterstützung geholt. Die Ergebnisse erwarten wir Anfang Oktober.“ Eine Sprecherin der BaFin sagte, die Rechtslage sei eindeutig. „Die BaFin ist gesetzlich zur Verschwiegenheit verpflichtet.“ Das Informationsfreiheitsgesetz gewähre zwar einen Auskunftsanspruch. Dieser Anspruch sei aber „nicht schrankenlos“. Personen-, Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse dürften nicht veröffentlicht werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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