Nach Zinsskandal
Großbank Barclays hat neuen Chef gefunden

Wenige Wochen nach dem Rücktritt von Bob Diamond hat Barclays einen neuen Chef. Antony Jenkins rückt an die Spitze. Er war für das Privatkundengeschäft zuständig. Das in Verruf geratene Investment-Banking kennt er nicht.
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LondonDie von einem Zinsskandal erschütterte britische Großbank Barclays hat einen neuen Chef. Der bislang für das Privatkundengeschäft zuständige Antony Jenkins werde die Bank künftig führen, teilte Barclays am Donnerstag mit. Er folgt damit Bob Diamond nach, der im Juli im Zuge des Libor-Manipulationsskandal zurückgetreten war. „Antony hat sich durch seine bisherige Laufbahn und seine Vertrautheit mit dem Barclays-Portfolio für diese Aufgabe empfohlen“, erklärte Aufsichtsratschef Marcus Agius.

Diamond war zurückgetreten, nachdem bekanntgeworden war, dass Händler von Barclays in den Jahren 2005 bis 2009 den Libor-Referenzzinssatz, eine weltweit relevante Richtschnur, mit zu niedrigen Zinsmeldungen manipuliert hatten. An den Manipulationen sollen auch andere Banken beteiligt gewesen sein.

Die Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien hatten Barclays als erste Bank unter die Lupe genommen. Die Briten müssen 290 Millionen Pfund Strafe zahlen. Auch Agius hatte wegen des Skandals seinen Rücktritt angekündigt, bleibt aber im Amt, bis David Walker im November seine Nachfolge antritt.

Jenkins erklärte, der Ruf von Barclays müsse wieder hergestellt werden. Das werde eine Weile dauern. „Wir haben in den vergangenen Jahren ernsthafte Fehler gemacht und konnten mit den Erwartungen unserer Anteilseigner nicht mithalten“, hieß es in einer Mitteilung. Er sei aber sehr stolz darauf, der Bank vorstehen zu dürfen, bei der er vor fast 30 Jahren seine Karriere begonnen habe. Am Morgen sank die Barclays-Aktie um rund 1,6 Prozent.

Am späten Mittwochabend hatte die Bank zudem bestätigt, dass die Behörden in Großbritannien Geschäfte zwischen Barclays und Investoren im Emirat Katar untersuchen. Die Bank hatte auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 in der Region Milliarden beschafft, um zu vermeiden, vom Staat gerettet werden zu müssen. Zudem ist Barclays Teil einer Untersuchung der britischen Finanzaufsicht, weil kleinere Unternehmen falsch beraten worden sein sollen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • VOM TUTEN UND VOM BLASEN ...

    Keine Ahnung - , aber ein Gefühl.
    Nehmen wir mal eine Fabrik zur Herstellung von
    Magier-Zylindern und lebenden Kaninchen an!
    Und dazu die fabrikinterne Kenntnis, dass relativ zu jedem produzierten Zylinder kein passendes Kaninchen vorgehalten worden war, da ein nicht mindergroßer Teil derselben durch die Kochtöpfe der Fabrikbeschäftigten von der Bildfläche verschwanden.
    Ob dieser barbarischen Zweckentfremdung von Kaninchen schämte man sich und drohte den Chef der Fabrik zu lynchen, wenn er sie alle in Verruf brächte.
    Zum Glück hatte man in dieser verzwickten Situaton eine Lösung: Der vegetarische Chef der Kaninchenfutter-Administration bekam seine
    H A U S B E R U F U N G.

    Und so rätselt die Welt noch heute,
    warum es bei so vielen Zylindern
    auf der Welt so wenig Kaninchen
    gibt.

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