Nachfolgerin der Hypo Alpe Adria
Bei der Heta fehlen 4,6 Milliarden Euro

Die Kapitallücke bei der ehemaligen Hypo Alpe Adria ist offenbar rund 4,6 Milliarden Euro groß. Auch die Commerzbank besitzt Anleihen des Kriseninstituts aus Österreich in Höhe von 400 Millionen Euro.
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WienDie Kapitallücke bei dem österreichischen Kriseninstitut Heta dürfte im wahrscheinlichsten Fall rund 4,6 Milliarden Euro groß sein. Das sei das vorläufige Ergebnis der Bilanzprüfung eines Wirtschaftsprüfers, der bis Ende Februar die Bücher der ehemaligen Hypo Alpe Adria durchkämmt hatte, sagte Bundeskanzler Werner Faymann am Mittwoch. Die Abwicklungsbehörde FMA hatte die Bandbreite für das Kapitalloch mit vier bis 7,6 Milliarden Euro beziffert.

Die Größe der Lücke ist mit entscheidend für die Höhe des Schuldenschnitts, der den Hypo-Gläubigern droht. Darunter sind auch deutsche Banken, von denen viele bereits Abschreibungen auf ihre Hypo-Anleihen angekündigt haben. So hat die BayernLB mehr als zwei Milliarden Euro an ihre Ex-Tochter verliehen, die Commerzbank besitzt Hypo-Anleihen in Höhe von 400 Millionen Euro. Die Düsseldorfer Hypothekenbank, die rund 350 Millionen Euro in Hypo-Bonds investiert hat, musste sogar vom Einlagensicherungsfonds des Privatbankenverbands BdB gerettet werden.

Bei dem Kriseninstitut hatte die Abwicklungsbehörde FMA im März das Ruder übernommen und die Rückzahlung sämtlicher Anleihen gestoppt. Damit will Österreich Zeit gewinnen, um über einen Schuldenschnitt für die Hypo-Investoren zu entscheiden.

Grund für die milliardenschwere Kapitallücke bei der Hypo-Nachfolgerin Heta sind hohe Abschreibungen, die die Behörden auch mit der Neubewertung im Zuge der Umwandlung des Instituts in eine Bad Bank begründen. Das wahrscheinlichste Szenario seien Wertberichtigungen im Umfang von 5,7 Milliarden Euro, sagte Faymann. Hier lag die vom Wirtschaftsprüfer ermittelte Bandbreite bei 5,1 bis 8,7 Milliarden Euro.

Wie hoch die Lücke tatsächlich ausfällt, dürfte Ende April feststehen: Dann muss die Heta ihre Bilanz veröffentlichen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • So hat man es gern: erst ziehen das Land Kärnten und der alpenländische Fiskus jahrelang Nutzen auch aus den mehr als fragwürdigen Geschäften der Hypo Alpe Adria, dann entscheidet die Republik Österreich einfach mal so über Nacht, wie eine ausgemachte Bananenrepublik ihre Schulden nicht mehr zu bezahlen. Ziel: mit den Kreditoren verhandeln. Man kann auch sagen, zu versuchen, sie zu übervorteilen. Zu den Gläubigern gehören auch deutsche Landesbanken, sodass am Ende der deutsche Steuerzahler für österreichisches Unvermögen aufkommen soll. Auch Argentinien im fernen Südamerika versucht bis heute, sich vor der Schuldentilgung zu drücken, ist seit mehr als einem Jahrzehnt immer noch in Prozesse verwickelt und kann sich auf dem Finanzmarkt nicht finanzieren. Österreich gehört im Rating heftig herabgestuft. Genau das wird auch geschehen. Mein Umfeld und ich sind seit Jahren als Investoren im Anleihenmarkt aktiv. Ab morgen werden österreichische Anleihen jeder Art freilich tabu sein.

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