Nachgefragt: „Ich will Garantien nicht abschaffen“

Nachgefragt
„Ich will Garantien nicht abschaffen“

Sechs Fragen an Bernhard Schareck, Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Versicherungswirtschaft.

NACHGEFRAGT: BERNHARD SCHARECK

Sie haben sich kürzlich für eine Aufweichung der Zinsgarantien in der Rentenversicherung ausgesprochen. Was meinen Sie damit?

Das Wort „Aufweichung“ habe ich nicht verwendet.

Sie haben es „Adjustierungsmechanismus“ genannt. Soll der denn nur in Extremsituationen greifen, oder denken Sie an eine Art automatische Anpassungsklausel, wie wir sie beispielsweise aus der Hausratversicherung kennen?

Eine zukunftsorientierte Konstruktion sollte die Sicherheit (aus Kunden- und Unternehmenssicht) erhöhen.

Reicht die regelmäßige Anpassung der Sterbetafel nicht aus, um die steigende Lebenserwartung in den Griff zu kriegen?

Bisher wurde das Problem der Langlebigkeit durch die Konstruktion des Kollektivs und Glättung über die Zeit gelöst. Das gesamte Nachreservierungsvolumen 2004 (gegenüber der alten Sterbetafel von 1994) wird auf vier Mrd. Euro geschätzt. Das stastistische Lebensalter steigt zur Zeit zwei Monate per anno. Sollte dieser Trend durch medizinischen Fortschritt noch wachsen, steigt auch die Anforderung im Rahmen der portfolioorientierten Trendanpassung.

Ihr Verband hat sich deutlich für Garantien ausgesprochen. Und der Berufs- und Unternehmerverband der selbstständigen und hauptberuflichen Versicherungsvermittler warnt davor, das letzte verbleibende Argument für die Kapital bildende Lebensversicherung anzugreifen. Gibt es da einen Dissens mit Ihnen?

Nein. Auch ich habe für die Garantien geworben.

Ist eine Versicherung ohne Garantie für Sie überhaupt noch eine Versicherung?

Nein. Deshalb sage ich ja auch: Wenn wir die Garantien abschaffen, schaffen wir unser Geschäftsmodell ab.

Wo liegt die Zukunft der Lebensversicherung?

Die Zukunft der Lebensversicherung liegt zunehmend in einer gemanagten Altersvorsorge. Die Anteile lebenslanger Rentenzahlungen im Portefeuille werden deutlich zunehmen. Auf diesem Feld wird – demographiegetrieben – der Wettbewerb der Zukunft liegen.

Die Fragen stellte Rita Lansch.

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