Nachgefragt: Thomas Hess: Nachgefragt: „Für einen Euro Prämie versichert“

Nachgefragt: Thomas Hess
Nachgefragt: „Für einen Euro Prämie versichert“

Das Handelsblatt im Gespräch mit Thomas Hess, Chefvolkswirt beim Schweizer Rückversicherer Swiss Re.

Die Tsunami-Katastrophe traf die Assekuranz kaum. Wie kann man die Versicherungsdichte in ärmeren Regionen erhöhen?

Für große internationale Kapitalgesellschaften ist das Geschäft dort wenig interessant. Dafür ist das Volumen zu gering. Die ideale Geschäftsform für solche Regionen sind sicher Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit. Doch selbst sie stoßen auf praktische Probleme, wenn Menschen weder lesen noch schreiben können oder Besitzverhältnisse unklar sind. Und bei Katastrophen, die viele Mitglieder betreffen, kann ein Schutz nur sichergestellt werden, wenn sich die Vereine rückversichern. Hier kommen die internationalen Rückversicherer ins Spiel.

Gibt es eine Alternative zur klassischen Versicherung?

Eine Möglichkeit ist die Einführung von Mikro-Versicherungen. Typisch dafür sind geringe Versicherungsbeiträge – oft nur von einem Euro pro Monat oder weniger – und sehr eng umgrenzte Leistungen. Schadenzahlungen sind etwa auf wenige hundert Euro beschränkt und werden nur bei sehr eng umschriebenen Tatbeständen fällig. Mikro-Versicherung kann etwa in Verbindung mit einem Kleinkredit gewährt werden, um das Risiko für die Kreditnehmer zu reduzieren. Beispielsweise: Sollten letztere durch eine Katastrophe zahlungsunfähig werden oder sterben, deckt die Versicherung den Kredit.

Gibt es weitere Möglichkeiten?

Diskutiert werden derivative Lösungen. Das Modell lässt sich anhand einer Ernteausfallversicherung verdeutlichen. Swiss Re entwickelt mit Weltbank und World Food Program Versicherungs- oder Derivatelösungen für deren Entwicklungsprojekte im Bereich Hunger. Der Schutz soll auf einem wetterbasierten Index beruhen: Steigen beispielsweise die Temperaturen über eine vorher festgelegte Marke, gelangt die Versicherung zur Auszahlung. Mit dem Geld können durch die Hitze entstandene Ernteschäden abgegolten werden. Die Derivatelösung hätte den Vorteil, dass Versicherer auf eine aufwendige und in vielen Fällen unverhältnismäßig teure Schadensaufnahme verzichten könnten.

Die Fragen stellte Caspar Dohmen

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