Neben Millionenstrafen
Kabul-Bank-Manager müssen fünf Jahre in Haft

Der Skandal um die Kabul-Bank führte fast zum Kollaps des afghanischen Finanzsystems. Nun hat ein Gericht die Top-Manager zu Gefängnisstrafen verurteilt. Es geht um Hunderte Millionen Dollar.
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KabulIm Skandal um die afghanische Kabul-Bank sind der Ex-Vorstandschef und der frühere Geschäftsführer zu je fünf Jahren Haft und zur Rückzahlung von mehr als 800 Millionen Dollar verurteilt worden. Ein Sondergericht sprach Bankgründer Scher Chan Farnood und den Ex-Geschäftsführer Chalil Ferosi am Dienstag in Kabul der Unterschlagung und des Betrugs schuldig.

Farnood muss nach dem Urteil 287 Millionen Dollar (221 Mio Euro) zahlen, Ferosi 530 Millionen Dollar (407 Mio Euro). Außer den beiden Top-Managern wurden 19 weitere Bankangestellte und Regierungsvertreter zu Haftstrafen zwischen sechs Monaten und vier Jahren verurteilt.

Der Skandal hatte die größte Privatbank Afghanistans und das gesamte Finanzsystem des Landes 2010 an den Rand des Zusammenbruchs geführt. Nach einem Untersuchungsbericht hatte die Kabul-Bank unsaubere Kredite über 935 Millionen Dollar vor allem an einflussreiche Anteilseigner und Mitarbeiter der Bank vergeben. 92 Prozent der Summe seien an nur zwölf Personen und sieben mit ihnen verbundene Firmen gegangen, hieß es in dem Bericht vom November. Die Begünstigten wurden nicht namentlich genannt. Die unabhängige Untersuchungskommission hatte bei der Aufklärung des Finanzskandals „unangemessene politische Einmischung“ kritisiert.

Farnood und Ferosi hatten die Unterschlagungsvorwürfe jeweils dementiert, sich aber gegenseitig belastet. Auch ein Bruder von Präsident Hamid Karsai und ein Bruder von Vize-Präsident Marschal Fahim wurden nach Medienberichten verdächtigt, von den unsauberen Krediten profitiert zu haben. Sie waren aber nicht angeklagt worden.

Die Bank wurde in Folge des Skandals unter Aufsicht der Zentralbank gestellt und in Neue Kabul-Bank umbenannt. Auf dem Korruptionsindex von Transparency International teilt sich Afghanistan den 174. und letzten Platz mit Nordkorea und Somalia.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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