Negativzinsen
EZB-Strafzinsen werden für Sparkassen zum Problem

Der negative Einlagenzins der Europäischen Zentralbank bringt viele Sparkassen an ihre Grenzen. Denn zur Kasse werden die Kunden bislang nicht gebeten. Das führt zu Verlusten von 500 Millionen Euro – pro Jahr.

Die Strafzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) machen der Sparkassen-Finanzgruppe schwer zu schaffen. Da Sparkassen und Landesbanken die Negativzinsen an die meisten ihrer Kunden nicht weitergeben, entstehen für die Institute pro Jahr Belastungen von mindestens einer halben Milliarde Euro, wie drei mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters am Montag sagten.

Bei der Kalkulation, die bereits vor einiger Zeit angestellt wurde, seien nur bestimmte Einlageformen und Gelder ab 10.000 Euro berücksichtigt worden, betonte einer der Insider. Die Gesamtkosten für Organisation dürften also deutlich über 500 Millionen Euro liegen. „Es handelt sich um eine grobe Analyse, die nicht belastbar ist“, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV).

Die EZB verlangt von Geschäftsbanken seit Sommer 2014 Strafzinsen, wenn diese Geld über Nacht bei ihr parken. Seit März liegt der Satz bei 0,4 Prozent. Die Währungshüter wollen Banken auf diese Weise dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben und so die Wirtschaft anzukurbeln. Da die Kreditnachfrage in der Bundesrepublik verhalten ist, gelingt dies vielen deutschen Geldhäusern allerdings nicht. Sie müssen die Belastungen durch Negativzinsen deshalb entweder selbst tragen – oder sie an die Kunden weitergeben.

Die meisten Banken bitten inzwischen Profi-Anleger und Unternehmen zur Kasse, wenn diese hohe Summen auf ihren Bankkonten parken. Privatkunden deutscher Banken bleiben davon bisher weitgehend verschont. Lediglich die Raiffeisenbank Gmund am Tegernsee hat angekündigt, ein „Verwahr-Entgelt“ für einige vermögende Privatkunden einzuführen.

Viele Sparkassen-Vertreter betonen, Strafzinsen für Privatanleger so lange wie möglich verhindern zu wollen. „Im Moment ist das kein Thema für uns“, erklärte kürzlich Michael Ermrich, der Präsident des Ostdeutschen Sparkassenverbandes. Das könne sich allerdings ändern, wenn viele Konkurrenten Strafzinsen für Privatkunden einführten, räumt er ein. „Die Kunden würden dann ihre Konten bei den Mitbewerbern auflösen und uns das ganze Geld geben.“

Die Deutsche Bundesbank sieht bisher keine Anzeichen dafür, dass Institute Negativzinsen auf breiter Front an Privatkunden weitergeben. „Bei unserer letzten Niedrigzinsumfrage aus 2015 haben lediglich 16,4 Prozent aller Institute angegeben, dass sie darüber nachdenken“, sagte Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret im August im Reuters-Interview. „Und Nachdenken heißt noch lange nicht, negative Zinsen zu berechnen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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