Neue Anforderungen: Banken erhöhen Kapital um 115 Milliarden Euro

Neue Anforderungen
Banken erhöhen Kapital um 115 Milliarden Euro

Die EU-Bankenaufsicht hat die Kapitalbeschaffungspläne der großen Geldhäuser analysiert. Das Kapital werde um insgesamt 115 Milliarden Euro erhöht. Mit dabei: die Commerzbank. Auch einen weiteren Stresstest wird es geben.
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Düsseldorf/LondonDie europäischen Staatschefs hatten wegen der Turbulenzen auf den Märkten für europäische Staatsanleihen höhere Kapitalanforderungen an die Banken gestellt. Bis zur Jahresmitte müssen sie neun Prozent an hartem Kernkapital vorhalten, was in Deutschland insbesondere die Commerzbank vor erhebliche Probleme gestellt. Doch das Institut hat jüngst einen Plan vorgelegt, wie es auch ohne neuerliche Staatshilfe das Ziel erreichen kann.

Die Europäische Bankenaufsicht hat jetzt einen Überblick über die Kapitalpläne aller 31 betroffenen Institute erstellt. Demnach planen die Geldhäuser, insgesamt 115 Milliarden Euro an frischem Kapital zu beschaffen. Im Schnitt würden die Banken ihre Kapitalausstattung um 26 Prozent steigern. „Das gibt ihnen etwas Spielraum, wenn sich einige der geplanten Maßnahmen nicht umsetzen lassen“, hieß es nach einer zweitägigen Sitzung des
höchsten Aufsichtsgremiums der EBA.

Die Londoner Behörde kündigte an, erst im kommenden Jahr einen weiteren Stresstest zu planen. Grund dafür seien die in diesem Jahr geforderte und umgesetzte Kapitalbeschaffung. 77 Prozent der Maßnahmen zielten auf eine direkte Stärkung des Kapitals ab, etwa durch Kapitalerhöhungen, die Streichung von Dividenden oder die Umwandlung von Hybrid- in Eigenkapital. Nur 23 Prozent entfielen auf eine Reduzierung der Bilanzrisiken (RWA). Die EBA hatte befürchtet, dass letzteres zu einer Kreditklemme führen könnte. Insgesamt seien durch die Kapitalerhöhungen daher keine negativen Wirkungen auf die Realwirtschaft zu befürchten.

Die Banken könnten Anfang März mit einer ersten Beurteilung ihrer Pläne durch die nationalen Aufsichtsbehörden rechnen, hieß es in der Mitteilung. Erfüllen müssen sie die Vorgaben bis Ende Juni. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hatte die Pläne der sechs betroffenen deutschen Banken bereits als plausibel bezeichnet. Erst im kommenden Jahr will die EBA die Widerstandskraft der größten europäischen Banken gegen Krisen erneut mit einem Stresstest überprüfen.

Martin Dowideit, Leiter Digitales, Handelsblatt.
Martin Dowideit
Handelsblatt / Leiter Digitales
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neue Anforderungen: Banken erhöhen Kapital um 115 Milliarden Euro"

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  • Aber Mazi, wie können Sie denn durch Fakten die Theorie von der Schuld der Banken an allen Erbsünden, der Existenz der Hölle und natürlich auch an der Überschuldung einzelner (fast aller) Staaten in Frage stellen?
    Jetzt fehlt nur noch die Information, dass Finanzinstitute (Banken und Versicherungen) teilweise sogar gezwungen werden, (Kunden-)Gelder in Staatsanleihen anzulegen. Und eine reine Fokussierung auf deutsche Staatsanleihen stellt ggf. dann auch noch ein unzulässiges Klumpenrisiko dar (auch wenn die Wahrscheinlichkeit geringer ist als bei anderen Ländern, auch hier bestehen Kapitalrisiken).
    Wenn Sie jetzt noch erwähnen würden, dass eine Staffelung / breitere Auffächerung der Bonitätsnoten durch die Ratingagenturen durchaus sinnvoll ist (nicht jeder Staat kann AAA haben), dann würden Sie gleich auch noch die nächste Lieblings-Stammtischparole von der Attacke der (amerikanischen) Ratingagenturen auf die (armen kleinen) europäischen Länder zusätzlich in Zweifel ziehen (unabhängig davon, dass die amerikanische Note noch zu hoch ist, sind die Noten einiger anderer Länder auch noch nicht niedrig genug).

  • Was soll man glauben?

    Solange Marktrisiken nicht abgebildet werden, braucht man doch über keine angemessene Kapitalausstattung für Banken nachzudenken.

    Banken haben massive Marktrisiken in Staatspapieren, ohne diese mit Eigenkapital zu unterlegen/unterlegen zu müssen. Diese Regelung führt doch zu einem falschen Marktanreiz, zu einer geplanten Fehlsteuerung.

    Solange die EBA die Sachthemen nicht aufgreift, solange übt sie keine Marktaufsicht aus. Richtig wäre, die Bestände in Staatsanleihen mit risikoadjustiertem Eigenkapital zu unterlegen und deren Höhe "zu deckeln". Die Erpressbarkeit der Banken durch den Staat/die Staaten wäre nicht mehr gegeben.

    Aber, ob man das an den "Schaltstellen" auch so will?

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