Neue aufsichtsrechtliche Vorschriften könnten einige Gesellschaften in Bedrängnis bringen: Versicherer brauchen mehr Kapital für ihr Geschäft

Neue aufsichtsrechtliche Vorschriften könnten einige Gesellschaften in Bedrängnis bringen
Versicherer brauchen mehr Kapital für ihr Geschäft

Die Versicherer in Deutschland werden deutlich mehr Kapital für die Erfüllung der künftigen Solvenzregeln bereitstellen müssen. Dies sagte Bernd Heistermann, Finanzmathematiker beim Rückversicherer Gen Re, bei einer Veranstaltung der Universität Köln. Dabei macht er gravierende Unterschiede zwischen der Leben- sowie der Schaden- und Unfallversicherung aus.

KÖLN. Der Versicherungsexperte erwartet, dass „drei von vier Schaden- und Unfallversicherer höheren aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen unterliegen werden“. Besonders betroffen seien dabei Gesellschaften mit einem hohen Prämienaufkommen in den Sparten Haftpflicht, Kredit, Transport oder Sturm. Entlastung erwartet Heistermann dagegen in den beiden Bereichen Unfall- und Kraftfahrzeugversicherung. Die höhere Unterlegung ihres Geschäfts mit Eigenkapital werde für die Sachversicherer aber unter dem Strich unproblematisch sein. Bis auf wenige Gesellschaften könnten alle Unternehmen auf Grund ihrer Kapitalreserven die Anforderungen erfüllen. „Die Puffer werden allerdings kleiner“, machte der Experte deutlich.

Seinen Berechnungen hat der Mathematiker eine Übertragung der voraussichtlichen britischen Solvabilitätsanforderungen auf Deutschland sowie eine konservative Anlagepolitik jeder einzelnen Gesellschaft zu Grunde gelegt. Die britische Finanzaufsicht (FSA) liegt bei der Umsetzung neuer Solvabilitätsanforderungen in der Europäischen Union vorn. In einem ersten Schritt fordert die FSA bereits seit Anfang dieses Jahres von allen Versicherern ein realistischeres Bild über ihre Vermögenslage. Dies löste jüngst die Krise bei dem Versicherer Standard Life aus.

Unannehmlichkeiten stehen nach Ansicht von Heistermann bei der Umsetzung der neuen Eigenkapitalrichtlinien auch einer Reihe deutscher Lebensversicherer Haus. „Die Situation ist hier schließlich bereits ohne Neuregelung angespannt.“ Schon Ende des vergangenen Jahres habe ein gutes Dutzend Gesellschaften die derzeitigen Eigenkapitalanforderungen nur mittels eines legalen Tricks erfüllen können, sagte Heistermann – indem sie künftige Gewinne mitbewerteten. Diese Möglichkeit wird allerdings in zwei Jahren gestrichen.

Für eine Reihe von Unternehmen werde die Erfüllung der neuen Anforderungen stressig, sagte Heistermann. „Zusätzliche Anforderungen könnten einige Marktteilnehmer in Schwierigkeiten bringen. Die schwächeren Gesellschaften werden durch die starken aufgesogen.“

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) will jetzt noch keine Aussagen über die Auswirkungen der neuen Eigenkapitalanforderungen auf die Versicherer machen. „Der Zeitpunkt ist verfrüht“, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde.

Die neuen Regelungen werden laut Branchenexperten in den nächsten beiden Jahren diskutiert und frühestens Ende 2007 umgesetzt. Das Projekt der Europäischen Kommission läuft unter dem Titel „Solvency II“. Ziel ist die Entwicklung eines Aufsichtssystems, das stärker die Risiken der Versicherer berücksichtigt.

„Noch steckt das Projekt in den Kinderschuhen“, betonte BaFin-Präsident, Jochen Sanio, beim Neujahrsempfang seiner Behörde. Dagegen spricht Heistermann bereits von Gewinnern und Verlierern der anstehenden Änderungen. Profiteure würden die großen Versicherungsunternehmen, prognostiziert Heistermann. Sie hätten mehr Kunden und könnten deshalb ihre Risiken besser diversifizieren, dies werde sich in den Eigenkapitalanforderungen positiv niederschlagen. Die kleineren und mittelgroßen Gesellschaften könnten reagieren, indem sie beispielsweise Produkte zukauften oder mehr Geschäft an die Rückversicherer abgäben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%