Neue Eigenkapitalregeln: Aufsicht nimmt Versicherer ins Visier

Neue Eigenkapitalregeln
Aufsicht nimmt Versicherer ins Visier

Das deutsche Modell der Lebensversicherung ist schwer mit den künftigen Eigenkapitalregeln zu vereinbaren, die international unter dem Stichwort „Solvency II“ erarbeitet werden. Neue Eigenkapitalregeln forcieren die Konsolidierung in der Branche.

BONN. Diese Einschätzung vertrat Versicherungsdirektor Thomas Steffen von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Ich stoße regelmäßig auf wenig Verständnis in Europa, wenn es um das deutsche Lebensversicherungsmodell geht“, sagte Steffen.

Unter dem Stichwort Solvency II sollen für Versicherer ab 2008 neue Eigenkapitalregeln für das Geschäft in Europa gelten. Analog dem Regelwerk „Basel II“ im Bankenbereich spielt bei den Geschäftsabschlüssen künftig das Risiko eine größere Rolle als bisher für die Bemessung des notwendigen Mindestkapitals.

Maßgeblich für die europäischen Rahmenbedingungen der Lebensversicherung dürfte nach Ansicht von Steffen Großbritannien sein. „Die englischen Produkte können während einer langen Laufzeit besser atmen“, sagt Steffen. In Großbritannien erhalten die Kunden keine garantierten Mindestzinsen über die gesamte Laufzeit des Vertrages wie in Deutschland. Dadurch ist das britische Modell flexibler. Die deutschen Regeln seien zudem so kompliziert, dass sie kaum jemand verstehe, sagte Steffen. Der Aufseher verweist auf unterschiedliche Garantieniveaus und die verschiedene Behandlung von Versicherungsverträgen, die vor und nach der Deregulierung im Jahre 1994 abgeschlossen wurden. Außerhalb von Deutschland gebe es einheitlichere Regeln.

Die traditionellen Garantien der deutschen Lebensversicherer werden künftig teuer, weil sie unter dem zukünftigen Solvenzregime mit Eigenkapital unterlegt werden müssen. Für die deutsche Lebensversicherungswirtschaft sei die entscheidende Frage, ob sie künftig dieses Geld noch aufbringen können, sagte Steffen. Derzeit hat die Branche ein Eigenkapital von rund 43 Mrd. Euro, davon binden die bisherigen Solvenzvorgaben 25 Mrd. Euro. „Unser Ziel als Aufsicht ist, zu verhindern, dass deutsche Versicherer mit ihren umfassenden Garantien unter Solvency II mit zu hohen Eigenkapitalanforderungen belastet werden“, versprach Steffen. Einfacher sind für ihn die Verhandlungen in der Schaden- und Unfallversicherung. „Ich sehe hier eine gute Ausgangsbasis, das deutsche Solvenzmodell zum europäischen Standard zu machen“, sagte Steffen.

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