Neue Eigenkapitalvorschrift
Banken beginnen den großen Ausverkauf

Die Geldinstitute stehen unter einem enormen Druck. Um dringend benötigtes Eigenkapital zu bekommen, müssen sie Kreditpakete und ganze Konzernteile abstoßen. Interessenten dafür gibt es genug.
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Frankfurt/LondonDie Banken werden in den kommenden Monaten in bisher nicht gekanntem Ausmaß Ballast abwerfen, um ihre Bilanzen zu stärken. So schätzt die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte den Umfang von nicht-strategischem Geschäft und notleidenden Vermögenswerten bei europäischen Banken auf 1,7 Billionen Euro. Allein in Deutschland gehe es dabei um 522 Milliarden Euro, laut einer gerade veröffentlichten Studie. Der Druck auf die Banken, sich von solchen Geschäften zu trennen, ist groß: Die europäischen Aufsichtsbehörden verlangen von den Instituten, ihre Eigenkapitaldecke möglichst schnell zu stärken. Die Lücken, die der jüngste europäische Stresstest aufdeckt, müssen die Institute bis Ende Juni 2012 stopfen.

Außerdem sollen die Banken mehr Liquidität vorhalten und Abgaben zahlen zum Auffüllen von Rettungstöpfen für Krisen. Durch den Verkauf von Konzernteilen oder Kreditbeständen wird bei den Banken Kapital freigesetzt, was wiederum hilft, die Vorgaben der Aufseher zu erfüllen.

"Eine Bilanzverkleinerung ist das wichtigste Ziel der meisten Strategiepläne von Banken, und das wird 2012 und darüber hinaus höchstwahrscheinlich zu erhöhten Verkäufen führen", sagt Deloitte-Partner Robert Young. Allerdings gibt es auch Entwicklungen, die dem Trend entgegenstehen. Neben dem schwächeren Wirtschaftswachstum und der europäischen Schuldenkrise wirken sich laut Deloitte auch die noch immer sehr unterschiedlichen Preisvorstellungen der potenziellen Käufer und Verkäufer eher bremsend aus. Denn wenn Banken mit zu hohen Verlusten Geschäftsteile verkaufen, können sie damit ja nicht ihre Kapitalquote stärken. "Viele Verkäufe scheitern daran, dass sie sich ökonomisch nicht für uns rechnen", so ein Bankmanager. "Wenn alle zur gleichen Zeit durch die Tür wollen, wird es eng", ergänzt der Vorstandschef einer deutschen Bank.

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  • Nehmen Sie einmal an, in Ihrer Stadt wäre die Hälfte der Taxifahrer betrunken und ohne Führerschein unterwegs. Zugleich wären deren Fahrzeuge Wracks ,ohne TÜV, mit maroden Bremsen.
    Wenn Sie nun beginnen, die Problemkandidaten aus dem Verkehr zu ziehen, wird deren Säuferlobby augenkullernd verkünden, wie unverzichtbar sie doch zur Sicherstellung von Transportleistungen sei.... Genau so verhält es sich mit den eigenkapitalschwachen Banken, die nicht in der Lage für ihr eigenes Treiben zu haften.
    Diese Banken sind parasitäre Habenichtse, die selbst ohne eigene Mittel sind, aber mit Notenbankgeld+Subventionen aufmunitioniert werden, nur um diese Gelder mit Margenaufschlag durchzureichen.
    Die aktuell Krediteskalation, mit hirnverbrannter Kreditvergabe an Gaukler wie Griechenland verdanken wir genau solchen Strukturen:
    Geht es gut, streichen die Habenichtse Margengewinne ein, geht es schlecht haften andere. Dieses Pack ist ohne marktwirtschaftlichen Wert. Die Krise sollte endlich genutzt werden, diese Parasiten auszulöschen.

  • Das ganze zeigt doch eimal mehr, daß einzelne Banken völlig unwichtig sind für die Volkswirtschaft. Systemrelevant sind Sie nur deshalb, weil die Politik das "System" nicht begreift und sich von den Banken hat einreden lassen, daß Banken generell "systemrelevant (systemisch)" sind.

    Wenn Banken der Realwirtschaft keine Kredite mehr zur Verfügung stellen wollen oder können, dann müssen eben Alternativen her. Und die gäbe es genug.

    - Firmenanleihen (ggf. teilweise oder ganz vom Staat garantiert.
    - Investitionsbanken (staatlich, vorübergehend)
    - (Eigen-)Kapitalerhöhungen (Aktien verbriefen schließlich Sachwerte!)
    - u.v.m.

    Bei all diesen Maßnahmen könnte der Staat - für einen begrenzten Zeitraum - fördernd eingreifen. Das ist auch aus Sicht eines Verfechters der Marktwirtschaft immer noch besser, als den unproduktiven Banken das Volksvermögen in den gierigen Rachen zu schmeißen und damit das ganze Land (und mehr) in den Abgrund zu ziehen.

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