Neue Einschnitte
Credit Suisse streicht Jobs im Beratungsgeschäft

Wegen der Flaute an den Kapitalmärkten will die Großbank Credit Suisse die Chefetage im Bereich Beratung und Unternehmensfinanzierung ausdünnen. Das entsprechende Personal soll um rund ein Drittel reduziert werden.
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London/ZürichDie Flaute an den Kapitalmärkten zwingt die Schweizer Großbank Credit Suisse zu Einschnitten im Investmentbanking. Die Londoner Führungsriege im Beratungsgeschäft und in der Unternehmensfinanzierung solle um bis zu ein Drittel ausgedünnt werden, sagten drei mit den Plänen vertraute Personen.

"Im europäischen Investmentbanking wollen sie 60 Direktoren und Managing Directors loswerden", sagte einer der Insider. Credit Suisse hatte zuletzt bei der Fusionsberatung Marktanteile verloren. Die Beratungs- und Kommissionserträge sanken im ersten Quartal um sieben Prozent auf 228 Millionen Franken.

In den vergangenen Monaten haben Investmentbanken rund um den Globus Zehntausende Stellen gestrichen, um das Wegbrechen von Erträgen im Kapitalmarktgeschäft zu kompensieren. Allerdings lag der Fokus dabei oft auf dem Handel und wenig auf dem klassischen Beratungsgeschäft. Doch mit der erneuten Verschärfung der Euro-Schuldenkrise sind auch viele Börsengänge ins Wasser gefallen und Fusionspläne der Firmenchefs in der Schublade verschwunden. Damit fallen bei den Investmentbanken fest eingeplante Provisionen weg.

Weltweit wurden nach Daten von Thomson Reuters seit Jahresbeginn Unternehmen für fast genau eine Billion Dollar ge- und verkauft, 25 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besserung ist nach Ansicht vieler Investmentbanker nicht in Sicht. In der Liste der wichtigsten Fusionsberater weltweit ist Credit Suisse auf Platz fünf von vier gefallen, in Deutschland gar auf Rang neun von eins.

Nur wenige Institute, darunter die Deutsche Bank, haben bislang kaum Jobs gestrichen. Sie setzen darauf, in der Krise Marktanteile zu gewinnen. Der neue Bankchef Anshu Jain hatte neulich angekündigt, dass sein Haus in einigen Jahren vermutlich die einzige kontinentaleuropäische Bank sein dürfte, die im Konzert der globalen Institute mitspielt.

Der Abbau bei Credit Suisse ist Teil eines vor einem Jahr bekanntgegebenen Plans, konzernweit 3500 von rund 50.000 Stellen zu streichen, um die Kosten um rund zwei Milliarden Franken zu senken. Die Kürzung im klassischen Investmentbanking hatte sich abgezeichnet. Dort gebe es in der Region Europa, Naher Osten und Afrika Überlappungen und Ineffizienzen, hieß es im Geschäftsbericht für das erste Quartal.

Der Druck auf die Kosten ist bei Credit Suisse (CS) größer geworden, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) die gemessen an den kommenden Standards von Basel III schwache Kapitalausstattung der Bank kritisierte. Die SNB forderte Verbesserungen bis hin zu einer Kapitalerhöhung noch in diesem Jahr. CS-Konzernchef Brady Dougan lehnt eine Kapitalerhöhung ab und will das Eigenkapital vor allem aus einbehaltenen Gewinnen erhöhen. Die müssen aber erst einmal erwirtschaftet werden.

An der Börse verlor die CS-Aktie mit 1,7 Prozent mehr als der Titel des Rivalen UBS und der europäische Bankenindex gab 0,4 Prozent nach.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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