Neue Freihandelszone
Deutsche Bank hofft auf Schub in China

Im September gab China den Startschuss für die Freihandelszone in Shanghai, um Finanzreformen zu testen. Nun setzt die Deutsche Bank auf diese Zone – und will ab Donnerstag endlich in der Volksrepublik durchstarten.
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FrankfurtDie Deutsche Bank erhofft sich durch eine Filiale in der Freihandelszone in Shanghai einen Schub für ihr Geschäft in China. „Durch die Regeln in der Freihandelszone wird es für Unternehmen aus dem Ausland deutlich leichter, ihre Geschäfte in China zu finanzieren und Gelder über Landesgrenzen hinweg zu transferieren“, sagte Deutsche-Bank-Manager Oliver Brinkmann in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Die Deutsche Bank eröffnet am Donnerstag als erstes deutsches Geldhaus eine Niederlassung in der neuen Freihandelszone.

Die Volksrepublik hat im September den Startschuss für die Freihandelszone gegeben, in der China Finanzreformen für das gesamte Land testen will. Besonders der Umgang mit der Landeswährung Yuan, der bisher stark reguliert ist, soll dort gelockert werden. Nach der Ankündigung im September zögerten viele internationale Konzerne jedoch zunächst, sich in der Zone anzusiedeln, weil die genauen Regeln unklar waren.

Mittlerweile sei die Skepsis aber gewichen und viele Kunden hätten sich in dem Gebiet niedergelassen, sagte Brinkmann, der bei der Deutsche Bank aus China heraus das Geschäft mit Unternehmenskunden leitet. „Zahlreiche weltweit aktive Konzerne sind dort bereits vertreten, viele andere werden folgen. Gerade für große deutsche Mittelständler ist es attraktiv, ihre Geschäfte in China über die Freihandelszone abzuwickeln.“

Besonders groß sind die Erleichterungen aus seiner Sicht im Zahlungsverkehr. „Unternehmen, die eine Niederlassung in der Freihandelzone haben, können ihr Cash Management nun in ihre konzernweiten Systeme integrieren und über eine zentrale Plattform steuern.“ Bisher mussten Konzerne den Zahlungsverkehr in China streng getrennt von Geschäften in anderen Teilen der Welt organisieren. Auch Kapital könnten Konzerne künftig leichter in die Volksrepublik transferieren, wenn sie dort Investitionen planten, erklärte Brinkmann.

Der Devisenhandel werde ebenfalls stark vereinfacht. „Bisher mussten die Unternehmen Dokumente vorlegen, die belegen, dass die Transaktion im Zusammenhang mit Handels- oder Dienstleistungsgeschäften steht“, sagte Brinkmann. „Diese Nachweispflicht entfällt künftig für Unternehmen, die in der Freihandelszone niedergelassen sind“. Die Überprüfung übernehmen künftig die Geldhäuser, die in der Freihandelszone ansässig sind. Neben der Deutschen Bank haben sich bereits andere Großbanken wie Citi oder HSBC in dem 29 Quadratkilometer großen Gebiet angesiedelt. Auch der US-Versicherer Metlife erhielt kürzlich eine Lizenz für die Eröffnung einer Filiale. Hingegen will die Commerzbank nach eigenen Angaben keine Filiale in der Freihandelszone eröffnen.

Die Freihandelszone ist ein weiterer Schritt, mit der China die Öffnung seiner Finanzmärkte und die Internationalisierung des Yuan vorantreiben will. Erst vor kurzem hat die chinesische Notenbank angekündigt, in Frankfurt eine Clearingbank aufzubauen, mit der die Stadt zu einer Drehscheibe für den Handel mit der chinesischen Währung werden soll. Der Yuan ist allerdings nach wie vor an den Dollar gekoppelt und darf nur in einer kleinen Bandbreite schwanken. Vor einer Freigabe des Wechselkurses schreckt China bisher zurück, da es eine kräftige Aufwertung befürchtet, die Waren im Ausland teurer machen und damit die Exportchancen beeinträchtigen könnten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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