Neue Garantien für HRE: Soffin bürgt für weitere 40 Milliarden Euro

Neue Garantien für HRE
Soffin bürgt für weitere 40 Milliarden Euro

Die Krisenbank Hypo Real Estate (HRE) ist auch nach ihrer Verstaatlichung im Zuge der Finanzkrise weiter auf massive staatliche Unterstützung angewiesen. Der Rettungsfonds Soffin musste am Freitagabend zusätzliche staatliche Garantien in Höhe von 40 Mrd. Euro genehmigen.
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MÜNCHEN/BERLIN. Mit den zusätzlichen Milliarden soll vor allem die geplante Abspaltung einer sogenannten Bad Bank abgesichert werden, in die das Institut Problemkredite und Geschäftsfelder, die nicht mehr zum Unternehmen passen, auslagern will. Insgesamt hat die HRE damit bislang staatliche Garantien in Höhe von 142 Mrd. Euro erhalten. Der Schritt zeigt, dass die Märkte der HRE auch nach der Verstaatlichung noch nicht wieder genug vertrauen.

In Soffin-Kreisen und im Umfeld der Bank wurden Spekulationen über eine drohende Pleite des Instituts aber entschieden zurückgewiesen. „Das ist kompletter Unsinn“, sagte ein Beteiligter. Es gehe vor allem um einen doppelten Sicherheitsboden für die Gründung der Bad Bank zum 1. Oktober, hieß es in Regierungskreisen. Zudem könne durch Marktschwankungen – etwa bei Zinsen und Währungsabsicherungen – kurzfristiger Liquiditätsbedarf entstehen. „Die Garantien können daher nur bis zum Zeitpunkt der geplanten Abspaltung in Anspruch genommen werden“, teilte das Bundesfinanzministerium mit. Die Rede ist von drei Monaten.

In Finanzkreisen sorgte der Schritt dennoch für Überraschung. Bei einer Handelsblatt-Tagung hatten Teilnehmer die HRE-Chefin Manuela Better so verstanden, dass der bestehende Garantierahmen ausreiche. Aus dem Umfeld der Bank hieß es nun, Better habe davon gesprochen, dass kein zusätzlicher Kapitalbedarf bestehe, von Garantien sei nicht die Rede gewesen.

Wegen der schwachen Kapitalausstattung war die HRE vor kurzem als einzige deutsche Bank durch den sogenannten Stresstest gefallen, der untersuchte, ob die Banken für den Fall, dass sich die Marktbedingungen verschlechtern, genug Kapital haben. Die geplante Bad Bank ist für die HRE nun wohl die letzte Chance für einen Neuanfang. Das Institut will problematische Papiere und nicht-strategische Unternehmensteile im Wert von 180 bis 185 Mrd. Euro ausgliedern. Übrig bleibt die Deutsche Pfandbriefbank (PBB). Sie soll sich auf risikoarme Geschäfte konzentrieren und bald wieder Gewinn machen.

20 Mrd. Euro der neuen Staatsgarantien dienten nun dazu, die Abspaltung abzusichern, hieß es aus informierten Kreisen. Hintergrund ist die Umwandlung von HRE-Papieren in solche der neuen Bad Bank namens „FMS Wertmanagement“. Es könne aus technischen Gründen einige Tage dauern, bis jeder der bisherigen 1 000 HRE-Gläubiger in 15 Staaten die neuen Papiere erhalten habe, hieß es weiter. Deshalb könne kurzfristig Liquiditätsbedarf entstehen.

Die andere Hälfte der zusätzlichen Garantien soll Kapitalmarktschwankungen abfangen. Eine Ursache für diese Schwankungen sind die gestiegenen Zinsen auf Staatsanleihen Irlands, Griechenlands und Portugals. Ein anderes Problem sind Regierungskreisen zufolge Geschäfte der HRE, sogenannte Swaps, aus der Zeit vor der Finanzkrise, in deren Rahmen sie Gläubigern mehr zahlen muss, wenn die Zinsen für deutsche Staatsanleihen sinken. Falls die Gläubiger diese Swaps bis 30. September einlösen, seien die neuen Liquiditätssicherheiten notwendig, sagte ein Insider.

Koalitionspolitiker reagierten verstimmt auf die neue Hilfsaktion für die HRE. „Ich frage mich, warum solche Nacht-und-Nebel-Aktionen immer wieder notwendig sind“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Leo Dautzenberg, dem Handelsblatt. Nach Einschätzung des Finanzexperten der FDP-Fraktion, Frank Schäffler, entwickelt sich die HRE zu einem Dauersanierungsfall zulasten des Steuerzahlers: „Die HRE ist als Zombie-Bank ein Fass ohne Boden.“ In Bankenkreisen wurde indes betont, die neue PBB werde auf eigenen Beinen stehen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
Dietmar Neuerer
Dietmar Neuerer
Handelsblatt / Reporter Politik

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  • Die eigentlich spannende Frage: Warum pumpt man so viel Geld in die HRE? Warum tut man das? bleibt leider unbeantwortet. Ebenso die Frage: Was ist bei der HRE wirklich schief gelaufen? Hier würde ich mir mal fundierte Antworten wünschen

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