Neue Libor-Ermittlungen
Bafin und Justiz machen Druck auf Deutsche Bank

Noch mehr Ärger für die Deutsche Bank: Die Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt gegen fünf Zinshändler des Instituts. Auch die Bafin meldet sich erneut zu Wort – und verlangt mehr als einen Strategiewechsel.
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FrankfurtDie Frankfurter Staatsanwaltschaft ermittelt im Zinsskandal der Deutschen Bank gegen alte Bekannte der Justiz: Eine Sprecherin der Behörde sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag, es sei ein Ermittlungsverfahren gegen insgesamt fünf Personen eingeleitet worden. Vier davon seien jene Zinshändler, die sich im vergangenen Herbst vor dem Hessischen Landesarbeitsgericht erfolgreich gegen ihre Kündigungen gewehrt und einen Vergleich mit der Bank ausgehandelt hatten.

Die Staatsanwaltschaft habe sich diesen Fall schon seit etwa einem Jahr angeschaut und sei nun aktiv geworden. Es gebe keinen direkten Zusammenhang mit dem unlängst fertig gestellten Abschlussbericht der Finanzaufsicht Bafin zu der Affäre. Die Staatsanwaltschaft will sich das Dokument aber anschauen. „Der Bafin-Bericht liegt uns seit etwa einer Woche vor. Er muss jetzt erst einmal ausgewertet werden. Dann wird sich zeigen, wie die weiteren Ermittlungen laufen.“

Als erstes hatte die „Financial Times“ (FT) berichtet, dass der Zinsskandal nun auch die Justiz auf den Plan ruft und damit eine neue Dimension erreicht. Die Deutsche Bank wollte sich zur Sache konkret nicht äußern. Deutschlands größtes Geldhaus bekräftigte aber frühere Aussagen, wonach der Bafin-Bericht bestätige, dass kein jetziges oder früheres Mitglied aus dem Vorstand oder dem erweiterten Führungszirkel die Manipulation von Zinssätzen angeordnet oder von entsprechenden Versuchen vor Mitte 2011 gewusst habe, als erste Verfehlungen durch eine Untersuchung der Bank ans Licht gekommen waren. Der Bericht liegt seit Wochen bei der Deutschen Bank, die dazu noch Stellung nehmen darf.

Die Tricksereien bei den Referenzzinssätzen Libor und Euribor kosteten das Frankfurter Geldhaus viel Geld: Ende April einigte sich die Bank mit den Behörden in Großbritannien und den USA auf einen Vergleich und eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar, lange vorher wurden bereits 725 Millionen Euro an die EU-Kommission gezahlt. Weithin monierten die Aufseher, dass das Institut bei der Aufklärung der Affäre nur widerwillig kooperiert und es Mängel bei den internen Kontrollen gegeben habe.

Die Unregelmäßigkeiten fielen in das Investmentbanking, das jahrelang von Anshu Jain geleitet wurde. 2012 stieg Jain zum Co-Vorstandschef auf und beteuerte danach immer wieder, er wolle seiner Verantwortung gerecht werden, indem er die Altlasten aufräume. Etliche Zinshändler wurden mehr oder weniger geräuschlos vor die Tür gesetzt. Mit den vier Zinshändlern, die in Frankfurt gegen ihre Kündigung klagten, lief die Bank Gefahr, dass unangenehme Details des Zinsskandals öffentlich wurden. Im Oktober wurde schließlich ein Vergleich bekannt: Demnach sollten zwei Händler die Bank gegen eine hohe Abfindung endgültig verlassen. Zwei weitere sollten bleiben, aber außerhalb des Handels beschäftigt werden. Die Deutsche Bank hatte den Mitarbeitern "unangemessene Kommunikation" in Gesprächen oder Mails mit Derivate-Händlern vorgeworfen.

Inzwischen ist auch Jain Geschichte: Der Top-Manager kündigte Anfang des Monats seinen Rücktritt zum 30. Juni an. Jains Kollege Jürgen Fitschen geht im kommenden Frühjahr. Die Bank hat erklärt, es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem vorzeitigen Ende der Doppelspitze und den Ermittlungen der Aufsichtsbehörden.

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