Neue Strategie
Deutsche Bank will wieder bei Übernahmen mitmischen

Rechtsstreitigkeiten und ein schwaches Investmentbanking bescherten der Deutschen Bank zuletzt Verluste. Nun will der Vorstand den Finanzriesen umbauen. Mit den Skandalen der Vergangenheit soll aufgeräumt werden.
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FrankfurtDie Deutsche Bank will nach ihrem milliardenschweren Umbau-Programm wieder bei Übernahmen mitmischen. Jede sechste Bank habe in den vergangenen fünf Jahren in Europa und den USA aufgegeben oder sei übernommen worden. „Dank der starken Plattform, die wir aufbauen, wird die Deutsche Bank nach 2015 als eine der führenden europäischen Banken aus diesem Konsolidierungsprozess hervorgehen“, sagte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen auf der Bilanzpressekonferenz am Mittwoch in Frankfurt laut Redetext. „Der Wandel, der in unserer Branche stattfindet, ist noch lange nicht vorbei.“

Im laufenden Jahr stehe aber noch der grundlegende Umbau im Vordergrund, den Fitschen und sein Co-Chef Anshu Jain vor knapp eineinhalb Jahren angekündigt hatten. Rechtsstreitigkeiten und ein schwaches Investmentbanking hatten den deutschen Branchenprimus im Schlussquartal 2013 in die roten Zahlen gedrückt. Im Gesamtjahr stand unterm Strich zwar ein Gewinn. Dieser blieb mit 1,1 Milliarden Euro aber weit unter den Erwartungen von Analysten.

Darum fährt die Bank ein umfangreiches Sparprogramm, das die Kosten um 4,5 Milliarden Euro senken soll. „2014 wird erneut ein Jahr der Herausforderungen, zusätzlicher Investitionen und der weiteren Umsetzung unserer Strategie 2015+ sein“, sagte Fitschen. „Wir kommen gut voran, wissen allerdings, dass wir uns auch in Zukunft auf schwierigem Terrain bewegen werden.“ An den Zielen für 2015 habe sich nichts geändert. Die Deutsche Bank strebt eine Eigenkapitalrendite nach Steuern von zwölf Prozent an. Im vergangenen Jahr waren es vor allem wegen der Belastung durch milliardenschwere Rechtsstreitigkeiten nur zwei Prozent. Die Dividende soll nach dem Vorschlag des Vorstands mit 75 Cent je Aktie dennoch stabil bleiben.

Darum will das größte deutsche Kreditinstitut auch mit den Skandalen der Vergangenheit aufräumen. Das Institut werde 2014 darauf hinarbeiten, die noch anhängigen größeren Rechtsstreitigkeiten beizulegen, sagte Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen am Mittwoch laut Redetext. „Dafür werden voraussichtlich weitere Kosten entstehen.“ Noch nicht beigelegt hat Deutschlands größtes Geldhaus unter anderem den Streit um die Manipulation des Interbanken-Zinssatzes Libor sowie den Konflikt um die Pleite des Medienunternehmens Kirch.

Fitschen und sein Co-Chef Anshu Jain haben nach ihrem Amtsantritt im Sommer 2012 einen Kulturwandel in der Bank angekündigt und sehen sich bei dessen Umsetzung auf einem guten Weg. Er könne zwar nicht garantieren, dass es in der Bank in Zukunft keine neuen Fälle von Fehlverhalten gebe, sagte Fitschen. „Kulturwandel bedeutet nicht, dass in Zukunft keine neuen Themen aufkommen werden. Kulturwandel bedeutet vielmehr, dass es weniger werden, weil wir in der gesamten Organisation eine andere Einstellung haben und über strengere Kontrollen verfügen.“ Die Einreichung von Referenzzinssätzen werde mittlerweile beispielsweise von unabhängiger Seite überwacht.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Neue Strategie: Deutsche Bank will wieder bei Übernahmen mitmischen"

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  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Der avisierte Kulturwandel: vmtl. ein St. Nimmerleinstag-project.
    Nicht, dass man ungeduldig ist.

  • Kredit ?

    Zahlt ihr gerne mehr Zinsen als ihr auf dem TG-Konto für frei verfügbare Liquidität (im Gegenzug von der Bank) bekommt ? Schön blöd, sag ich da nur.

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