Neuer Banken-Präsident
Banken sind sich keiner Schuld bewusst

Heute tritt der neue Präsident des Bankenverbands an. Hans-Walter Peters ist Chef der Berenberg Bank, repräsentiert auch Großbanken wie die Deutsche. Ein starker Start sieht anders aus, vor allem wegen der Panama-Affäre.
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BerlinEs ist kein gelungener Start für den neuen Bankenverbandspräsidenten Hans-Walter Peters. Der persönlich haftende Gesellschafter der Berenberg Bank, der am heutigen Montag den Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, an der Spitze des Verbands ablöst, ist durch die Veröffentlichung der sogenannten Panama Papers schon vor der Amtsübernahme unter Druck geraten. Denn auch die traditionsreiche Privatbank soll bei der Vermittlung von Briefkastenfirmen behilflich gewesen sein.

Auf der gemeinsamen Pressekonferenz gingen Peters und Fitschen jedoch in die Offensive. „Es macht keinen Sinn für Banken, sich bei der möglichen Steuerhinterziehung ihrer Kunden zu beteiligen. Wer sich daran beteiligt, dem ist nicht zu helfen. Der gehört nicht zu uns“, sagte Fitschen bei der Pressekonferenz zur Amtsübergabe am Montag.

„Steuerhinterziehung und Geldwäsche sind für uns nicht tragbar“,  ergänzte Peters. Wenn der Bank Informationen darüber vorlägen, würde die Bank Anzeige erstatten. In letzter Konsequenz würde die Geschäftsbeziehung mit dem Kunden beendet. Allerdings wolle man den Kunden nicht vorschreiben, was sie tun sollen.

Wenn jemand in Panama ein Konto eröffnen möchte, sei das sein gutes Recht, so Fitschen. Aber dann müssten die Banken ihre Hausaufgaben machen und prüfen, wer der wirtschaftlich Berechtigte sei und ob es sich um versteuertes Geld handele.

Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben mindestens 28 deutsche Banken die Dienste der panamaischen Wirtschaftskanzlei Mossack Fonseca genutzt und dabei mehr als 1200 Briefkastenfirmen gegründet oder verwaltet. Diese Daten wurden der Zeitung zugespielt. Laut diesen Panama-Papieren hat die Deutsche Bank 426  Briefkastenfirmen bereitgestellt, bei der Berenberg Bank sind es 13 Briefkastenfirmen und 76 Offshore-Konten.

Die Problematik möglicher Steuerhinterziehung und Geldwäsche sei nicht neu betonte Fitschen. Dabei verwies der Manager auf die 25.000 Verdachtsanzeigen wegen Geldwäsche, die die Banken 2014 auf den Weg gebracht haben. Das sei eine Verdoppelung im Vergleich zum Jahr 2012.

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Banken sind sich keiner Schuld bewusst

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„Verfehlungen gehören sanktioniert“

Kommentare zu " Neuer Banken-Präsident: Banken sind sich keiner Schuld bewusst"

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  • wenn dies alles korrekt abgelaufen ist und sich niemand schuldig gemacht hat stellt sich folgende Frage: Aus welchen Quellen sollten die Staaten ihre Aufgaben finanzieren wenn derartig riesige Vermögen dazu nichts beitragen sollen. Sind unsere Politiker zu dämlich, derartige Schlupflöcher zu schließen oder haben sie es bewußt zugelassen. Beides Umstände die sie als politisch Verantwortliche diskreditieren. Sie wären es, die sich gegenüber dem ehrlichen, steuerzahlenden Bürger schadensersatzpflichtig gemacht haben, denn sie leben ja auf Kosten derer die den Schaden zu tragen haben.

  • "Banken sind sich keiner Schuld bewusst".

    Glaube ich denen sogar.

    Die sind von ihrem persönlichen und beruflichen Umfeld her so geprägt, dass sie gewisse Dinge gar nicht mehr wahrnehmen können.

    Schließlich hat jeder einzelne Mensch erstens nur ein begrenztes kognitives Auffassungsvermögen, sprich: einen begrenzten - und dazu auf persönlichen Erfahrungen beruhenden, also höchst subjektiven "Überblick" und zweitens "tickt" jeder anders.

    Noch'n Argument mehr für ein zeitgemäßes (sprich: digitales) Demokratiesystem auf breitestmöglicher, also letztlich(!), wenn's irgend geht, JEDEN Menschen einbeziehenden Entscheiderbasis.

    Dauert wohl noch, bis wir endlich soweit sind.

    Aber hoffentlich nicht mehr so lange.

  • Wer sollte denn von den Banken in Deutschland erwarten, dass sie sich in allen Punkten der Anklage schuldig bekennen?

    Wer soll das vom Präsidenten des deutschen Bankenverbandes erwarten? Soll er persönlich haften, wie die Deutscvhe Bank gegenüber Leo Kirch, weil der Vorstandsvorsitzende den Mund zu voll nahm?
    Die Verfehlungen müssen von deutschen Gerichten bewiesen und bestraft werden. Bis dahin gilt die Unschuldsklausel.
    Schuldbewusstsein zählt nicht zum Wortschatz deutscher Banken und Verbandspräsidenten.

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