Neuer Bankenverbands-Präsident
Fitschen reizt die Sparkassen

Jürgen Fitschen ist gerade mal ein paar Stunden im Amt als Bankenverbands-Chef, da geht er bereits auf Konfrontationskurs zu den Sparkassen. Der Co-Chef der Deutschen Bank äußert sich zur europäischen Einlagesicherung.
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BerlinGleich zu Beginn seiner Amtszeit geht der neue Bankenverbands-Präsident Jürgen Fitschen auf Konfrontationskurs zu Sparkassen und Volksbanken. Der Co-Chef der Deutschen Bank zeigte am Montag Sympathie für eine gemeinsame europäische Einlagensicherung - ein absolutes Tabu für die beiden anderen Institutsgruppen.

„Man kommt letztlich nicht um ein einheitliches Einlagensicherungssystem herum“, sagte der 64-Jährige auf der Pressekonferenz anlässlich seiner Amtseinführung. Das sei der letzte Baustein zur Bankenunion, die in Europa zu gleicheren Wettbewerbsbedingungen führe. Sie sieht neben der Einlagensicherung auch eine gemeinsame Abwicklung von Kriseninstituten und eine einheitliche Bankenaufsicht vor - letztere ist bereits beschlossene Sache. „Die Bankenunion hätte deutlich mehr Applaus verdient“, sagte Fitschen.

Die Äußerungen des Norddeutschen, der das Amt vom HSBC-Trinkaus-Chef Andreas Schmitz, übernimmt sorgten bei Sparkassen und Volksbanken für Kopfschütteln. „Wir sind nach wie vor klar gegen eine einheitliche Einlagensicherung“, sagte ein Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV). Denn damit bestehe die Gefahr, dass Gelder deutscher Sparer für Krisenfälle in anderen Ländern eingesetzt würden. Viel wichtiger seien einheitliche Grundsätze für die Sicherung der Spargelder. Im Pleitefall sind die Einlagen von Kunden der Sparkassen und Volksbanken in unbegrenzter Höhe geschützt. Auch bei den privaten Banken, die Fitschen vertritt, sind deutlich mehr als das EU-weite Minimum von 100.000 Euro pro Sparer abgesichert.

Europaweit ist die Frage einer einheitlichen Einlagensicherung noch stark umstritten. Ob sie kommt, ist offen. Am Wochenende sprachen sich die EU-Finanzminister aber dafür aus, bei Bankpleiten künftig auch wohlhabende Sparer zur Kasse zu bitten. Kunden mit mehr als 100.000 Euro auf dem Konto sollten im Krisenfall für ihre Bank einstehen, bevor es der Steuerzahler tue, entschieden die Minister in Dublin. Auslöser hierfür ist die Krise in Zypern. Einleger mit mehr als 100.000 Euro müssen sich dort an der Rettung der Banken und damit des hochverschuldeten Landes beteiligen.

Fitschen betonte, dass er damit leben könne, wenn dies künftig europaweit gelte. „Es wird allerdings den Wettbewerb um Einlagen verschärfen.“ Jeder Kunde müsse sich dann genau überlegen, wo er sein Geld anlege. Der DSGV warnte indes vor einer Verunsicherung der Sparer. Für Deutschland sei die Debatte angesichts der unbegrenzten Sicherung völlig irrelevant, betonte DSGV-Präsident Georg Fahrenschon. „Unsere Kunden müssen keinen Angriff auf ihr Sparkonto fürchten.“

Der Streit zeigt einmal mehr, wie weit die Interessen der einzelnen Bankengruppen in Deutschland in vielen Fragen auseinanderklaffen. Fitschen wünscht sich für die nächsten Jahre eine stärkere Annäherung, um das Gewicht der Branche in der Politik zu stärken. „Es ist für die Positionierung Deutschlands nicht immer hilfreich, dass wir nicht mit einer Stimme sprechen.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Der Präsident des BdB hat fein säuberlich unterschieden:

    Es gibt eine gesetzliche Einlagensicherung (ohne dass es dafür überhaupt ein Gesetz gibt!)

    und
    es gibt eine freiwillige Einlagensicherung der im BdB zusammengeschlossenen Banken.

    Das bedeutet nichts anderes, dass niemand einen Anspruch auf Einlagensicherung bei den angeschlossenen Banken des BdB und auch keinen Sicherungsanspruch gegenüber dem Staat hat. Im Zweifel sind auch in Deutschland die Kunden den zypriotischen Kunden gleichgestellt.

    Was dort jedoch nicht richtig gelaufen ist, das sind zwei Sachen.

    1. Sind die zypriotischen Banken aufgrund der willkürlichen Entscheidung der Griechen massiv in Schieflage geraten.

    2. Es war eine willkürliche Entscheidung ausgerechnet die Banken in die Pleite zu schicken, die hohe Einlagen russischer Kunden "verwalteten".

    Die dortigen Aktionen haben jede Berechenbarkeit der Politiker, auch der hiesigen, untergraben. Es ist daher Sparer ratsam "worst case" zu unterstellen und danach handeln.

  • An die Redaktion:

    Blenden Sie den Text doch wieder ein. Das war schon in Ordnung. So erwecken Sie nur den Eindruck, dass er ausgerechnet Ihnen nicht schmeckte.

    Oder formulieren Sie die Punkte doch in Ihrer Sprache aus.

  • Sehr saubere Analyse! Es kann und darf auch nicht anders sein.

    Was ist die Lehre daraus?

    Es sollte kein Anleger einer Bank und letztlich einem Bankvorstand einen Kredit geben, von dessen Seriosität und Fachkompetenz er nicht überzeugt ist.

    Damit fallen 2/3 aller Banken aus der Auswahl heraus.

    Etwa die Hälfte des Marktvolumens wird von Sparkassen und Genossenschaftsbanken beherrscht. Es ist davon auszugehen, dass sie mit dem Regionalprinzip, der Förderung der heimischen Wirtschaft stark verbunden sind. Vom Grundprinzip sind dies die Institute, die von der Entwicklung am meisten profitieren. Ist die heimische Wirtschaft gesund, ist die Bank gesund, sind die Arbeitsplätze und auch die Einlage sicher. Das ist die perfekte Einlagensicherung.

    Der Gedanke einer europäischen Einlagensicherung kommt einer Form der Ausgestaltungsmöglichkeit eines "Selbstmordattentats" mit einer finalen Sprengkraft gleich. Gegner werden mit Recht darauf verweisen, dass faktisch bereits der ESM-Vertrag nichts Anderes ist.

    Wer darüber hinaus bei anderen Instituten, insbesondere privaten Großbanken, Geld anlegt, muss sich seines Risikos voll bewusst sein.

    Der Angriff des Deutsche Bank-Vorstandes auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken hatte also gewiss schon seinen Hintergrund und zeigt die prekäre Lage der Privatbanken auf. Jeder der lesen, der denken kann, weiß jetzt wie ernst die Lage schon wieder ist.

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