Neuer Deal mit Adyen Paypal spielt Rauswurf bei Ebay herunter

Ebay bricht eine Tradition und trennt sich weitgehend von Paypal als Zahlart. Das trifft Paypal-Anleger hart – Ebay-Aktionäre freuen sich.
Kommentieren
Mit dem Auktionshaus wurde der Bezahldienst bekannt. Quelle: dpa
Ebay und PayPal

Mit dem Auktionshaus wurde der Bezahldienst bekannt.

(Foto: dpa)

FrankfurtDer US-Bezahldienst Paypal muss endgültig erwachsen werden. Das US-Auktionshaus Ebay, das Paypal einst aufpäppelte und dann 2015 an die Börse brachte, wird die enge Kooperation kappen und sich mit dem niederländischen Abwickler Adyen neu aufstellen. Das verkündete Ebay am Donnerstagabend. Verbraucher sollen weiterhin Paypal als Bezahloption nutzen können, mindestens bis 2023. Paypal ist sowohl als Bezahldienst für Konsumenten als auch als Zahlungsabwickler im Hintergrund aktiv.

Paypal-Anleger trieb die Nachricht am Donnerstag in die Flucht. Die Aktie notierte zum Handelsauftakt in New York mehr als acht Prozent im Minus. Das Geschäft mit dem früheren Mutterkonzern, von dem sich Paypal 2015 abspaltete, macht nach Angaben aus Unternehmenskreisen einen niedrigen einstelligen Prozentbereich aus.

Paypal-Chef Dan Shulman spielte daher vor Analysten die Auswirkungen der Entscheidung herunter. Ebay sei zwar ein wichtiger Kunde, aber das Geschäft mit anderen Unternehmen sei zuletzt viel schneller gewachsen. Der Verlust der Ebay-Erlöse werde „durchaus zu managen sein“. Finanzchef John Rainey deutete zudem an, dass Paypal selbst angesichts unzureichender Profitabilität nicht an der Fortsetzung des Ebay-Deals interessiert gewesen sei.

Paypal hatte sich 2015 als eigenständiges Unternehmen von der langjährigen Konzernmutter abgespalten. Damals kam noch rund ein Viertel der Paypal-Erlöse von der Ebay-Plattform, ein Jahr später war es noch gut ein Fünftel.

Ebay steht im Wettbewerb mit Amazon unter Druck. Um nicht weiter ins Hintertreffen zu geraten, baute der US-Konzern sein Angebot um und vereinfachte seine Zahlungsmodalitäten, um mehr Kunden anzusprechen. Analysten bewerteten den Schritt als positiv für Ebay. „Dadurch eröffnen sich langfristig neue Umsatz- und Gewinnmöglichkeiten“, sagte Analyst Colin Sebastian vom Investmenthaus Baird Equity gegenüber Reuters. Die Ebay-Papiere klettern mehr als 14 Prozent.

Elon Musk gründete X.com – eine der Paypal-Keimzellen

Paypal entstand aus einem Zusammenschluss von Confinity und X.com im März 2000. Confinity wurde im Dezember 1998 von Max Levchin, Peter Thiel und Luke Nosek gegründet. Ursprünglich war es eine Firma für Bezahlmethoden und Kryptografie für den Palm Pilot – eine Art Ur-Smartphone. X.com wurde von Elon Musk im März 1999 ins Leben gerufen, zunächst als Internet-Finanzdienstleister. Beide Unternehmen hatten ihre Büros an der University Avenue in Palo Alto.

Ebay beobachtete das Wachsen einer Reihe von Online-Bezahlfirmen. Im Mai 1999 kaufte das Auktionshaus zunächst Billpoint, benannte es in „eBay Payments“ um und machte es zu seinem offiziellen Bezahlsystem. Im Oktober 2002 wurde Paypal von Ebay für 1,5 Milliarden US-Dollar erworben. Paypal war zuvor die beliebteste Bezahlmethode von mehr als der Hälfte der Ebay-Benutzer. Im Anschluss an die Paypal-Übernahme ließ Ebay Billpoint auslaufen.

Im September 2014 wurde bekanntgegeben, dass Ebay und Paypal eigenständige und unabhängige börsennotierte Unternehmen werden sollten. Paypal hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits als Zahlungsdienstanbieter bei zahlreichen Shops auch außerhalb von Ebay etabliert. Und die enge Verbindung zu Ebay, einem Konkurrenten für viele Händler, wurde immer mehr zum Wachstumshindernis. Die Trennung wurde am 17. Juli 2015 vollzogen.

Als großzügiges Abschiedsgeschenk garantierte Ebay Paypal zum Beginn der Eigenständigkeit quasi ein geregeltes Einkommen. Ebay verpflichtete sich laut einem „Operating Agreement“, für fünf Jahre 80 Prozent seiner Verkaufstransaktionen über Paypal abzuwickeln. Gleichzeitig musste Paypal Ebay Provision zahlen, sollte das Volumen der Transaktionen mehr als die festgelegten 80 Prozent betragen. Außerdem musste der Mutterkonzern zusichern, im besagten Zeitraum kein eigenes Zahlverfahren auf den Markt zu bringen, während Paypal nicht mit einem eigenen Marktplatz ans Netz gehen durfte.

Pünktlich im Jahr 2020 muss sich Paypal nun dem echten Wettbewerb auch auf der Auktionsplattform stellen. Denn mit Hilfe von Adyen will Ebay zum Zahlungsintermediär werden. Jeder, der bei Ebay einkauft, bezahlt an das Auktionshaus, das das Geld wiederum an die Verkäufer weiterleitet.

Bisher war Paypal die privilegierte Methode, die Zahlung per Kreditkarte, Lastschrift oder Überweisung war möglich, aber relativ versteckt. Das wird sich mit Adyen ändern, denn künftig wird Ebay vermutlich andere Onlineshops und verschiedene Zahlwege gleichwertig einbinden, darunter auch noch weitere Verfahren wie zum Beispiel Sofortüberweisung.

Konkurrenz für Paypal

„Die starke Präferenz für Paypal könnte durch das größere Angebot an Zahlungsmethoden sinken“, warnt Jochen Siegert, Zahlungsverkehrsexperte und früherer Paypal-Manager. Doppelt bitter: Paypal selbst hat mit Braintree einen eigenen Abwickler, der ähnliche viele Zahlvarianten anbietet. „Doch Adyen hat über eine Jahre eine große Expertise aufgebaut für Marktplätze, die Braintree nicht bietet“, erklärt Siegert. Die Holländer wickeln schon Zahlungen für Facebook, Netflix und Uber ab.

Paypal habe das Problem, dass es außer bei Ebay bei keiner der stark wachsenden Plattformen wie Amazon, Facebook, Google, Apple eng strategisch integriert ist. Im Umfeld von Paypal heißt es, das reine Abwicklungsgeschäft sei weniger profitabel als die klassischen Paypal-Zahlungen und verweist darauf, dass man ebenfalls bei Uber und außerdem schon bei AirBnB und AliExpress, der Plattform des chinesischen Handelsriesen Alibaba, vertreten ist.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Neuer Deal mit Adyen - Paypal spielt Rauswurf bei Ebay herunter

0 Kommentare zu "Neuer Deal mit Adyen: Paypal spielt Rauswurf bei Ebay herunter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%