Neuer Prozess um US-Versicherer Executive Life: Frankreich und Crédit Lyonnais vor Gericht

Neuer Prozess um US-Versicherer Executive Life
Frankreich und Crédit Lyonnais vor Gericht

Der französische Staat muss sich ab heute im Zivilprozess um die Affäre „Executive Life“ vor einem Geschworenengericht in Los Angeles verantworten. Im Falle einer Verurteilung drohen Zahlungen in Milliardenhöhe.

ali PARIS. Anfang der 90er-Jahre übernahm die französische Bank Crédit Lyonnais, die damals den Staat gehörte, den kalifornischen Lebensversicherer Executive Life, der am Rande des Bankrotts stand. Für diese Übernahme bediente sich die Bank eines Investoren-Konsortiums, dem unter anderem der französische Versicherungsverein Maaf angehörte. Der kalifornische Versicherungsaufseher John Garamendi und sein Anwalt Gary Fontana werfen der ehemals staatlichen Bank Betrug vor: Durch die Einschaltung des Konsortiums habe die Crédit Lyonnais ihre Beteiligung verschleiern wollen. Nach kalifornischen Recht durfte damals eine Bank nicht mehr als 25 Prozent an einem Versicherer besitzen.

Durch die Übernahme der angeschlagenen Executive Life kam Crédit Lyonnais an ein Portfolio von hochverzinslichen Anleihen (Junk Bonds). Dieses verkaufte die Bank mit hohem Gewinn später an die Holding Artemis, die dem französischen Milliardär François Pinault gehört. Dieser ist heute noch Eigentümer des in Aurora umgetauften kalifornischen Lebensversicherers.

Die Kläger verlangen nun, dass Artemis und der französische Staat als Ex-Eigentümer der Bank die Gewinne aus dem Verkauf der Bonds zurück zahlen. Die geforderte Schadensersatzsumme beläuft sich auf mehrere Milliarden Dollar.

Ende des Jahres 2003 hat der französische Staat und Crédit Lyonnais einen Strafprozess in dieser Affäre abwenden können. Damals zahlten die Beteiligten insgesamt 770 Mill. Dollar im Zuge eines Vergleichs. Die Hälfte davon zahlte der französische Steuerzahler.

Vergleichsverhandlungen, um den Zivilprozess zu vermeiden, scheiterten bislang. Allerdings hat sich der Versicherer Aurora nach Informationen von AFP für 80 Millionen Dollar mit der kalifornischen Versicherungsaufsicht verglichen.

Der Prozess vor einem US-Geschworenengericht gilt für die französischen Parteien als hochriskant. Dennoch wollen es die Beklagten darauf ankommen lassen. Ihre Verteidigungslinie: Die Aufsicht sei über das Verfahren im Klaren gewesen. Zudem sei keiner der 330 000 Versicherungskunden der Executive Life durch die Operation zu Schaden gekommen. Es wird erwartet, dass sich der Prozess über Monate hinziehen wird

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