Neuer Rechtsstreit droht
Italienische Staatsanwälte nehmen Ex-Deutsch-Banker ins Visier

Die Deutsche Bank muss sich derzeit durch stürmische Zeiten kämpfen. Kaum ein Tag vergeht ohne eine schlechte Nachricht für Deutschlands größtes Geldhaus. Am Donnerstag waren es sogar zwei.

FrankfurtEs war ein doppelter Rückschlag für die ohnehin von Skandalen und wirtschaftlichen Problemen geplagte Deutsche Bank. Zuerst sackte der Börsenkurs zum ersten Mal seit der Finanzkrise unter die wichtige Marke von 20 Euro, und dann wurde auch noch bekannt, dass die Mailänder Staatsanwaltschaft sechs ehemalige und aktuelle Mitarbeiter des Frankfurter Geldhauses beschuldigt, der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi di Siena bei der Fälschung ihrer Bücher geholfen zu haben. Unter den Beschuldigten befinden sich nach Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg hochrangige Ex-Manager der Bank, wie Michele Faissola, Michele Foresti und Ivor Dunbar.

Faissola galt als enger Vertrauter von Ex-Deutsche Bank-Chef Anshu Jain. Zuletzt leitete er die Vermögensverwaltung des Frankfurter Geldhauses. Allerdings fiel Faissola den Umbauplänen des neuen Vorstandsvorsitzenden John Cryan zum Opfer und verließ Ende Dezember die Bank. Faissola zählte zu den Managern, gegen die die deutsche Finanzaufsicht Bafin ihn ihrem Bericht zur Aufklärung des Liborskandals schwere Vorwürfe erhob.

Foresti arbeitete seit 1996 für die Deutsche Bank zuletzt als Leiter des europäischen Zins- und Kredithandels. 2014 wechselte er zur Bank of America. Der ehemalige Co-Chef des weltweiten Kapitalmarktgeschäfts Dunbar hat die Bank inzwischen ebenfalls verlassen. Ein Anwalt von Foresti und Dunbar wollte die Vorwürfe nicht kommentieren. Auch Faissola wollte sich nicht äußern, ebenso wenig wie Dario Schiraldi, ein Manager in der Vermögensverwaltung der Deutschen Bank, dem die Behörden die gleichen Vergehen vorwerfen. Ein Sprecher des Frankfurter Geldhauses wollte ebenfalls keinen Kommentar abgeben.

Nach Informationen von Bloomberg bereiten die Mailänder Staatsanwälte eine Anklageschrift vor, darin beschuldigen sie die Banker, dass sie zusammen mit Monte dei Paschi im Jahr 2008 eine Gesellschaft mit dem Namen Santorini gründeten, die dem schwer angeschlagenen Geldhaus geholfen haben soll, Verluste zu verstecken. Bloomberg beruft sich auf Gerichtsdokumente, die der Nachrichtenagentur vorlagen.

Demnach richten sich die Vorwürfe auch gegen die Deutsche Bank selbst, das Geldhaus habe es versäumt, seine Angestellten korrekt zu überwachen. Die Dokumente sind der letzte Schritt vor einer formalen Anklage und wurden von der Staatsanwaltschaft nach Abschluss ihrer Ermittlungen bei Gericht eingereicht. Die Ankläger haben untersucht, ob und wie die früherer Führung von Monte dei Paschi versucht hat, die finanzielle Lage der Traditionsbank zu schönen, bevor das Institut vom Staat gerettet werden musste.

Insgesamt erheben die drei Staatsanwälte Mauro Clerici, Stefano Civardi und Giordano Baggio Vorwürfe gegen 13 Banker. Fünf Manager kommen von Monte dei Paschi, allesamt nicht mehr im Amt wie der frühere Präsident Giuseppe Mussari und die restlichen von der japanischen Bank Nomura. Ihnen werfen die Ankläger ein ganzes Bündel von Vergehen vor: Bilanzfälschung, Behinderung der Aufsichtsbehörden, Markt-Manipulierung, Fälschung von Info-Prospekten. Insgesamt sollen sie die Bilanz von Montei dei Paschi um eine Milliarde Euro geschönt haben.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur
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