Neues Filialkonzept der Commerzbank
Schöne neue Bankenwelt

Die Commerzbank hat im Frankfurter Ostend ihr Konzept für die Stadtfilialen der Zukunft vorgestellt. Sieht schick aus, aber wer braucht das eigentlich noch? Das Bekenntnis eines Filialmuffels.
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FrankfurtIch geb’s zu: Zur Bank gehe ich etwa so gerne wie zum Zahnarzt. Mein Konto führt eine Direktbank, meine Überweisungen erledige ich online. Und würden die Banken ihre Geldautomaten nicht als Köder im Vorraum ihrer Filialen postieren, ich setzte keinen Fuß hinein. Ich bin ein Filialmuffel. Und ich bin in bester Gesellschaft: Seit Jahren streichen deutsche Institute ihre Filialnetze zusammen, weil die Kundschaft ausbleibt.

Die Commerzbank will das ändern – und testet seit heute in Frankfurt einen Prototypen für die Filialen der Zukunft. Wenn der Testlauf gelingt, sollen bald bis zu 500 Standorte in ganz Deutschland in die so genannte „City-Filiale“ umgebaut werden. Drinnen sieht es wie in einer Start-Up-Garage aus: Auf dem Wandposter joggt eine Commerzbankerin im Kapuzenpulli durch die Landschaft, die Berater sitzen an Stühlen im „Community Table Look“ und genießen die „Lounge-Atmosphäre“ unter der hohen Decke. Bei so viel Gründerkitsch muss man fast befürchten, dass die Samwer-Brüder mit einer Idee für das neue große Internet-Ding um die Ecke biegen. Tun sie aber nicht – die Testfiliale steht schließlich nicht in Berlin, sondern im Frankfurter Ostend.

Mit gerademal rund 60 Quadratmetern fällt die schöne neue Bankenwelt ziemlich überschaubar aus. Filialmuffel wie ich werden hier zur leichten Beute, so wie das Gnu, das ans Wasserloch muss, wo die Löwen lauern. Denn die Bank will mit ihren neuen Repräsentanzen nicht nur mehr Kunden auftun, sondern auch mehr Geschäft machen. Wer die Türschwelle erst einmal überschritten hat, steht in unmittelbarer Nähe der Bankberater, die – das verspricht die Bank – rund „97 Prozent der Angebotspalette der Commerzbank“ anbieten. Dabei will ich eigentlich nur ein Prozent, nämlich das Geld aus dem Automaten.

Um mich und andere Filialmuffel zu überzeugen, fährt die Commerzbank in ihrer Testfiliale schweres Geschütz auf. Oder, wie es in der Pressemappe heißt: „Lifestyle und Gefühl bestimmend das Design“. Der Bodenbelag im „Holz-Look“ soll die „Wohlfühlatmosphäre“ verstärken. Auch vom „gesprayten Claim als moderner Interpretation des Corporate Brand“ ist die Rede. Was heißen soll, dass jemand in mühsamer Kleinarbeit die Worte „Die Bank an Ihrer Seite“ an eine Backsteinwand gemalt hat, womit die einstige Underground-Kulturtechnik des Graffiti wohl endgültig im Mainstream arriviert ist.

Apropos arriviert: Sogar der Kaffee kommt aus wiederverwertbaren Mehrwegbechern, die wie Einwegbecher aussehen. Eigentlich nur konsequent, schließlich fahren die Leute heute Geländewagen, die den Asphalt nur dann verlassen, wenn ihnen der Mechaniker auf der Hebebühne die Reifen wechselt; oder sie tragen hochgebirgstaugliche Outdoor-Jacken beim Parkspaziergang. Aber die Behauptung, „Lässigkeit ist das neue Premium“, die geht mir dann doch zu weit – wer will schon, dass die Bank mit dem eigenen Geld lässig umgeht?

Zum Glück bietet die Bank auch für diesen Fall ein Killer-Feature, das mir als Filialmuffel besonders gefällt: Nach Feierabend wird der Beratungsraum mit einem knallgelben Gitter von der SB-Zone abgetrennt. Wenn die Banker im goldenen Käfig sitzen, kann ich unbehelligt den Bankomaten aufsuchen, und das sogar schon spätestens ab 18 Uhr. Dann ist nämlich Feierabend. Mag die neue Filiale der Commerzbank noch so modern aussehen, manche Dinge ändern sich wohl nie. Zum Glück.

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  • Interessant,das in einem Kommentar Werbung plaziert werden darf,der nichts mit dem Artikel zu tun hat. Leider hat das Handelsblatt sich immer mehr zu Gefälligkeitsartikeln für verschiedene Unternehmen wie Z.B. (TK oder Commerzbank) entwickelt. Schade das eine Wirtschaftszeitung so etwas nötig hat. Aber anscheinend ist das die Zukunft im Online-wie im Printjournalismus. Wobei das Handelsblatt mit dieser Untugend sich in "guter Gesellschaft befindet (Stern, Spiegel, Süddeutsche)

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sehr geehrter Herr Brächer,
    von einem Autor des Handelsblattes hätte ich mehr erwartet. Dieser Artikel ist ein schönes Beispiel für den schlechten Journalismus der aktuellen Zeit. Endlich versuchen die Banken modern und einladend zu wirken und Sie torpedieren dies mit Ihrer subjektiven und destruktiven Art. Es gibt sehr viele Menschen, die sich zwar online (vor)informieren, dennoch aber für die wichtigen Finanzthemen einen Menschen aufsuchen möchten - und dies nicht nur per Skype. Sie spielen den modernen Menschen, der sich anscheinend in der Falle fühlt, wenn er zum Geldautomaten geht und ein Bankangestellter in der Nähe ist...warum gehen Sie als moderner Mensch zum Automaten? Angst vor Kartenzahlung? Bedenklich finde ich auch, dass insbesondere das Handelsblatt einige Branchenveranstaltungen anbietet, viel Geld dafür kassiert und eines der Ergebnisse die moderne, interaktive Bankfiliale war - die Sie nun niedermachen.
    Sie scheinen als Journalist besser in anderen Bereichen als der Finanzbranche aufgehoben...

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