Neues KfW-Digitallabor
Tausche Anzug gegen T-Shirt

Wenn eine Bank etwas auf sich hält, braucht sie eine digitale Ideenschmiede. Auch die staatliche KfW will mitmachen – und hat ein Digitallabor gebaut. Doch mit alten Gewohnheiten zu brechen, ist gar nicht so einfach.

FrankfurtPressegespräche sind wie Pingpong: Journalisten fragen, ihr Gegenüber spielt den Ball zurück. Bei der staatlichen Förderbank KfW nehmen sie die Sache mit dem Pingpong ziemlich wörtlich: KfW-Personalvorstand Günther Bräunig setzte sich am Dienstag an eine Tischtennisplatte im neuen „Digitallabor“ der Bank, um Fragen der Presse zu beantworten. Etwa diese: Was soll das Ganze?

„Wir wollen hier die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Finanzsektor testen“, antwortet Bräunig. Deshalb hat die KfW in ihrem neuen Bürogebäude in der Bockenheimer Straße auch reichlich „Open Space“ für neue Ideen vorgesehen. Die hippe Ideenschmiede wartet mit einer Tischtennisplatte und quietschbunten Flugzeugtrolleys auf, die aussehen, als habe sie Virgin-Airlines-Gründer Richard Branson handkoloriert.

Derlei Startup-Feeling zu verbreiten, ist in der Frankfurter Bankenwelt schwer in Mode: Deutsche Bank, Commerzbank und Co. wollen nicht als Bank-Dinosaurier aussterben. Wer etwas auf sich hält, hat eigene Ideenschmieden aufgelegt, tut sich mit jungen Fintechs zusammen oder gründet eigene Ableger. Ganz so weit geht die staatliche Förderbank KfW dann lieber doch nicht: Ihre eigenen Mitarbeiter sollen im Digitallabor erst einmal ausloten, inwieweit die Digitalisierung neue Chancen für die Bank eröffnet. Dabei sucht die staatliche Bank den direkten Draht zu Kunden, die sich etwa für Gewerbekredite oder Immobiliendarlehen interessieren. Die Fördergelder sollen aber weiter über Hausbanken vergeben werden: Am so genannten Durchleitungsprinzip wolle die KfW auch im Internetzeitalter nicht rütteln, versprach Vorstandschef Ulrich Schröder kürzlich auf der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“ in Frankfurt.

Wegen florierender Geschäfte und höheren Anforderungen der Aufsicht hat die KfW ihr Personal in den vergangenen Jahren kräftig aufgestockt. In dem Neubau in der Bockenheimer Straße, den sie bei der KfW nur „Bo104“ nennen, finden nun 300 Staatsbanker ein neues Büro. Dabei soll es erst einmal bleiben: „Wir sind stark gewachsen“, sagt Vorstand Bräunig, „aber dieses Wachstum findet nun ein vorläufiges Ende“. Das spiegele sich auch in den Zahlen wieder: Im ersten Halbjahr hatte die Bank rund 780 Millionen Euro Überschuss gemacht, deutlich weniger als im Vorjahr. Was das Gebäude gekostet hat, will Bräunig nicht genau sagen - von einem zweistelligen Millionen-Euro-Betrag ist die Rede.

Der Personalvorstand wünscht sich, dass die Mitarbeiter nach dem Umzug in die neuen Büros den „Geist der Innovation“ einatmen. Zumindest für frische Luft ist dank moderner Technik gesorgt, das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1958 wurde abgerissen. Und auch sonst sieht sich die Bank auf der Höhe der Zeit: Die Mitarbeiter sollen mit Laptops arbeiten, damit sie sich zur Ideenfindung auch mal auf Sessel oder die Terrasse zurückziehen können. Und wenn alles nicht hilft, gibt es auch noch „Denkzellen“ als Rückzugsraum.

Ob das die Mitarbeiter der Bank wohl dazu bringen wird, Anzug und Krawatte gegen Jeans und Turnschuhe zu tauschen? Die Mitarbeiter von den Vorzügen des neuen Raumkonzepts zu überzeugen, werde „sicher anspruchsvoll“, räumt Bankvorstand Bräunig ein. So ganz scheinen sie der Sache bei der KfW nicht zu trauen: Es gibt nämlich auch Spinde, erklärt eine Mitarbeiterin: „Für die Anzüge“.

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