News-Blog zur Deutsche-Bank-Hauptversammlung
Dämpfer für Jain und Fitschen

Bei der Hauptversammlung der Deutschen Bank hagelt es Kritik an den Verantwortlichen. Anshu Jain, Jürgen Fitschen und ihre Vorstandskollegen schneiden bei der Abstimmung denkbar schlecht ab. Das Live-Blog zum Nachlesen.
  • 11

FrankfurtAuf der Hauptversammlung kündigte Aufsichtsratschef Paul Achleitner an, den Vorstand der Deutschen Bank nicht pauschal entlasten lassen zu wollen. Stattdessen sollte die Amtsführung der Vorstandsmitglieder von den Anteilseignern einzeln bewertet werden – so wie es zuvor von einem Aktionär gefordert wurde. Mehrere Aktionärsvertreter hatten in der Frankfurter Festhalle angekündigt, sie wollten das Gremium nicht entlasten. Das Ergebnis am späten Donnerstagabend: Nur 61 Prozent stimmten für die Entlastung.

+++ Rückschlag für den Vorstand +++

Die Aktionäre haben dem Führungsduo die gelbe Karte gezeigt. Die Co-Vorstandsvorsitzenden Anshu Jain und Jürgen Fitschen wurden lediglich mit jeweils 61 Prozent entlastet. Üblich sind mit mindestens 90 Prozent erheblich mehr.

Der Vorgang hat allerdings keine direkten Folgen, da nur der Aufsichtsrat über eine Abberufung von Vorständen entscheiden kann. Zuvor hatten zahlreiche Anlegerschützer und Aktionärsberater harsche Kritik am Kurs des Instituts und an der schleppenden Aufarbeitung der juristischen Altlasten geübt und eine Nicht-Entlastung der Konzernspitze empfohlen.

+++Gespanntes Warten auf die Abstimmung+++

Auch wenn es bis zur Abstimmung noch eine ganze Weile dauern dürfte, hier schon einmal die Zahlen aus dem vergangenen Jahr zum Vergleich: Auch damals waren die Vorstände einzeln entlastet worden. Damals lagen sie bei der Abstimmung nahezu gleich auf: Jürgen Fitschen wurde mit 88,95 der Stimmen entlastet, Jain erhielt mit 88,93 Prozent marginal weniger Stimmen. Rainer Neske erhielt ebenfalls 88,95 Prozent.

+++Fitschen gelobt Besserung+++

Neues vom Plastikbeutel: Co-Chef Jürgen Fitschen gelobt Besserung beim Umweltschutz. „Die Kritik am Plastikbeutel nehmen wir gerne auf. Das können wir sicherlich besser machen.“ Zuvor hatte sich ein Aktionär darüber beschwert, dass an die Gäste der Hauptversammlung Kunststoffbeutel verteilt worden waren – das passe nicht zum Nachhaltigkeitsversprechen.

+++ Kopfnoten für die Vorstände +++

Aufsichtsratschef Paul Achleitner verkündet, dass die Vorstände einzeln von den Aktionären entlastet werden sollen. Das ist ein Vorgehen, das bei Hauptversammlungen als ungewöhnlich gilt und gesetzlich nicht vorgeschrieben ist. Es ist bei der Deutschen Bank aber auch schon in der Vergangenheit vorgekommen – zuletzt im Vorjahr für das Geschäftsjahr 2013.

Dass die Vorstände entlastet werden, gilt zwar als sicher. Spannend wird aber zu sehen sein, ob die Anleger dem scheidenden Vorstand Rainer Neske ihre Solidarität ausdrücken. Denkbar ist auch, dass sich die Kritik an Co-Vorstand Anshu Jain auch in den Zahlen bei der Abstimmung niederschlägt. Mindestens ein Fünftel der Aktionäre dürfte dem Vorstandschef die Entlastung verweigern, schätzen Großinvestoren. Üblich sind sonst Zustimmungsquoten von 95 Prozent und mehr.

 +++ Deutsche Bank steckt derzeit in 7.000 Rechtsstreitigkeiten+++

Noch ein Nachtrag zu den Antworten von Stefan Krause: Der Finanzchef kann auch in einem anderen Bereich auf ein starkes Wachstum verweisen. Laut Krause steckt die Bank derzeit in 7000 Rechtsstreitigkeiten. Das sind 1.000 Fälle mehr als im Vorjahr. Falls sich noch jemand wundert, weshalb die Kassen leer sind: Ein Aktionär hat die Antwort. Auf seinem T-Shirt steht „Deutschland ist pleite – und ich bin Schuld“. Am Schluss seiner Rede schimpft er über die Plastikbeutel, die am Eingang ausgeteilt wurden. „Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun? Das ist ein Unding!“ Die Leute klatschen, und naja: Mit Jutebeuteln wäre das nicht passiert.

+++ Ein langer Tag deutet sich an +++

Es liegen noch vierzig Wortmeldungen vor – das kann dauern. Die Redezeit wird deshalb auf vier Minuten verkürzt. 

+++ Finanzchef Stefan Krause bringt Zahlen +++

Finanzchef Stefan Krause liefert Zahlen: Zuerst geht er auf Fragen zur Postbank ein. Die Bank habe „nachhaltig positive Ertrags- und Kosteneffekte“ von rund einer Milliarde Euro im Jahr geliefert. Die Abtrennung der Postbank dürfe die Deutsche Bank nun erst einmal einen „niedrigen dreistelligen Millionenbetrag“ kosten.

Welchen Erlös der Verkauf der Bank einbringen soll, will Krause nicht verraten. 1,4 Mrd. habe die Integration der Postbank gekostet. Außerdem weist Neske den Vorwurf zurück, dass Anshu Jain Warnungen der Risikoabteilung über eine mögliche Zinsmanipulation übergangen habe. Die Spezialisten hätten „keine Hinweise auf versuchte Manipulation“ von Referenzzinssätzen gefunden. Trotzdem merkwürdig: Jain sitzt daneben und schweigt – obwohl die Frage in seinen Bereich fällt.

+++ Achleitner und Co. liefern Antworten +++

Jetzt wird es wieder spannend: Die Chefetage antwortet auf die Fragen der Aktionäre. Als erstes spricht Paul Achleitner. Der Aufsichtsratschef sagt, dass er die Kritik der Anleger nachvollziehen kann. „Aufsichtsrat und Vorstand teilen die Einschätzung, dass die Leistung bei der Umsetzung der Strategie durchwachsen ist.“ Manche Ziele seien nicht erreicht worden. Man wolle nun jedoch die Umsetzung der neuen Strategie „eng nachhalten“ und überwachen.

+++ Chefetage zur Beichte +++

Langsam lichten sich die Reihen dann doch etwas: Die Frankfurter Würstchen rufen. Derweil lädt der Aktionär Christoph Rinneberg von den „Ordensleuten für den Frieden“ die Chefetage der Banker zur Beichte ein. Ob das wohl hilft?

+++ Aktionärsberater Hirt will Vorstandsumbau +++

Aktionärsberater Hans Hirt, Manager des britischen Investors Hermes, fordert Vorstandsumbau bei der Deutschen Bank, der über „gestriges Stühlerücken“ hinausgeht. Er hat wenig Zuversicht, dass die Ziele der „Strategie 2020“ erreicht werden.

+++ Auch Profi-Anleger kritisieren das Drehen und Wenden der Bank +++

Auch Profi-Anleger äußern Kritik – und das ziemlich deutlich: Ingo Speich, Portfolio-Manager von Union Investment fragt: „Herr Fitschen und  Herr Jain, wann findet dieser Albtraum endlich sein Ende?“ Speich will wissen, ob die Chefs weitere Kapitalerhöhungen ausschließen können. Auch er kritisiert den Strategieschwenk bei der Postbank: „Man dreht es sich immer, wie man es gerade braucht.“

Auch Speich äußert die Chef-Frage: „Wir fragen uns langsam, ob das Management der Deutschen Bank noch in der Lage ist, das Unternehmen adäquat zu führen.“ Die Entscheidung darüber müsse aber Paul Achleitner treffen. Die Fondsgesellschaft will dem Vorstand die Entlastung verweigern.

Kommentare zu " News-Blog zur Deutsche-Bank-Hauptversammlung: Dämpfer für Jain und Fitschen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Um richtig cash zu machen braucht es Investmentbanking, die ganz großen Schweinereien um mit den Angelsachsen mitzuhalten. Dafür ist Jain sicherlich der Richtige. So lange die Banken nach der nächsten Krise marktüblich ohne Steuergeld abgewickelt werden ist alles Ok. Sollte unsere Regierung aber gemeinsache Sache machen müssten beide Zerschlagen werden (DB, CDU, SPD). Wer die Aktie hält ist selber blöd - oder hat schon jemand was von einer Großbank gehört, die ausser Boni etwas anderes in nennenswertem Umfang ausschüttet?

  • Ob Sie das einmal richtig sehen?

    Bekanntlich halten Ganoven untereinander den anderen als Ehrenmann. Was ich an Ihrem kurzen Kommentar kritisch sehe ist der Eindruck, dass Sie Ihre Kritik - berechtigt oder unberechtigt - auf diese Personen beschränken. Man muss den Herren zugestehen, dass sie sich um mehr als die Aufsicht konzentrieren müssen. Dagegen gibt es Leute, die nichts anderes zu tun haben, als zu beaufsichtigen.

    Ich denke an die Manipulationen auf dem Zins- und Devisenmarkt. Es will nicht glauben, dass die hiesige Bankenaufsicht diese für die Bank wichtige Einnahmequelle nicht geprüft haben sollen.

    Wenn dem doch so wäre, dann ist Gefahr im Verzug, weil diese Mitarbeiter möglicherweise zwar "nach bestem Wissen und Gewissen" arbeitet, aber das reichte nicht.

    Wenn dem nicht so war, dann muss man diese Mitarbeiter erst recht "rauswerfen".

    Erinnern wir uns, dass der oberste Aufseher der BAFin Dr. Wolfgang Schäuble ist (oder war).

    Es sind schon Leute wegen weniger von Frau Merkel gefeuert worden.

    Um zu Ihrem Kommentar zurückzukommen. Wenn Sie den Sumpf wirklich trocken legen wollen, dann müssen Sie "den Herd großräumig ausräumen". 30 Jahre Knast beschönigt den Sachverhalt.

  • Da laufen auf einer HV 30 Jahre Knast frei herum! Wie kann das sein? Warum werden diese Schwerkriminellen nicht weggesperrt?

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%