Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen
Krumme Deutsche-Bank-Deals in Moskau

Die Kontrollmechanismen der Deutschen Bank haben bei einem Geldwäscheskandal in Moskau total versagt. Das belegen Recherchen eines US-Magazins. Dabei waren die kriminellen Machenschaften der reichen Russen offensichtlich.
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FrankfurtAus dem Buddhismus ist die Losung überliefert: „Nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“. Bis heute gelten die drei Affen, die diese Denkweise illustrieren und sich Ohren, Augen und Mund zuhalten, in Fernost als weise. Auch bei der Deutschen Bank in Moskau handelten allzu viele Manager allzu lang nach diesem Motto – und brockten dem Institut damit eines seiner derzeit größten Rechtsrisiken ein: einen riesigen Geldwäsche-Skandal, der eine empfindliche Milliardenstrafe der US-Behörden nach sich ziehen könnte.

Über Jahre hinweg, zwischen den Jahren 2011 und 2015, wuschen reiche russische Kunden mit Hilfe koordinierter Aktienkäufe und –verkäufe insgesamt rund zehn Milliarden Dollar und schmuggelten auf dieser Weise auch Geld von Russland ins Ausland. Der Geldwäsche-Skandal in Russland, der von Behörden in den USA, Großbritannien und Deutschland untersucht wird, gilt als das potenziell gefährlichste und unkalkulierbarste Rechtsrisiko der Deutschen Bank.

Das gilt umso mehr, als der Verdacht besteht, dass es in der Affäre auch um Verstöße gegen politische Sanktionen gehen könnte. Darauf reagieren US-Behörden sehr empfindlich. Da es einen ähnlichen Vorfall bislang noch nicht gegeben hat, weiß niemand, wie hoch die Strafen ausfallen könnten.

Nun hat das Magazin „New Yorker“ die Hintergründe des Geldwäsche-Skandals detailreich ausgeleuchtet – und das Ergebnis fällt für die Bank alles andere als schmeichelhaft aus. Die Essenz: Zwar ist die Bank auch das Opfer eines mutmaßlich korrupten Top-Managers in Moskau geworden, ohne dessen Mithilfe die unsauberen Deals zumindest nicht so lange hätten stattfinden können. Doch ohne die enorm laxen und unzureichenden internen Kontrollen der Bank wäre auch dessen Treiben wohl weit früher aufgeflogen.

Konkret liefen die krummen Geschäfte so ab: Zwischen Herbst 2011 und Frühjahr 2015 rief in der Moskauer Dependance der Bank praktisch täglich ein Broker namens Igor Volkov an, meist bei ein und derselben jungen Brokerin der Deutschen Bank. Jedesmal platzierte er zwei Transaktionen, die gleichzeitig stattfinden sollten: Zum einen sollte eine russische Firma, die Volkov vertrat, dabei in der Landeswährung Rubel Aktien eines wichtigen börsennotierten russischen Unternehmens kaufen, etwa Lukoil.

Parallel dazu ließ Volkov auf Rechnung einer zweiten Firma, die er vertrat, und die meist in irgendeiner Steueroase angesiedelt war, über die Deutsche Bank in London die exakt gleiche Aktie in der gleichen Größenordnung verkaufen – nur dass diese zweite Firma den Erlös dafür in US-Dollar, britischem Pfund oder Euro erhielt.

Kommentare zu " Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen: Krumme Deutsche-Bank-Deals in Moskau"

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  • @Carlos 16.36h

    Damals herrschte im Finanzsektor bereits Anlagenotstand und dieser Anlagenotstand ist heute in Zeiten eines stabilen Niedrig- und Negativzinsuzmfeldes doch noch viel ausgeprägter! Und ich glaube auch bereits zu wissen, wie dieser -übrigens von den westlichen Notenbanken unisono- künstlich erzeugte Anlagenotstand enden wird. Die Lehman Dimension wird nicht reichen....

  • Ich lese hier ja nur noch selten, weil ich mittlerweile ziemlich genau weiß, was mich erwartet (und ich lese andere Blätter übrigens überhaupt nicht mehr, weil es dort noch wesentlich exzessiver betrieben wird als hier).
    Auch wenn Sie es nicht glauben, aber bevor ich heute HB-Online angeklickt habe, habe ich mir Folgendes gedacht:
    - Welches Russland-Bashing findet sich heute als Schlagzeile?
    - Bestimmt ist bei Artikeln zur Masseninvasionskrise aus Angst vor Verstößen gegen die politische Korrektheit die Kommentarfunktion geschlossen.
    - Falls es Fotos von Hillary und Trump gibt, wird Trump garantiert wieder in besonders "ungünstiger" und Clinton in besonders "günstiger" Pose gezeigt.
    - Falls was über Syrien kommt, wird man vermutlich immer noch versuchen, den Lesern weißzumachen, dass es "gute" Rebellen gibt, die gegen den "bösen" Assad kämpfen.
    Trefferquote: 75%
    Nächste Woche schaue ich mal wieder vorbei. Tschüss bis dann...

  • Sind das hier die Santos-Festspiele?

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