Niedrigzinsen
Druck auf Lebensversicherer zum Verkauf von Beständen wächst

Lebensversicherungen sind in Zeiten von Mini-Zinsen kein attraktives Geschäft. Dennoch scheuen viele Versicherer, ihren Kunden zu kündigen. Das könnte sich bald ändern – Spezialversicherer stehen in den Startlöchern.

FrankfurtViele deutsche Versicherer geben das Geschäft mit klassischen Leben-Policen angesichts der Dauer-Niedrigzinsen auf, scheuen aber vor einem Verkauf der abzuwickelnden Bestände noch zurück. Doch das könnte sich bald ändern, hofft die Heidelberger Leben, die sich auf den Aufkauf solcher Portfolien spezialisiert hat: „Ich glaube, in den nächsten fünf Jahren wird das passieren“, sagte Vorstandschef Heinz-Peter Roß in Frankfurt. „Das Interesse hat massiv zugenommen. Es werden mehr Bestände auf den Markt kommen, als wir nehmen könnten.“ Doch hätten viele Versicherer noch Angst, den Kontakt zum Kunden mit einem Verkauf zu kappen. „Das ist ein Reputationsthema“, sagte Roß. Anderen fehlten die Mittel, um mit dem Verkauf verbundene Verluste zu verkraften.

In Deutschland betreiben zwar deutlich mehr als ein Dutzend Lebensversicherer kein Neugeschäft mehr, doch nur vier Bestände wurden an spezialisierte Abwickler verkauft: Die ehemalige MLP Leben und die Skandia Leben gingen in der Heidelberger Leben auf, hinter der der britische Finanzinvestor Cinven und die Hannover Rück stehen. Delta Lloyd Leben gehört der Holding Athene aus Bermuda. Die vom chinesischen Investor Fosun und der BHF-Bank ins Leben gerufene Frankfurter Leben soll 120.000 Verträge der Basler Leben abwickeln, wartet aber noch auf grünes Licht der Finanzaufsicht BaFin.

Deutschlands zweitgrößter Erstversicherer Ergo hatte am Mittwoch erklärt, die rund sechs Millionen Verträge von Ergo Leben (ehemals Hamburg-Mannheimer) und Victoria Leben in einer separaten Einheit selbst abzuwickeln. Der neue Ergo-Chef Markus Rieß kann sich vorstellen, dort künftig auch Bestände anderer Versicherer abzuwickeln. Die Auffanggesellschaft der Branche, Protektor, ist gerade dabei, den Bestand der früheren Mannheimer Leben zu verkaufen. Heidelberger Leben gilt als einer der Interessenten.

In Großbritannien, wo der Verkauf von Lebensversicherungs-Beständen längst gang und gäbe ist, erwirtschaften die Abwickler ihre Gewinne meist durch eine riskantere Anlagepolitik. Das geht in Deutschland nicht. Hier setzen sie auf Größenvorteile. „Je mehr Bestände wir auf die Plattform bekommen, desto effizienter wird sie“, sagte Roß. Seine Holding, die sich im Herbst in „Viridium“ umbenennen will, habe einen mittleren zweistelligen Millionenbetrag in ein neues IT-System investiert und die Bearbeitungskosten damit schon um 30 Prozent reduziert. „Das geht nur, wenn man so drastisch da rangeht wie wir“, sagte Roß. Für die Versicherer selbst lohnt sich die Abwicklung wegen der veralteten IT immer weniger, je mehr Verträge auslaufen.

„Kein Vertrag und kein Kunde wird durch die Migration schlechter gestellt“, betonte Roß. Die Stornoquote unter den 840.000 von der Heidelberger Leben verwalteten Verträgen sei geringer als erwartet.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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