Non-Performing-Loans Hoffen auf den neuen Boom

Die Wirtschaftskrise sorgt bei den Banken für mehr faule Kredite. Wertlos sind sie aber keineswegs. Warum die Geldhäuser jetzt wieder versuchen könnten, Kreditportfolios in großem Umfang zu verkaufen.
Die HRE gehörte vor einigen Jahren zu den größten Verkäufern von Kreditportfolios. Quelle: dpa

Die HRE gehörte vor einigen Jahren zu den größten Verkäufern von Kreditportfolios.

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FRANKFURT. Dem seit zwei Jahren am Boden liegenden Handel mit faulen Krediten könnte eine neue Hochphase bevorstehen. Denn im Zuge der Finanzkrise steigt das Volumen der sogenannten Non-Performing-Loans (NPLs) massiv an - dies belegt auch die bei den Banken deutlich steigende Risikovorsorge. Zugleich ist die Kreditwirtschaft gezwungen, ihre Bilanzen notfalls unter Verlusten zu bereinigen, um so Eigenkapital für neue Finanzierungen freizusetzen. Doch der ein oder andere Experte zweifelt, ob das Mehr an NPLs am Ende wie in der letzten Bankenkrise auch zu einem florierenden Handel führt.

"Das Volumen leistungsgestörter Kredite wird wieder ansteigen", prophezeit Christoph Schalast, Professor von der Frankfurt School of Finance & Management (FSFM). "Diese Bugwelle wird kommen." Er geht von einem Volumen zwischen 150 und 300 Mrd. Euro allein für Deutschland aus.

NPLs - also Kredite, bei denen Zinsen und Tilgung nicht nach Plan gezahlt werden und der Ausfall droht - sind keineswegs wertlos. Seit der US-Bankenkrise in den 80er-Jahren kaufen spezialisierte Investoren die Finanzierungen bündelweise mit Abschlägen von 50 Prozent oder mehr auf den Nennwert auf. Anschließend werden Sicherheiten verwertet, mitunter auch Rückzahlungen gestreckt - am Ende winkt in der Regel eine ordentliche Rendite.

Nach dem Platzen der Internetblase galt Deutschland in den Jahren 2003 bis 2006 sogar als der attraktivste NPL-Markt der Welt. Deals von weit mehr als 40 Mrd. Euro wurden von Adressen wie Hudson Advisors, Hoist oder Altor abgeschlossen. Allein die heute schwer angeschlagene Hypo Real Estate (HRE) verkaufte damals ein 4,5 Mrd. Euro schweres Portfolio an den Investor Lone Star. Dann aber kühlte sich der Markt ab; mit geschätzten drei Mrd. Euro wurde 2008 der tiefste Stand seit fünf Jahren verzeichnet.

"Aktuell gibt es kaum Transaktionen", räumt Jörg Keibel, Präsident der Bundesvereinigung Kreditankauf und Servicing (BKS), ein. Zwar steige das NPL-Volumen, doch die Banken seien durch die laufende Diskussion um staatliche Bad Banks verunsichert. Nach wie vor werde diese Option gegen den Verkauf notleidender Kredite abgewogen. Doch Keibel ist optimistisch: "Ich erwarte spätestens in der zweiten Jahreshälfte einen Boom." Zweistellige Milliarden-Volumina in den kommenden Jahren seien denkbar - auch wenn sich viele US-Investoren oder Credit Suisse aus dem deutschen Markt zurückgezogen haben. "Das Geld ist da", betont der Verbandspräsident.

Daran hegt auch FSFM-Experte Schalast keinen Zweifel. Den Optimismus der Branche will er dennoch nicht uneingeschränkt teilen. Denn in der letzten Bankenkrise ließen die meisten Häuser Privatkunden und Mittelstand links liegen und verkauften mitunter auch gegen deren Protest Kreditpakete. "Die Frage ist, ob die Banken diesmal wieder so reagieren wie 2003", meint Schalast. "Die brauchen jetzt die Kunden." Schließlich habe sich fast die gesamte Branche auf die Fahnen geschrieben, das klassische, am Kunden orientierte Kreditgeschäft wieder zu pflegen. Hinzu komme, dass bei vielen Häusern nun der Staat mit an Bord sei. Der aber stand dem Verkauf von Krediten von jeher skeptisch gegenüber.

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