Notfallpläne für Krisen

Rügen für vier US-Großbanken

Nicht schlecht, aber nicht gut genug: Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo haben nach Meinung der US-Bankaufseher immer noch keine perfekten Abwicklungspläne für den Notfall.
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Die Investmentbank muss ihre Abwicklungspläne nachbessern. Quelle: Reuters
Goldman Sachs an der New Yorker Börse

Die Investmentbank muss ihre Abwicklungspläne nachbessern.

(Foto: Reuters)

WashingtonSie sollen das Unmögliche möglich machen: im Fall einer Krise die Abwicklung selbst großer, für das gesamte Finanzsystem wichtiger Banken möglich machen, ohne dass der Steuerzahler mit Geld oder Garantien einspringen muss. Die Rede ist von so genannten Living-wills, im Deutschen auch „Testamente“ genannt. Banken müssen in diesen Plänen genau darstellen, wie sie bei einer Schieflage gesunde und kranke Konzernteile voneinander trennen, welche Geschäftsbereiche abgewickelt werden können, welche in jedem Fall weiter funktionieren sollen.

Nach Meinung der US-Einlagensicherung (FDIC) und der US-Notenbank (Fed) haben die acht größten US-Banken bei diesen Plänen erhebliche Fortschritte gemacht. Keiner der Finanzkonzerne muss den Plan, wie zum Teil in den vergangenen Jahren geschehen, ganz neu aufstellen und zur Prüfung einreichen.

Aber immerhin vier, Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo, haben sich doch Rügen eingehandelt. Bei Bank of New York Mellen, JP Morgan, Citigroup und State Street gab es dagegen keine Beanstandung.

Martin Gruenberg, der Präsident der FDIC, erläuterte in einer Stellungnahme das Vorgehen der Behörden. Dabei betonte er, dass sein Haus und die Fed eng zusammenarbeiten und bei der Prüfung dieser Notfallpläne einheitliche Kriterien anwenden. Damit versuchte er der häufig geäußerten Kritik zu begegnen, die Vielzahl der US-Behörden, die mit der Finanzaufsicht befasst sind, führe zu unnötiger Bürokratie.

Gruenberg lobte Fortschritte dabei, die Konzernstrukturen zu vereinfachen. Die Banken hätten jetzt „saubere“ Holdings mit Kapazitäten, mögliche Verluste aufzufangen und sich dabei am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Außerdem bescheinigte er ihnen, die Verfügbarkeit von Ressourcen und die Risiken im rechtlichen und organisatorischen Bereich besser als in der Vergangenheit zu analysieren.

Die wertvollsten Banken weltweit
Marktkapitalisierung der weltgrößten Privatbanken
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Die Marktkapitalisierung gibt den aktuellen Börsenwert einer Firma an. Sie ergibt sich, wenn man den aktuellen Aktienkurs mit der gesamten Aktienanzahl multipliziert. Die Marktkapitalisierung ist somit abhängig von den Erwartungen am Aktienmarkt an die zukünftige Ertragskraft des Unternehmens und kann entsprechend stark schwanken. Welche Großbanken seit der Finanzkrise in den Augen der Anleger stark nachgelassen haben oder auf der Überholspur sind.

Platz 59: Deutsche Bank
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Die Deutsche Bank ist das größte Kreditinstitut Deutschlands. Seit über einem Jahr wird die Bank allein von John Cryan geführt. Die großen Herausforderungen betonte der Vorstandschef einmal mehr bei der Handelsblatt-Tagung „Banken im Umbruch“. Seit Beginn der Finanzkrise im Sommer 2007 hat die Deutsche Bank in den Augen der Anleger am Aktienmarkt deutlich nachgelassen. Anfang 2007 lag die Marktkapitalisierung noch bei 53,03 Milliarden Euro. 2017 sind davon nur noch 27,8 Milliarden Euro übrig.

Platz 15: BNP Paribas
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Die französische Großbank entstand im Jahr 2000 aus der Fusion der Banque Nationale de Paris und der Paribas. Hinsichtlich ihrer Marktkapitalisierung gehört die BNP Paribas zu den 15 größten Banken weltweit. Selbst die Finanzkrise konnte der Geschäftsbank nicht viel anhaben – im Gegenteil. Im Januar 2007 lag ihre Marktkapitalisierung bei 76, 9 Milliarden Euro. Und obwohl der Wert ab Beginn der Krise zeitweise sank, hat die Bank 2017 79,8 Milliarden Euro sogar zugelegt.

Platz 14: Toronto-Dominion Bank
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Die Bank of Toronto, aus der später die Toronto-Dominion Bank entstand, wurde 1855 von einer Gruppe Kaufleute und Müller gegründet. Heute arbeiten bei der kanadischen Großbank weltweit über 80.000 Menschen. Die Erfolgsgeschichte spiegelt sich auch in der Entwicklung der Marktkapitalisierung wider. Die Finanzkrise konnte ihr in der Hinsicht nichts anhaben. 32,6 Milliarden Euro betrug die Marktkapitalisierung vor der Krise im Januar 2007, 2017 nun satte 84,6 Milliarden Euro.

Platz 13: China Merchants Bank
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Die China Merchants Bank kann eine ähnliche Erfolgsgeschichte vorweisen. Vor 30 Jahren fing sie mit einem Kapital von 100 Millionen Yuan (ca. 128.000 Euro) und 30 Mitarbeitern an. Die Marktkapitalisierung lag Anfang des Jahres 2007 noch bei 23,36 Milliarden Euro, nach Beginn der Krise im selben Jahr bereits bei 50,25 Milliarden Euro. Heute kann die chinesische Großbank eine Marktkapitalisierung von 85,7 Milliarden Euro verzeichnen.

Platz 12: Commonwealth Bank of Australia
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Die Commonwealth Bank bezeichnet sich selbst als Australiens führende Bank. Zuletzt befand sich das Unternehmen jedoch aufgrund von Geldwäschevorwürfen in der Bredoullie. Die Marktkapitalisierung ist mit 86,4 Milliarden im Jahr 2017 trotzdem beträchtlich. Seit Januar 2007 hat sich die Bank damit um fast 50 Milliarden Euro gesteigert.

Platz 11: Banco Santander
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Im Jahr 2007 feierte die spanische Universalbank ihr 150-jähriges Bestehen. Gemessen an der Marktkapitalisierung zählt die Banco Santander damals wie heute zu den wertvollsten Banken weltweit. Aktuell liegt die Marktkapitalisierung bei 87,3 Milliarden Euro.

Ohne auf die Rügen einzelner Geldhäuser im Detail einzugehen, nannte er Probleme, die alle acht Banken noch besser im Auge behalten sollten. Dazu gehört die Frage, wie Liquidität innerhalb der Konzernteile verschoben wird und wie sich dort Reserven für etwaige Verluste verteilen. Außerdem sprach er Derivate, Zahlungsvorgänge und verschiedene Bereich der Abwicklung von Geschäften an.

In den vergangenen Jahren hatte vor allem Gruenbergs Stellvertreter Thomas Hoenig, der im engeren Sinne für die Bankenaufsicht zuständig ist, immer wieder den Bereich der Derivate angesprochen. Die US-Häuser haben dort hohe Summen vertraglich gebunden. Selbst wenn die Marktrisiken durch entsprechende Gegengeschäfte abgesichert sind, kann in einer Finanzkrise der Ausfall von Zahlungen über den Derivatebereich zu einer gefährlichen Kettenreaktion führen.

Ob die Living-wills bei einer Notlage tatsächlich ihren Zweck erfüllen würden, ist umstritten. Sie spielen politisch eine wichtige Rolle, denn sie sollen das sogenannte Too-big-too-fail-Problem lösen. Also dafür sorgen, dass keine Bank allein deswegen mit Steuergeld gerettet werden muss, weil sie zu wichtig für die Stabilität des Finanzsystems ist. Der künftige Fed-Chef Jerome Powell hat bei einer Anhörung im Senat die Frage, ob dieses Problem gelöst sei, nach einem kurzen Zögern bejaht. Skeptiker wie Neel Kashkari, der Chef der Fed Minneapolis, glauben aber, dass die Pläne allenfalls funktionieren, wenn eine einzelne Bank in Schwierigkeiten gerät, aber nicht bei einer breiten Krise wie im Jahr 2008. Auf der anderen Seite räumen aber selbst Banker ein, dass der Zwang zur Erarbeitung der Pläne ihnen geholfen hat, die Konzernstrukturen zu vereinfachen, was letztlich auch dem Geschäft zugutegekommen ist.

Powell hat ebenso wie Finanzminister Steven Mnuchin der Finanzbranche Erleichterungen versprochen. Das ruft vor allem bei der Partei der Demokraten die Sorge hervor, dass jetzt durch einen Abbau von Regulierung neue Risiken entstehen. Die bisher bekannt gewordenen Vorschläge sind jedoch relativ moderat. Aber auch das Verhalten der Aufsichtsbehörden steht im politisch zerrissenen Amerika unter besonderer politischer Beobachtung.

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2 Kommentare zu "Notfallpläne für Krisen: Rügen für vier US-Großbanken"

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  • Herr Carlos Santos20.12.2017, 14:53 Uhr
    NOTFALLPLÄNE FÜR KRISEN
    Rügen für vier US-Großbanken
    von:
    Frank Wiebe
    Datum:
    20.12.2017 12:07 Uhr
    Nicht schlecht, aber nicht gut genug: Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo haben nach Meinung der US-Bankaufseher immer noch keine perfekten Abwicklungspläne für den Notfall.

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    Wann kommt ABWICKLUNG VON GOLDMAN SACHS ???

    ============>>> GOLDMAN SACHS DARF MAN RUHIG ABWICKELN, aber bitte Herr BARROSO NICHT ZURÜCK IN DIE EUROPÄISCHE POLITIK !

    Fragt mal in CANADA nach ob die nicht nochmal 200 Tausend Canadischen Steuerdollar aufopfern könnten um exclusiv Flug für Barroso dann danach nach CANADA FÜR IMMER zu ermöglichen !

  • NOTFALLPLÄNE FÜR KRISEN
    Rügen für vier US-Großbanken
    von:
    Frank Wiebe
    Datum:
    20.12.2017 12:07 Uhr
    Nicht schlecht, aber nicht gut genug: Bank of America, Goldman Sachs, Morgan Stanley und Wells Fargo haben nach Meinung der US-Bankaufseher immer noch keine perfekten Abwicklungspläne für den Notfall.

    ....................

    Wann kommt ABWICKLUNG VON GOLDMAN SACHS ???

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