Notfallpläne

US-Banken bereiten sich auf Schulden-GAU vor

Im Finanzwesen ist Vertrauen die wichtigste Währung. Umso bedrohlicher ist die Situation in den USA: Die großen Banken rüsten sich mehr denn je für den Notfall - dass sich die Politiker im Haushaltsstreit nicht einigen.
13 Kommentare
In New York blickt man sorgenvoll nach Washington: Löst die Politik die Schuldenproblematik? Quelle: Reuters

In New York blickt man sorgenvoll nach Washington: Löst die Politik die Schuldenproblematik?

(Foto: Reuters)

New YorkDas Vertrauen in die Politik scheint dahin zu sein: Große Wall-Street-Banken rüsten sich für Marktturbulenzen im Falle eines Scheiterns der Haushaltsverhandlungen zwischen der US-Regierung und den Republikanern. Wie die „Financial Times“ unter Berufung auf einen hochrangigen Bankmanager berichtete, bereiten die Geldhäuser eine Verringerung ihres Engagements in US-Staatsanleihen im August vor.

Eine alternative Strategie wäre demnach, mehr Bargeld zur Absicherung von Derivategeschäften und anderen Transaktionen aufzubauen, um damit die Abhängigkeit des Finanzsystems von Staatsanleihen zu verringern. Namen von Instituten wurden in dem Bericht nicht genannt.

An der Wall Street werden große Probleme für die Finanzmärkte befürchtet, sollten sich Präsident Barack Obamas Demokraten und die oppositionellen Republikaner nicht auf eine Anhebung der derzeitigen Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar verständigen. Nach Darstellung der Regierung ist eine Einigung bis zum 2. August erforderlich, andernfalls könne sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Seit Wochen wird über die kritische Marke für die US-Staatsverschuldung diskutiert. Im Mai gab das Finanzministerium Anleihen über rund 72 Milliarden Dollar aus. Damit kletterte der Schuldenstand auf 14,3 Billionen Dollar - jenes Niveau, das gesetzlich erlaubt ist. Steigen die Schulden weiter, ohne dass der Kongress die Obergrenze erhöht, wäre eigentlich die Zahlungsunfähigkeit erreicht - gäbe es nicht die Trickkiste von Finanzministers Timothy Geithner.

Der Ressortchef ließ etwa weitere Einzahlungen des Staates in den föderalen Pensionsfonds und den Fonds zur Abpufferung des Wechselkurses stoppen. Auch Bundesanleihen, über die sich Städte und Gemeinden finanzieren, dürfen zunächst nicht mehr ausgegeben werden. Diese und andere Maßnahmen werden nach Schätzungen einen Zeitaufschub von rund elf Wochen bringen. Erst danach könnte die Schuldenlatte gerissen werden.

Kampf zwischen den politischen Lagern
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

13 Kommentare zu "Notfallpläne: US-Banken bereiten sich auf Schulden-GAU vor"

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Die öffentlichen Finanzen der US&A sind nun schon länger ein lebender Toter. Bushs Steuerreformen und der Überfall auf den Irak haben ihnen sozusagen den Rest gegeben. Aber auch die Volkswirtschaft ist quasi de-industrialisiert worden: Was wird in den USA noch hergestellt, außer druckfrischen $-Noten und Waffen? Und selbst, wenn noch etwas hergestellt wird - ist die US-Industrie wettbewerbsfähig genug im Weltmarkt? Die negative Handelsbilanz sagt: eher nein.

  • Große Schuld haben doch eigentlich die Ratingagenturen, diese haben ja falsche Indikatoren für die Banken geliefert, die Banken haben ja eigentlich nur nach dem "altbewehrten" Schema-F gehandelt und aufgrund der überzogen positiven Ratings eben falsch gehandelt.

  • Wer hat den die Schuldenpartie begonnen, das war ja wohl ganz klar Bush jun..

  • lol-laughing out loud- solange Ihr amerikanische slangs gebraucht sehe ich keinen Grund auf die Amerikaner zu schimpfen. Vielleicht koenntet Ihr sagen.so wie frueher-"dass ich nicht lache!"

  • Das geht eben nicht ohne die Anhebung der Schuldengrenze...

  • @ missionpossible:
    Sie haben bestimmt auch nur ein Sparbuch mit 0,5% oder weniger. Sie haben bestimmt auch nicht den Wunsch Geld zu verdienen. Und jetzt wo es mal in die Hose gegangen ist sind es immmer die anderen Schuld. Ich kann dieses "Bankster" langsam nicht mehr hören. Natürlich haben auch die Banken schuld, aber doch bitte nicht nur. Wirtschaftskrisen, idiotische Amerikaner mit variablen Zinsen am Hypothekenmarkt. Wer macht denn sowas auch? Die Politik mit ihrer Panikpolitik ohne Hand und Fuß. Und auch jeder Bürger, der mehr als nur 0,5 % Rendite erwirtschaften will. Denn auch diese wollen doch nur ihr Geld vermehren. Hier braucht keiner scheinheilig zu tun. Das sollten Sie nciht vergessen. Zur Not können sie ja auswandern. Es gibt bestimmt noch INseln, wo sie mit alldem nichts mehr zu tun haben.

  • lol "pimco hat es vorgemacht“. nur das seitdem die renditen von treasury-bonds ca. 50 bps. nach unten gefallen sind. aber pimco hat das wirklich ganz toll gemacht...
    da sieht man wieder jemand schreiben, der wirklich gar keine ahnung von der materie hat.

  • Banken müssen einen einen Teil ihres Eigenkapitals stehts als Reserven liquide halten. In der Regel werden diese Gelder gerne auch in Form von Staatsanleihen gehalten. Deshalb haben die Banker größere Beträge in US-Bonds angelegt. Fallen die Werte dieser Anleihen hat das sofort Auswirkungen auf die Geschäfte der Banken, da in diesem Falle ihre EK-Quoten sinken.

    Das ist die Angst der Banker.

  • "Die letzte Finanzkrise haben wir bestens gemeistert... ."

    LOL. "wir"? Ich hoffe sie sind kein Banker. Der Steuerzahler darf den .... hinhalten. Weltweit Billionen an "Giftpaieren" im Bestand.

    Gemeistert...ich glaubs nicht.

  • Pimco hats vorgemacht, mehr bleibt dazu nicht zu sagen, bestehende Anleihen werden im Wert fallen, egal, ob sich Demokraten und Republikaner einigen oder nicht. Weniger Realwachstum, mögliche Zahlungsausfälle und notwendige höhere Leitzinsen stehen im Raum, der Verfall der Weltleitwährung ist nicht aufzuhalten...

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%