Notfallpläne
US-Banken bereiten sich auf Schulden-GAU vor

Im Finanzwesen ist Vertrauen die wichtigste Währung. Umso bedrohlicher ist die Situation in den USA: Die großen Banken rüsten sich mehr denn je für den Notfall - dass sich die Politiker im Haushaltsstreit nicht einigen.
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New YorkDas Vertrauen in die Politik scheint dahin zu sein: Große Wall-Street-Banken rüsten sich für Marktturbulenzen im Falle eines Scheiterns der Haushaltsverhandlungen zwischen der US-Regierung und den Republikanern. Wie die „Financial Times“ unter Berufung auf einen hochrangigen Bankmanager berichtete, bereiten die Geldhäuser eine Verringerung ihres Engagements in US-Staatsanleihen im August vor.

Eine alternative Strategie wäre demnach, mehr Bargeld zur Absicherung von Derivategeschäften und anderen Transaktionen aufzubauen, um damit die Abhängigkeit des Finanzsystems von Staatsanleihen zu verringern. Namen von Instituten wurden in dem Bericht nicht genannt.

An der Wall Street werden große Probleme für die Finanzmärkte befürchtet, sollten sich Präsident Barack Obamas Demokraten und die oppositionellen Republikaner nicht auf eine Anhebung der derzeitigen Schuldenobergrenze von 14,3 Billionen Dollar verständigen. Nach Darstellung der Regierung ist eine Einigung bis zum 2. August erforderlich, andernfalls könne sie ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen.

Seit Wochen wird über die kritische Marke für die US-Staatsverschuldung diskutiert. Im Mai gab das Finanzministerium Anleihen über rund 72 Milliarden Dollar aus. Damit kletterte der Schuldenstand auf 14,3 Billionen Dollar - jenes Niveau, das gesetzlich erlaubt ist. Steigen die Schulden weiter, ohne dass der Kongress die Obergrenze erhöht, wäre eigentlich die Zahlungsunfähigkeit erreicht - gäbe es nicht die Trickkiste von Finanzministers Timothy Geithner.

Der Ressortchef ließ etwa weitere Einzahlungen des Staates in den föderalen Pensionsfonds und den Fonds zur Abpufferung des Wechselkurses stoppen. Auch Bundesanleihen, über die sich Städte und Gemeinden finanzieren, dürfen zunächst nicht mehr ausgegeben werden. Diese und andere Maßnahmen werden nach Schätzungen einen Zeitaufschub von rund elf Wochen bringen. Erst danach könnte die Schuldenlatte gerissen werden.

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Kommentare zu " Notfallpläne: US-Banken bereiten sich auf Schulden-GAU vor"

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  • Die öffentlichen Finanzen der US&A sind nun schon länger ein lebender Toter. Bushs Steuerreformen und der Überfall auf den Irak haben ihnen sozusagen den Rest gegeben. Aber auch die Volkswirtschaft ist quasi de-industrialisiert worden: Was wird in den USA noch hergestellt, außer druckfrischen $-Noten und Waffen? Und selbst, wenn noch etwas hergestellt wird - ist die US-Industrie wettbewerbsfähig genug im Weltmarkt? Die negative Handelsbilanz sagt: eher nein.

  • Große Schuld haben doch eigentlich die Ratingagenturen, diese haben ja falsche Indikatoren für die Banken geliefert, die Banken haben ja eigentlich nur nach dem "altbewehrten" Schema-F gehandelt und aufgrund der überzogen positiven Ratings eben falsch gehandelt.

  • Wer hat den die Schuldenpartie begonnen, das war ja wohl ganz klar Bush jun..

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