Nullgewinn möglich: Bund könnte bei Commerzbank wieder leer ausgehen

Nullgewinn möglich
Bund könnte bei Commerzbank wieder leer ausgehen

Die Griechenland-Krise und eine Abschlagszahlung vom Sommer machen für die Commerzbank einen Gewinn nach unwahrscheinlich. Der Bund muss deshalb vermutlich auch für 2011 auf Zinsen für seine stillen Einlagen verzichten.
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Frankfurt, BerlinDer Betrag rettet nicht den Bundesetat, aber er ist symbolisch bedeutsam. Eigentlich müsste die Commerzbank dem Staat für ihre Staatshilfen für das vergangene Jahr 170 Millionen Euro zahlen. Doch daraus wird vermutlich wieder nichts. Das Institut wird die stille Einlage des Bundes wohl auch in diesem Jahr nicht verzinsen. Es sei nicht damit zu rechnen, dass die Bank nach den Bilanzregeln des deutschen Handelsgesetzbuchs (HGB) einen Gewinn ausweisen werde, hieß es übereinstimmend in Berlin und in Finanzkreisen. Man stelle sich darauf ein, dass die Bank deshalb ihre stille Einlage erneut nicht bedienen werde, hieß es weiter. Das Institut, das am 23. Februar seine endgültigen Zahlen vorlegt, wollte sich zu dem Thema gestern nicht äußern.

Die Bank hatte den Großteil ihrer stillen Einlagen zwar im vergangenen Sommer abgelöst, doch 1,9 Milliarden Euro stehen noch immer in ihrer Bilanz. Auf die hätte sie eigentlich neun Prozent Zinsen zahlen müssen. „Ich gehe davon aus, dass die Bank nach dem deutschen Handelsgesetzbuch einen Verlust ausweisen wird und die Zinsen auf die verbliebenen stillen Einlagen des Bundes nicht zahlen wird“, sagt deshalb Dieter Hein, Bankanalyst bei Fairesearch.

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Auf den ersten Blick wirkt es überraschend, dass die Bank ihre Staatshilfen erneut nicht verzinsen kann. Schließlich verkündete die Bank erst vor drei Wochen, sie habe 2011 – nach internationalem Bilanzrecht – nach vorläufigen Zahlen 1,6 Milliarden Euro verdient. Doch Maßstab für die Zinszahlungen ist nicht das Ergebnis nach dem internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS, sondern sind die Regeln des deutschen HGB. Nur bei einem HGB-Gewinn muss die Bank Zinsen zahlen.

Damit dürfte es erneut zu der kuriosen Konstellation kommen, dass die Bank nach den internationalen Bilanzregeln IFRS zwar schwarze Zahlen schreibt, doch wegen eines negativen HGB-Abschlusses keine Zinsen zahlt. Denn einige wichtige Belastungsfaktoren sind in diesen Zahlen noch gar nicht berücksichtigt. „Ein Punkt ist die Abschlagszahlung von einer Milliarde Euro, die die Bank dem Staat zahlen musste, weil sie im Sommer frühzeitig einen großen Teil der Staatshilfen zurückführte“, erklärt Bankanalyst Hein.

Für die Bilanzierung dieser Abschlagszahlung gelten im internationalen und im deutschen Bilanzrecht aber unterschiedliche Vorschriften: Während diese Strafzahlung im internationalen Abschluss keine Spuren in der Gewinn- und Verlustrechnung hinterlässt, wird sie im HGB-Abschluss sehr wohl als Verlust verbucht. Aus diesem Grund hatte Finanzchef Eric Strutz gegenüber Analysten bereits bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal angedeutet, dass er es für unwahrscheinlich hält, dass die Bank nach HGB schwarze Zahlen schreibt.

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  • Strafzahkung/Sonderzahlung von 1 Mrd für die vorzeitige Teilrückzahlung der Staatshilfe....das sieht keiner mehr bzw. will keiner mehr hören...die Gier ist nicht nur den Banken sondern uns allen zu Eigen geworden.

  • Rechte werden schließlich so eingesetzt, daß sie dem jeweiligen Stand der Dinge, ähm der Bank, passen.

  • ...vielleicht haben da diesselben gerechnet, die sich bei der HRE mal locker um ein paar Milliarden verrechnet haben.

    Kann ein Kind in der Schule 1+1 nicht addieren gibt's ne 6. Können Prüfer nicht rechnen bekommen sie ein fettes Honorar :-)

    Also mal ehrlich - wie kann es sein, dass ein Finanzinstitut so komplex ist, dass seine Produkte so unüberschaubar sind, dass es zu solchen Fehlern kommt, ein Prüfer nicht durchschaut was wirklich los ist?

    Eine Bank sollte nur das tun, was sie auch versteht - ein Prüfer sollte nur testieren, was er versteht, was sich eindeutig bewerten lässt! Viele - gerade kleinere - Banken machen Geschäfte, die sie nicht verstehen. Bei jeder Dorfsparkasse kann man die komplexesten Derivate erwerben - ob der kleine Filialleiter in der Provinzbank wirklich weiss - wie das alles so funktioniert?

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