Nyse-Angebot
Die Nasdaq soll zum patriotischen Retter werden

Endlich, so schien es, hat die Deutsche Börse ihr Übernahmeglück gefunden. Doch nun bietet auch die Nasdaq für den Börsenbetreiber Nyse Euronext. Ein Kommentar von Rolf Benders.
  • 0

Immer wenn die Deutsche Börse sich an der Übernahme eines wirklich großen ausländischen Konkurrenten versucht, hat einer was dagegen. Und nicht selten hat es etwas mit nationalen Befindlichkeiten zu tun. So organisierte die Londoner City vor fast zehn Jahren mit Hilfe von Hedge-Fonds die Abwehr des Frankfurter Übernahmeversuchs und auch die Pariser Euronext schlüpfte lieber unter das Dach der New York Stock Exchange als sich an den erfolgreichen Giganten aus Frankfurt zu binden. Eine Reihe anderer Fusionsversuche scheiterten aus ähnlichen Gründen. Deutsche Börse-Chef Reto Francioni erlebt mit der Gegenofferte der Nasdaq für die New York Stock Exchange (Nyse) ein unangenehmes Deja Vu.

Dabei sah dieses Mal alles so gut aus. Mit Nyse-Chef Duncan Niederauer hat Francioni endlich einen Partner gefunden, der freiwillig mit ihm zusammenarbeiten will. Doch Francioni hat die Rechnung ohne Nasdaq-Chef Robert Greifeld, Niederauers Intimfeind in New York, gemacht. Der kann und will nicht mit ansehen, wie die Nyse ihn im Verein mit den Frankfurtern marginalisiert. Schließlich bekäme die Nyse durch die Fusion mit der Deutschen Börse das dringend benötigte Standbein im Derivatehandel, um sich unabängiger vom dahinsiechenden Aktiengeschäft zu machen. Die Nasdaq, die sich weitgehend auf den US-Aktienhandel stützt, bekäme so ein großes strategisches Problem.

Aber das kann eigentlich nicht der einzige Grund für die Gegenofferte der Nasdaq sein. Denn das hochverschuldete Unternehmen musste sich mit dem Konkurrenten ICE verbünden, um die Angebot für die Nyse überhaupt schultern zu können. Der Preis: Die ICE bekommt für die Mitarbeit an dem Projekt das attraktive Derivategeschäft. Die Nasdaq würde sich den Nyse-Aktienhandel einverleiben. Damit wäre die Nasdaq zwar endlich die Nummer 1 in diesem Geschäft in den USA, hätte aber immer noch kein Mittel gegen den Margenverfall in diesem angestammten, wettbewerbsintensiven Sektor gefunden.

Man wird das Gefühl nicht los, dass es hier auch darum geht, die Nyse als "Wiege des amerikanischen Kapitalismus" vor dem Zugriff eines ausländischen Börsenkonzerns zu bewahren. Dafür spricht, dass die bereits hochverschuldete Nasdaq für dieses Projekt weitere Darlehen von US-Banken erhält. Einräumen wird das vorerst niemand. Aber man kann sich ziemlich sicher sein, dass es im Erfolgsfall eine große Zahl patriotischer Dankesadressen für Greifeld geben wird.

Kommentare zu " Nyse-Angebot: Die Nasdaq soll zum patriotischen Retter werden"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%