Öffentliche Entrüstung: Zwang zur Bescheidenheit bei US-Bankmanagern

Öffentliche Entrüstung
Zwang zur Bescheidenheit bei US-Bankmanagern

Privatjets und Luxusbüros für Bankenmanager sind in der Krise verpönt. Wer staatliche Rettungshilfen in Milliardenhöhe beansprucht, muss öffentlich Genügsamkeit üben. Viele der erfolgsverwöhnten US-Bankmanager tun sich mit dieser neuen Bescheidenheit noch schwer.

FRANKFURT. Vielen bisher mit Privilegien verwöhnten Bankmanagern weht der kalte Wind der öffentlichen Meinung ins Gesicht, seit die Banken die Tür für staatliches Rettungsgeld weit aufgemacht haben. So musste sich der geschasste Ex-Chef von Merrill Lynch, John Thain, nach einem Sturm der öffentlichen Entrüstung am Montagabend bereiterklären, 1,2 Mio. Dollar zurückzuzahlen, mit denen er im letzten Jahr, inmitten der Finanzkrise, sein Büro bei Merrill hatte neu ausstatten lassen.

Die US-Großbank Citigroup musste gestern nach einem Proteststurm den geplanten Kauf eines 50 Mio. Dollar teuren Firmenjets stornieren. Die Abbestellung koste die Bank mehrere Millionen Dollar Strafe, teilte ein Citigroup-Sprecher gestern mit. Am Montag hatte das Kreditinstitut noch erklärt, an dem Kauf des Jets festhalten zu wollen. Die Bank hatte das Flugzeug des französischen Typs Dassault Falcon 7X 2005 bestellt und wollte es Ende des Jahres übernehmen. Die US-Regierung hatte der Citigroup im vergangenen Jahr mit 45 Mrd. Dollar unter die Arme gegriffen.

Hinter vorgehaltener Hand ist aus der Branche durchaus Selbstkritisches zu vernehmen. "Das Umdenken, das eigentlich erforderlich ist, hat bei den meisten Kollegen noch nicht wirklich eingesetzt", meint ein hochrangiger Frankfurter Investmentbanker. Gerade auf den oberen Führungsebenen bestehe wenig Bereitschaft, den Gürtel enger zu schnallen. Mitunter fordere ein Managing Director, lieber Mitarbeiter zu entlassen, als an seiner Vergütung zu sparen.

Die Citigroup hätte gewarnt sein können. Die Chefs der Detroiter Autobauer hatten sich im Dezember zur Zielscheibe zynischen Spotts gemacht, weil sie zu einer Anhörung vor dem Kongress in Washington, bei der sie um Milliardenhilfen warben, mit ihren Privatjets anreisten. Die Jets wurden verkauft, und die Vorstandschefs reisten zur nächsten Anhörung mit dem Auto an.

Die hohen Kosten, die durch Kurzfristdenken und mangelnde Risikokontrolle in den Finanzunternehmen den Steuerzahlern aufgebürdet wurden, führen nicht nur in den USA, sondern auch in Europa dazu, dass Politik und Öffentlichkeit immer genauer auf Gehalt und Privilegien von Spitzenmanagern schauen. In Deutschland wurde das Höchstgehalt der Manager von Banken, die mit Staatsgeld gestützt werden, auf 500 000 Euro begrenzt. Die Koalition arbeitet an neuen Regeln zur Managervergütung. In Österreich muss die Führung der Zentralbank jetzt sogar ihre teuren Dienstwagen abgeben. Die Bankaufseher weltweit nehmen Boniregelungen unter die Lupe.

Während es in Deutschland eine Reihe von Konzernen mit eigenen Firmenjets gibt, sind sie in der hiesigen Finanzbrache nicht verbreitet. So haben Deutsche Bank und Commerzbank nach eigenen Angaben keine eigenen Flugzeuge.

Firmenflugzeuge sind nicht ganz zu Unrecht verrufen. So hat eine im Jahr 2006 veröffentlichte wissenschaftliche Studie aus den USA ergeben, dass sie als Indiz für Verschwendung und schlechte Corporate Governance taugen, zumindest, wenn die Top-Manager privat nutzen können. Der New Yorker Ökonome David Yermack ermittelte, dass die Aktienrendite von US-Unternehmen, die ihren Chefs ein Jet genehmigen, um vier Prozent pro Jahr niedriger liegen als im Durchschnitt der Unternehmen. Yermack entlarvte viele der Firmenjets als extrem teuere Taxis, mit denen sich die Firmenchefs zu den exklusivsten Golfplätzen des Landes bringen lassen.

Norbert Häring berichtet für das Handelsblatt über Wirtschaftswissenschaften. Quelle: Pablo Castagnola
Norbert Häring
Handelsblatt / Ökonomie-Korrespondent
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