Öffnung im Finanzsektor: China gestattet bis zu fünf Privatbanken

Öffnung im Finanzsektor
China gestattet bis zu fünf Privatbanken

Peking will seine Zügel im Finanzmarkt lockerer lassen. Bis zu fünf neue Privatbanken dürfen 2014 entstehen. Europas Banken stehen in den Startlöchern. Aber noch ist nicht klar, ob sie eine Chance bekommen.
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PekingChina will seinen streng kontrollierten Finanzsektor ein Stück öffnen und erlaubt bis zu fünf Privatbanken in diesem Jahr. Das kündigte die Regulierungsbehörde für Banken (CBRC) in der Nacht zum Dienstag an. Im Laufe des Jahres sollten mindestens drei und maximal fünf Finanzinstitute genehmigt werden, hieß es in der Mitteilung. Die neu eingerichteten Banken dürften zunächst in einer Versuchsphase unter strenger Aufsicht der Regulierungsbehörde operieren.

Chinas Finanzbranche ist sehr strengen Kontrollen unterworfen. Die Branche wird von großen Staatsbanken dominiert, ausländische Finanzinstitute können nur sehr begrenzt in China arbeiten. Im November hatte Chinas Staatsführung jedoch zum Abschluss des dritten Plenums ein umfassendes Reformpaket in Aussicht gestellt. Damals hatte die Regierung angekündigt, den Finanzsektor zu öffnen, und „kleinere und mittlere“ private Banken zulassen.

Auch Europa wittert seine Chance auf Chinas Finanzmarkt. „Europas Finanzinstitute sind bereit“, sagte EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Dienstag in Peking. Nach dem dritten Plenum sehe er sehr positive Impulse in China. Europa sei offen für Unternehmen aus China, und er hoffe, dass China bald auch offener für Unternehmen aus Europa werde.

Gerade europäische Unternehmen beklagen in China seit Jahren einen schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheiten. Die EU und China hatten beim Gipfeltreffen im November in Peking Verhandlungen über ein Investitionsabkommen aufgenommen. Barnier kündigte für Januar ein erstes Arbeitstreffen zwischen beiden Seiten zu den Verhandlungen über das Abkommen an.

Aus der Ankündigung der Regulierungsbehörde ging jedoch nicht hervor, ob bei der Einrichtung der Privatbanken auch Institute oder Kapital aus dem Ausland zum Zug kommen dürfen. Es könnten bestehende Banken rekonstruiert oder neue eingerichtet werden, hieß es lediglich allgemein in der Mitteilung.

In Chinas Finanzsektor schlummern nach Einschätzung von Experten noch gewaltige Risiken. Weil die großen Staatsbanken kaum Kredite an kleine und mittelständische Unternehmen vergeben, ist in China ein großes System von Schattenbanken entstanden. Zudem haben die Provinzen, Städte und Kommunen gewaltige Schuldenberge angehäuft, wie vergangene Woche Chinas Rechnungshof mahnte.

US-Investor George Soros warnte vor wenigen Tagen: „Die große Unsicherheit für die heutige Welt ist nicht der Euro, sondern die weitere Richtung von China.“ Das exponentielle Anwachsen des Schuldenberges in China könne allenfalls noch wenige Jahre unter Kontrolle gehalten werden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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