Österreichische Bank
Bawag steht angeblich zum Verkauf

Die österreichische Bank Bawag könnte vielleicht bald den Besitzer wechseln. Der Finanzinvestor Cerberus hält die Mehrheit der Anteile und plant diese offenbar zu verkaufen. Als ein möglicher Interessent gilt Santander.
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WienDie österreichische Bank Bawag soll angeblich verkauft werden. Das Geldinstitut mit 500 Filialen wird mehrheitlich vom Finanzinvestor Cerberus kontrolliert. „Cerberus will raus, auch wenn die Bawag zum Verlustgeschäft werden sollte“, sagte ein Bawag-Insider dem Handelsblatt. Offenbar sondiert die US-Investmentgesellschaft mögliche Kaufinteressenten. In Wiener Finanzkreisen wird die spanische Banco Santander als künftiger Bawag-Gesellschafter genannt. Die Spanier sind derzeit in Österreich nur mit der vergleichsweisen kleinen Santander Consumer Credit in der Alpenrepublik vertreten.

Bawag-Chef Byron Haynes sprach von „reinen Spekulationen“ und nannte die beiden US-Gesellschafter „gute Aktionäre“. In Bankenkreisen wird als Verkaufspreis rund zwei Milliarden Euro genannt. Cerberus hatte die in Schieflage geratene Ex-Gewerkschaftsbank vor sieben Jahren übernommen. Ende 2012 stieg dann der US-Hedgefonds Golden Tree bei der Bawag ein.

Cerberus kontrolliert 52 Prozent der Anteile. Der US-Fonds Golden Tree Asset Management hält weitere rund 39 Prozent. Die restlichen neun Prozent gehören österreichischen Investoren wie der Post sowie den Versicherungen Generali Gruppe Österreich und Wüstenrot.

Bereits vor Monaten kursierten ähnliche Spekulationen über einen Verkauf von Bawag. Seit vier Wochen fungiert der Strategiechef Anas Abuzaakou als Finanzvorstand. Der 36-Jährige soll die Gewerkschaftsbank in Auftrag des Mehrheitsgesellschafters Cerberus als „wettbewerbsstarke und solide, ertragreiche Bank“ positionieren.

Die Bawag ist aber in schwierigem Fahrwasser. Das Geldinstitut ist in Linz in einen Finanzskandal verstrickt, der teuer werden könnte. 2007 verkaufte die Bawag der Stadt einen Zins-Währungstauschvertrag, um eine Anleihe in Schweizer Franken abzusichern. Der Anstieg der eidgenössischen Währung hatte für die österreichische Stadt katastrophale Folgen. Es droht ein Schaden von über einer halben Milliarde Euro. Außerdem muss Bawag Staatsschulden abtragen. Zuletzt stand noch rund eine halbe Milliarde Euro an Staatskapital in den Büchern.

Cerberus interessiert sich zusammen mit dem Finanzinvestor Apollo für den Kauf der spanischen Immobilienfinanzierungen der ehemaligen Hypothekentochter der Commerzbank, Eurohypo, in Höhe von mehr als vier Milliarden Euro. Cerberus und Apollo gelten laut „Wirtschaftswoche“ als die Favoriten für den Deal.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

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