Österreichische Bank
Erste Group erholt sich nach Absturz

Belastungen in Ungarn und Rumänien ließen die Erste Group im dritten Quartal 2011 abstürzen. Im Schlussquartal hat sich die österreichische Bank jedoch berappelt und schöpft neue Hoffnung.
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WienDie Erste Group Bank erwartet nach einem verlustreichen Jahr 2011 durch eine bessere Wirtschaftsentwicklung in Teilen Osteuropas wieder steigende Erträge. Das Betriebsergebnis, das im vergangenen Jahr um gut vier Prozent geschrumpft war, werde 2012 leicht steigen, sagte die Bank am Mittwoch vorher. Das Sparkassen-Spitzeninstitut geht dabei von sinkenden Vorsorgen für faule Kredite, sinkenden Kosten und einem anziehenden Kreditgeschäft in einigen Märkten aus. „Mit der Rückkehr in die Gewinnzone im vierten Quartal haben wir bewiesen, dass unser Geschäftsmodell auch unter unverändert herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen funktioniert“, sagte Bankchef Andreas Treichl.

Im vergangenen Jahr hatten die Wirtschaftskrisen in Ungarn und Rumänien die Bank tief in die roten Zahlen gedrückt. Unter dem Strich stand ein Minus von 719 Millionen Euro nach einem Gewinn von 879 Millionen Euro im Jahr davor. Dennoch schnitt die Bank damit dank unerwartet guter Geschäfte im vierten Quartal besser ab, als Analysten erwartet hatten: Im Schlussquartal stieg der Nettogewinn um knapp vier Prozent auf 254,1 Millionen Euro.

Allein in Ungarn stand ein Verlust von rund 567 Millionen Euro zu Buche: Dort mussten die Banken hoch verschuldeten Privatleuten ihre Kreditschulden teilweise erlassen. Der Ersten entstand dadurch ein Verlust von 200 Millionen Euro. Die Lage am ungarischen Bankensektor sei weiterhin schwierig, erklärte die Bank. Sie erwartet, dass die dortige Tochter erst 2014 in die Gewinnzone zurückkehrt.

Auch in Rumänien rutschte die Erste mit 23 Millionen Euro in die Verlustzone. Dort benötigen die Menschen wegen der mauen Wirtschaftsentwicklung weniger Kredite. In beiden Ländern hatte die Erste den Wert ihre Töchter im dritten Quartal abschreiben müssen - um insgesamt gut eine Milliarde Euro. Im laufenden Jahr erwartet die Bank in Ungarn einen Rückgang der Kreditrisikovorsorgen um 450 Millionen Euro.

Der österreichische Bankensektor steht wegen seines hohen Engagements in Osteuropa derzeit schwer unter Druck. Am Montag musste die viertgrößte Bank des Landes, die Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG), mit Staatshilfe vor dem Kollaps bewahrt werden. Weitere Rettungsmaßnahmen für andere Institute schloss Finanzministerin Maria Fekter nicht aus.

Bei der von den europäischen Regulierern EBA geforderten Kapitalaufstockung ist die Erste vorangekommen. Bis Ende Juni müsse sie noch eine Lücke von 166 Millionen Euro schließen, um die geforderte harte Kernkapitalquote von neun Prozent zu erreichen. Ende 2011 lag die Kennzahl (nach der Berechnungsmethode der EBA) bei 8,9 Prozent. Die Bank rüstet sich mit dem Rückkauf von Hypbrid-Anleihen, der Trennung von Randgeschäften und einen strikten Sparkurs in Osteuropa für die strengeren Anforderungen. Ursprünglich lag die Kapitallücke bei 743 Millionen Euro.

Ihr Engagement in den schuldengeplagten Ländern am Rande der Eurozone (PIIGS) fuhr die Bank massiv zurück. Ende 2011 hielt die Erste Griechenland-Papiere über 4,4 Millionen Euro nach gut 600 Millionen Euro Ende 2010 (Sovereign net exposure). Das gesamte PIIGS-Staaten-Engagement fuhr die Erste auf 553 Millionen Euro von 2,1 Milliarden Euro zurück.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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