Österreichische Staatsbank
Keiner hilft der Hypo Alpe Adria

Die österreichischen Banken zeigen der kriselnden Staatsbank Hypo Alpe Adria die kalte Schulter: Sie erteilten Planspielen über eine Beteiligung an einer Hypo-Bad-Bank aus Angst vor Investoren-Klagen eine Absage.
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WienÖsterreichische Banken wollen nicht für die kriselnde Staatsbank Hypo Alpe Adria in die Bresche springen. Sie erteilten Planspielen über eine Beteiligung an einer möglichen Hypo-Bad-Bank am Mittwoch eine Absage. „Ich schließe ein Engagement unseres Hauses dezidiert aus“, erklärte Bank-Austria -Chef Willibald Cernko. Ähnlich hatte sich bereits Raiffeisen-Bank-International -Finanzchef Martin Grüll geäußert. Die Bank wolle sich nicht unter Druck setzen lassen und sei in erster Linie ihren Aktionären verpflichtet. „Sollten wir uns daran beteiligen, würden wir mit Klagen von Investoren eingedeckt“, sagte Grüll dem „Wirtschaftsblatt“.

Österreich prüft derzeit eine teilstaatliche Bad Bank für die Hypo Alpe Adria nach dem Vorbild Irlands. Der Inselstaat hatte private Investoren zu 51 Prozent an einer Abwicklungsgesellschaft für seine Banken beteiligt - der Staat hält die restlichen 49 Prozent. Österreich könnte bei einer derartigen Konstruktion den Anstieg der Staatsverschuldung abbremsen und gleichzeitig EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia von Fortschritten bei der Sanierung der Bank berichten.

Bislang hat es Kreisen zufolge jedoch keine Gespräche mit Banken oder Versicherungen gegeben. Der Chef der staatlichen Bankenholding Fimbag, Klaus Liebscher, zeigt sich dennoch zuversichtlich, die Banken umstimmen zu können. „Ich kann nicht erwarten, dass die erste Reaktion sofort eine glühend positive ist. Hier würde Überzeugungsarbeit notwendig sein“, sagte Liebscher im ORF. Er berät die Regierung bei der Sanierung der Hypo und ist Teil des Expertenteams, das bis Ende Mai einen Zukunftsplan für die EU-Kommission erarbeiten muss.

Experten zufolge ist eine Beteiligungen der Banken an einer Bad Bank etwa dann denkbar, wenn ihnen der Staat dafür an anderer Stelle entgegenkommt - etwa über eine Abschaffung oder Verringerung der vor zwei Jahren eingeführten Bankensteuer.

Der Bad-Bank-Plan für die Hypo hat allerdings noch einen anderen Haken: Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) ist skeptisch: Sie will vor den Wahlen im Herbst keine weiteren Belastungen für den Staatshaushalt ankündigen - denn eine Bad Bank würde die Staatsverschuldung in die Höhe treiben.

An anderer Stelle kommt die Sanierung der Staatsbank schneller voran. Der bis zur Jahresmitte angepeilte Verkauf des Österreich-Geschäfts sei in der finalen Phase, sagte ein Banksprecher. Ein „enger Kreis“ von potenziellen Investoren sei noch im Rennen um die Banktochter. Medienberichten zufolge handelt es sich dabei um ein indisches Unternehmen und einen österreichischen Immobilieninvestor. Zu Details wollte sich die Hypo nicht äußern.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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