Österreichische Volksbanken AG
Neuer Chef soll Krisenbank Flügel verleihen

Bankmanager Stephan Koren soll das angeschlagene Volksbanken-Spitzeninstitut ÖVAG in eine bessere Zukunft führen. Vor allem zentrale Dienstleistungen sollen für die regionalen Volksbanken übernommen werden.
  • 0

WienDie teilverstaatlichte Österreichische Volksbanken AG hat einen neuen Chef: Der 54-jährige Bankmanager Stephan Koren soll das angeschlagene Volksbanken-Spitzeninstitut ab September in eine bessere Zukunft führen, teilte die Bank am Dienstagabend im Anschluss auf eine Aufsichtsratsitzung mit.

Der ÖVP-nahe studierte Volkswirt war lange Zeit Vizechef der österreichischen Bank Bawag und galt als Wunschkandidat von Finanzministerin Maria Fekter. Sie hatte bei der Personalentscheidung ein wichtiges Wort mitzureden, denn der Staat hält 43 Prozent an der Bank. Unterstützt wird Koren von Rainer Borns, der als Chief Operating Officer ebenfalls neu in das dann fünfköpfige Gremium einzieht.

Der Vorstand der Bank steht vor einer schweren Aufgabe: Er muss eine Überlebensstrategie für die Bank ausarbeiten. Aufsichtsratchef Hans Jörg Schelling sieht Koren dafür bestens gerüstet: In Stephan Koren komme ein "äußerst erfahrener Banker an die Spitze der ÖVAG, der klare Vorstellungen und Pläne hat, wie der Volksbanken-Verbund gestärkt werden kann", sagte er. Koren selbst kündigte tiefgreifende und für die regionalen Volksbanken "vielleicht auch als schmerzhaft empfundene Veränderungen" an.

Nach den bisherigen Plänen soll die ÖVAG deutlich schrumpfen und künftig vor allem zentrale Dienstleistungen für die gut 60 regionalen Volksbanken übernehmen. Von seinem Rumänien-Geschäft will sich das Institut trennen und das Großkunden- und Leasing-Geschäft zurückfahren.

Brancheninsider in Österreich gehen davon aus, dass die ÖVAG längerfristig nur in einem größeren Verbund überleben kann. In der Vergangenheit war dabei eine Fusion mit der Bawag ins Spiel gebracht worden, die derzeit dem Finanzinvestor Cerberus gehört. Vor einigen Jahren scheiterte dieses Vorhaben aber am Widerstand der regionalen Volksbanken.

Sollten die alten Pläne für einen Zusammenschluss wieder aus der Schublade geholt werden, hätte Koren einen großen Vorteil: Er kennt das Gegenüber durch seine Jahre in verschiedenen Positionen bei der Bawag gut.

Eine derartige Lösung hätte auch für den Staat Vorteile: Er sieht sich nicht als dauerhafter Eigentümer der Bank und könnte bei einer Fusion aussteigen. Erst im Februar musste die ÖVAG erneut mit rund einer Milliarde Euro an Staatshilfen gestützt werden, um ihren Kollaps zu vermeiden.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Österreichische Volksbanken AG: Neuer Chef soll Krisenbank Flügel verleihen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%