Österreichs Banken: Das Ostgeschäft bricht weg

Österreichs Banken
Das Ostgeschäft bricht weg

Kaum ein Land investiert so stark in Osteuropa wie Österreich. Weil sich derzeit die wirtschaftliche Lage in Osten verschärft, geraten die Banken der Alpenrepublik in Schwierigkeiten. Es gilt als ziemlich sicher, dass einige von ihnen staatliche Hilfe in Anspruch nehmen müssen.

WIEN. Österreichs Banken gehen mit extremer Unsicherheit in das neue Jahr. Der wichtigste Grund: Bank Austria, Erste Bank und Raiffeisen können nur schwer abschätzen, wie sich die Geschäfte 2009 in Osteuropa entwickeln werden. Kein anderes westliches Land ist so stark im Osten engagiert wie die kleine Alpenrepublik: Nach Angaben der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) kommt etwa die Hälfte aller offenen Forderungen Österreichs aus dem Osten. In Deutschland sind es nur etwa zehn Prozent.

Das Wohlergehen der österreichischen Banken ist 2009 eng mit der weiteren gesamtwirtschaftlichen Entwicklung Osteuropas verknüpft. Bislang rechnen die meisten Volkswirte noch damit, dass der Großteil der Ostländer im neuen Jahr zwar etwas weniger, aber immerhin noch wachsen wird. Verschärft sich die Lage in Osteuropa aber weiter – etwa weil die Exporte nach Westeuropa stärker als erwartet schrumpfen werden – wird das auch in den Büchern der österreichischen Banken abzulesen sein. „Niemand hat bislang Erfahrungen mit solchen Rückgängen und solch rezessiven Tendenzen im Osten gemacht“, sagt Banken-Analystin Marion Swoboda-Brachvogel vom Brokerhaus Cheuvreux. Noch vor dem Jahreswechsel haben die wichtigsten Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit der österreichischen Banken herabgesetzt. Auch im eigenen Land ist 2009 nicht viel zu erwarten: Die Österreichische Nationalbank warnt davor, dass die Volkswirtschaft der Alpenrepublik in diesem Jahr um ein Prozent schrumpfen könnte.

Schon 2008 haben die großen Banken aus Wien erhebliche Abstriche machen müssen. Am stärksten hat es die Raiffeisen International getroffen, die börsennotierte Ost-Tochter der österreichischen Raiffeisen-Zentralbank (RZB) – ihr Kurs hat binnen Jahresfrist rund 80 Prozent verloren. Die RZB wird für 2008 überhaupt keinen Gewinn mehr ausweisen. Der Ersten Bank und der Bank-Austria-Mutter Unicredit ist es etwas besser als den Raiffeisen-Kollegen ergangen, deren Kurse haben innerhalb eines Jahres jeweils mehr als 60 Prozent an Wert verloren. Die Bank Austria ist die wichtigste Auslandstochter von Unicredit – die Österreicher betreiben die größten Bankgeschäfte in ganz Osteuropa. Schlechte Ostgeschäfte sind aber auch für die Erste Bank extrem schmerzlich: Fast der gesamte Vorsteuergewinn der ersten neun Monate von 2008 kam aus dem Osten.

Bei der Investmentbank J.P. Morgan ist man davon überzeugt, dass sich die Ertragslage im Ostgeschäft der Banken im neuen Jahr verschlechtern wird. Das Kreditvolumen werde im Osten maximal noch um zehn Prozent wachsen.

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