Övag kündigt Kapitalschnitt an
Österreichische Krisenbank bittet Eigentümer zur Kasse

Die Eigentümer der vom Staat geretteten österreichischen Krisenbank Övag sollen erneut einen Kapitalschnitt beschließen. Laut dem in der Abwicklung begriffenen Geldhaus wird dieser rund eine Milliarde Euro kosten.
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WienDie österreichische Krisenbank Övag lässt nach einem Verlust von einer halben Milliarde Euro ihre Eigentümer bluten. Auf den Staat, private Investoren und regionale Volksbanken komme im Mai ein Kapitalschnitt von rund einer Milliarde Euro zu, teilte das vor der Abwicklung stehende Geldhaus am Freitag mit.

Damit will das genossenschaftliche Spitzeninstitut die Verluste der vergangenen Jahre ausgleichen und vor dem für Anfang Juli geplanten Start seiner Bad Bank reinen Tisch machen. Die Övag, die in guten Jahren zu den größten österreichischen Banken zählte, hatte sich mit einer rasanten Expansion auf dem Balkan verhoben und musste mehrmals vom Staat gerettet werden. Dieser dürfte von seinen milliardenschweren Hilfen maximal 300 Millionen Euro zurückbekommen.

Grund für das neuerliche Minus von knapp 500 Millionen Euro im vergangenen Jahr sind Bewertungsverluste durch den bevorstehenden Start der Abbaubank. Bei der Övag allein schlagen diese nach österreichischer Rechnungslegung sogar mit einem Minus von 888 Millionen Euro zu Buche.

Das bisherige Spitzeninstitut der Volksbanken will seine lebensfähigen Teile und Leitungsaufgaben für den Sektor an die Volksbank Wien-Baden übertragen. Knapp die Hälfte der Bank soll mit einer Bilanzsumme von 7,1 Milliarden Euro am 4. Juli als Bad Bank mit dem Namen Immigon an den Start gehen. Die Övag in ihrer derzeitigen Form verschwindet damit vom Markt.

Der Abbau der Krisenbank wird auch von der Europäischen Zentralbank (EZB) streng überwacht, die seit vergangenem Jahr die Aufsicht über die größten Banken der Euro-Zone hat. Sie hatte der Övag gemeinsam mit ihren Mehrheitseigentümern - den regionalen Volksbanken - ab Ende Juli eine harte Kernkapitalquote von 14,63 Prozent vorgeschrieben. Dieses Ziel könne die Övag jedoch mit ihrer derzeitigen Struktur nicht erreichen, erklärte die Bank. Sie hoffe nun, dass die EZB ihre Anforderung angesichts der geplanten Abbaubank zurückschraubt.

Das Institut gehört zu knapp 52 Prozent den regionalen österreichischen Volksbanken, weitere gut 43 Prozent hält der Staat. Die deutsche DZ-Bank ist mit knapp vier Prozent beteiligt. Sie alle werden bei dem geplanten Kapitalschnitt zur Kasse gebeten, den sie auf einer Hauptversammlung am 28. Mai abnicken sollen. Der Staat allein hat bislang 1,35 Milliarden Euro an Hilfen in die Bank gesteckt - davon 100 Millionen Euro in Form einer Garantie und 250 Millionen Euro Aktienkapital für den 43-Prozent-Anteil.

Von der verbleibenden Milliarde sind nach einem früheren Kapitalschnitt noch 300 Millionen Euro übrig. Ob und in welcher Form die Bank dieses Geld zurückzahle, werde mit dem Finanzministerium verhandelt, sagte ein Övag-Sprecher.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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