Offenlegung von Kapitalvorgaben
Banken ignorieren EZB-Empfehlungen

Von den Kapitalvorgaben hängt ab, welche Geschäfte Banken machen und wie viel Geld sie ausschütten können. Die EZB empfiehlt, die Zahlen nicht zu veröffentlichen. Zwei deutsche Großbanken setzen sich nun darüber hinweg.

FrankfurtDie zwei größten deutschen Geldhäuser veröffentlichen ihre individuellen Kapitalvorgaben und ignorieren damit eine Empfehlung der Europäischen Zentralbank. Nach der Deutschen Bank gab am Freitag auch die Commerzbank bekannt, welche Kernkapitalquote die EZB von ihr mindestens verlangt. Im laufenden Jahr sind es 10,25 Prozent - 3,25 Prozentpunkte weniger, als Deutschlands zweitgrößtes Finanzinstitut Anfang 2016 aufwies. Viele Investoren wollen die Kapitalvorgaben für Banken wissen, schließlich hängt von ihnen ab, welche Geschäfte die Institute machen und wie viel Geld sie an ihre Aktionäre ausschütten können.

„Es ist in der Tat so, dass die EZB empfiehlt, dass nicht zu veröffentlichen“, sagte Commerzbank-Finanzchef Stephan Engels am Freitag. Viele europäische Konkurrenten hätten dies jedoch trotzdem getan. Auch er wolle Investoren diese Information nicht vorenthalten. „Nach jetziger juristischer Einschätzung müssten wir diese Quote in einem Wertpapierprospekt ohnehin veröffentlichen.“ Wenn ein Aktionär auf der Hauptversammlung nach der Quote frage, wolle man ebenfalls antworten.

Auch der Privatbankenverband BdB hat sich für eine Veröffentlichung ausgesprochen. Branchenkenner gehen davon aus, dass in der anstehenden Bilanzsaison kleinere Institute dem Beispiel der zwei Branchenführer folgen werden. Die EZB legt Instituten, die diesen Weg gehen, keine Steine in den Weg. Eigentlich befürwortet sie eine Veröffentlichung der Quoten jedoch erst 2019, wenn die neuen Basel-III-Regeln komplett eingeführt sind, wie EZB-Ratsmitglied Klaas Knot kürzlich sagte. Die italienischen Großbanken setzen sich darüber schon länger hinweg. Sie müssen ihre Quoten auf Druck der italienischen Finanzmarktaufsicht offenlegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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