Oliver Hommel zu Apple Pay
„Die Banken müssen aufpassen“

Apple Pay wird es in Europa deutlich schwerer haben als in den USA, meint Oliver Hommel, Experte für Zahlungsverkehr bei Accenture. Die deutschen Banken werden durch das neue Angebot herausgefordert.
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Die Hoffnung für Mobile Bezahlsysteme heißt Apple Pay. Seit etwa drei Wochen kann man in den USA mit dem Handy bezahlen. Kunden wie McDonald's berichten von einem guten Start des neuen Angebots. Doch in Europa sind die Hürden für den Internetriesen deutlich höher. Hier wird Apple Pay zur Bedrohung für die Banken.

Bisher hat man den Eindruck, dass die Deutschen beim mobilen Bezahlen noch sehr skeptisch sind. Wird Apple Pay das ändern?

Elektronische Zahlverfahren und damit auch Mobile Payments werden immer beliebter. Ich gehe aber davon aus, dass der Anteil der Bartransaktionen in Zukunft deswegen allein nicht deutlich schneller abnehmen wird. Dennoch ist ein langfristiger Trend klar erkennbar: Der Baranteil nimmt jedes Jahr um etwa ein Prozent ab, während die elektronischen Zahlungen zulegen.

Kann Apple beim mobilen Bezahlen eine Revolution lostreten, so wie das mit iTunes bei den legalen Musikdownloads gelungen wird?

Apple Pay wird die Entwicklung vielleicht ein wenig beschleunigen, aber wir werden keine revolutionäre Veränderung des Zahlverhaltens erleben. Letztlich deckt Apple mit seinen Geräten ja immer nur einen gewissen Teil des Marktes ab. Die Marktanteile und damit der Einfluss sind von Land zu Land sehr unterschiedlich.

Bisherige Systeme sind daran gescheitert, dass sie nicht weit genug verbreitet waren. Droht Apple ein ähnliches Problem?

Der Grundstein von Apple Pay ist ja die Partnerschaft mit den internationalen Kreditkartenfirmen Mastercard, Visa und American Express – also bewährten und international weitverbreiteten Systemen. Was bei Apple Pay passiert, ist eigentlich nichts anderes als eine neue Form der kontaktlosen Kreditkartenzahlung oder Debit-Kartenzahlung. Apple hat dabei versucht, möglichst wenig am eigentlichen Transaktionsprozess zu verändern, um notwendige Investitionen bei Betreibern und Händlern möglichst gering zu halten.

Aber warum sollte man Apple mitverdienen lassen?

Apple bietet einen zusätzlichen Weg an, um Umsätze zu generieren. Aber das geschäftspolitische Problem ist in der Tat, dass Apple natürlich mitverdienen will. Es ist ein relativ offenes Geheimnis, dass die US-Banken, die beim Start von Apple Pay dabei waren, an Apple 0,15 Prozent vom Umsatz abtreten. Das ist für die US-Banken wahrscheinlich gerade noch akzeptabel, weil in den USA die so genannten Interchange-Entgelte noch vergleichsweise hoch sind. Die Institute können daher einen Teil ihrer Marge abgeben und hoffen dies durch Masse zu kompensieren.

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