Online-Bank Comdirect
Schwacher Sommer, starkes Jahr

Niedrigzinsen und ein schwieriger Aktienmarkt sorgen für einen Gewinneinbruch im dritten Quartal. Doch die Jahresziele sind in Sichtweite. Neue Strategie: Eine engere Anbindung an die Konzernmutter, die Commerzbank.

Die niedrigen Zinsen und die Brexit-Flaute an den Aktienmärkten haben die Online-Bank Comdirect im dritten Quartal belastet. Der Gewinn sackte im Vergleich zum Vorjahr um ein knappes Drittel ab. Doch die Ertragsziele für das laufende Jahr sind nach neun Monaten nahezu komplett erreicht. Nach Veröffentlichung der Zahlen gab die Bank gleich die neue Strategie bekannt: Die Anbindung an die Konzernmutter Commerzbank soll verstärkt werden.

Die neue Strategie der Commerzbank soll die Tochter Comdirect enger an die zweitgrößte deutsche Bank binden. „Wir wollen die Zusammenarbeit weiter intensivieren“, sagte Comdirect-Chef Arno Walter der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch in Frankfurt. „Da geht noch mehr.“ Die Commerzbank hat sich eine Digitalisierung fast aller Prozesse auf die Fahnen geschrieben. Comdirect gilt wie die auf das Online-Geschäft ausgerichtete polnische Tochter mBank als Versuchslabor für viele Entwicklungen bei der Commerzbank. Auch die mBank wird Teil der Privatkundensparte von Deutschlands zweitgrößter Bank.

Der Comdirect-Chef ist dabei, das Profil des Online-Brokers zu schärfen. Er will sich wieder mehr auf Anleger und private Trader konzentrieren. Der reine Kundenzuwachs sei zweitrangig, sagte Walter in einem Pressegespräch. „Wichtiger ist mir das Depot-Wachstum.“ Die Commerzbank hat sich vorgenommen, bis 2020 zwei Millionen Privatkunden zu gewinnen. „Wir werden auch hier unseren Beitrag leisten“, sagte Walter, ohne sich auf eine Zahl festzulegen. Seit 2013 kamen mehr als 200.000 der eine Million neuen Commerzbank-Kunden von der Comdirect. Im Sommer hat sie die Marke von drei Millionen Kunden übersprungen.

Vom geplanten Abbau von 9000 Stellen bei der Commerzbank ist die Tochter in Quickborn nicht betroffen. „Natürlich schauen wir uns an, wie wir effizienter werden können“, sagte Walter. In den vergangenen Monaten seien nur noch wenige Stellen hinzugekommen. „Aber ein Personalabbau ist nicht geplant.“

Die Zahlen des dritten Quartals fielen aber wegen des geldpolitischen und politische Umfeldes schwach aus. Der Überschuss sackte im dritten Quartal um fast 30 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum auf 13,6 Millionen Euro ab, wie die Commerzbank-Tochter am Mittwoch in Quickborn bei Hamburg mitteilte. Dabei fraßen sich die niedrigen Zinsen weiter in die Bilanz.

Der Zinsüberschuss nach Risikovorsorge sackte um gut zwölf Prozent auf 28,8 Millionen Euro ab. Hinzu kam anders als im Vorjahr ein schwacher Börsenhandel im Sommer, der den Provisionsüberschuss ebenfalls um gut zwölf Prozent auf 51,46 Millionen Euro drückte. Gesenkte Kosten konnten das nicht wettmachen.

Anleger darf aber freuen, dass Walter die Ertragsziele für das laufende Jahr nach neun Monaten dennoch fast schon erreicht hat. Mit 106,9 Millionen Euro – im Vorjahr waren es 77,9 – lag der angepeilte Vorsteuergewinn von 110 Millionen Euro in Reichweite - allerdings nur dank der 41 Millionen, die der Verkauf der Anteile am Kreditkartenanbieter Visa Europe in die Kassen spülte. „Das heißt, dass wir die 110 Millionen sicher überspringen werden“, sagte Walter. Doch im Handel herrschte im Sommer nach dem EU-Ausstiegsvotum der Briten Flaute. Die gute Ertragslage will der Online-Broker vor dem Jahreswechsel wieder für eine Werbe- und Depot-Kampagne nutzen. Dementsprechend reagierte auch die Börsen. Comdirect-Papiere fielen um ein Prozent auf 9,15 Euro, liefen damit aber nicht wesentlich schlechter als der Gesamtmarkt. Der Dax notierte 0,9 Prozent niedriger bei 10.433 Punkten. Der HDax gab 0,8 Prozent nach auf 5569 Zähler.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%