Online-Kreditplattformen
Leih' mir was!

Privatkredit statt Bankdarlehen – dieses Modell wird immer beliebter. Auch die Online-Plattform Auxmoney hilft Nutzern, sich gegenseitig Geld zu leihen. Jetzt angelt sie sich potente Investoren, um den Markt aufzurollen.
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DüsseldorfDie Kreditvergabe von privat an privat kann in Deutschland in ein paar Jahren eine ernst zunehmende Alternative zur Bank werden. Das in den USA bereits verbreitete Modell des „Social Lending“ bieten hierzulande bereits Online-Plattformen wie Smava, Fixura oder Auxmoney an. Letztere will nun verstärkt Marktanteile erobern.

Wie das Handelsblatt erfuhr, sind beim Anbieter Auxmoney nun zwei Investoren eingestiegen. Union Square Ventures, die auch beim US-Kreditmarktplatz Lending Club und beim Kommunikationsdienst Twitter engagiert sind, sowie Index Ventures haben insgesamt 12 Millionen Dollar in das Düsseldorfer Start-up gesteckt. „Wir rechnen damit, dass Auxmoney zu einer echten Alternative zum traditionellen Bankkredit in Deutschland werden wird. Daran wollen wir teilhaben“, sagt Neil Rimer von Index Ventures.

Bei der Vergabe von Mikrokrediten direkt von einer Privatperson zur anderen ist keine Bank zwischengeschaltet. Kreditsuchende können hier nach Anlegern suchen, welche den Darlehenswünsche und den angegebenen Zinssatz erfüllen möchten. Dieses System ist in den USA bereits weit verbreitet. Im Mai vergangenen Jahres konnten die amerikanischen Onlinekreditplattformen Lending Club und Prosper die Vergabe von insgesamt mehr als einer Milliarde Dollar (781 Millionen Euro) verkünden.

In Deutschland beträgt das Volumen an ausstehenden unbesicherten Konsumenten- und Dispokrediten über 200 Milliarden Euro. Mit besicherten Krediten wie Kfz-Darlehen sind es noch einmal 100 Milliarden Euro Marktvolumen mehr.

Der Branchenprimus Smava hat sich jedoch inzwischen von der ursprünglichen Idee verabschiedet, Kredite nur von privat an privat zu vergeben. Die Plattform bietet jetzt auch herkömmliche Bankendarlehen an. Damit hat sich das Unternehmen zu einem Vergleichsportal für Kredite entwickelt.

Mit dem teilweisen Rückzug von Smava sehen die Macher von Auxmoney nun ihre Chance, zum Gewinner aufzusteigen – ähnlich wie Ebay bei den Online-Auktionshäusern. „Unser Ziel ist es, das Volumen künftig jedes Jahr zu verdoppeln“, sagt Auxmoney-Geschäftsführer Raffael Johnen. Künftig sollen dafür auch wie in den USA institutionelle Investoren angesprochen werden. Die ersten Family Offices und privaten Vermögensverwalter habe man schon gewonnen, so Johnen. Um noch attraktiver für Institutionelle zu werden, denke man auf lange Sicht auch über einen Sekundärmarkt nach, auf dem die Forderungen gehandelt werden können.

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Wachstum vorantreiben

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  • Zum ersten Teil verweise ich mal auf die FAQ von Auxmoney für genauere Details. Die Eintreibung übernimmt Auxmoney bzw. ein beauftragtes Inkassounternehmen.

    Zum zweiten Teil: das Problem mit der Banklizenz wurde dadurch gelöst, dass die SWK Bank dazwischen geschaltet wurde. Diese tritt, nach zustandekommen des Kreditvertrages, die Forderung an die (anteilig) Kreditgeber ab.

  • Spannend wäre die Information, wie Kreditausfälle gehandhabt werden. Da hier ja keine Banken dazwischengeschaltet sind, die das Risiko zwischen "Sparer" und "Kreditnehmer" aufnehmen, sondern eine direkte 1-zu-1-Beziehung zwischen Kreditnehmer und -geber aufgebaut wird (wenn ich das Modell richtig verstehe), dann gilt für einen Kreditgeber doch im Zweifelfall: Pech gehabt, Geld ist futsch, oder? Fängt dann Kreditgeberin Lieschen Spargroschen, die für ihre 5000 Euro einen höheren Zinssatz erzielen wollte, als sie bei der Bank bekommen konnte, an, Beitreibungsmaßnahmen gegen den Kreditnehmer Peter Unzuverlässig zu starten? D.h. privat ein Mahnverfahren einleiten, beim Gericht die Zwangsvollstreckung und final die Eidesstattliche Versicherung von Herrn Unzuverlässig zu beantragen?

    Wer sollen denn die Anleger sein, die in diesem Modell die Kredite geben? Wenn es wirklich Kleinanleger sind, die maximal ein oder zwei Kredite vergeben können, dann sind das doch üblicherweise genau die Leute, denen die Anlage in rentableren Anlageformen wie Aktien oder Aktienfonds, etc. zu riskant sind. Die sollen jetz auf einmal das Kreditausfallrisiko einzelner Kreditnehmer tragen?
    Oder sollen das "Großanleger" sein (im Text sind "Family Offices" genannt), die in großem Maßstab Kredite vergeben? Dann ist schnell die Grenze zur gewerblichen Kreditvergabe überschritten - und dafür benötigt man aus gutem Grund eine Banklizenz und unterliegt der Bankenregulierung.

  • Es ist steuerlich zu uninteressant, da Verluste nicht steuerlich berücksichtigt werden können. D.h. nur wenns gut läuft hält Vater Staat die Hand auf. Da wir in D eine große Bankenlobby haben, die aktiv in die Politik eingreift, wird sich daran auch nichts ändern.

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