Osteuropa-Krise
Hypo Alpe Adria schreibt wieder rote Zahlen

Der künftige Kapitalbedarf der früheren BayernLB-Tochter ist wegen Osteuropa-Krise völlig unklar, der Verkauf von mehreren Tochterfirmen stockt. Dennoch schrumpft die Bilanzsumme weiterhin.
  • 0

WienDie frühere BayernLB-Tochter Hypo Alpe Adria ist wieder in die Verlustzone zurückgekehrt. Im ersten Halbjahr 2012 lag das Minus bei zehn Millionen Euro, in der Vorjahresperiode gab es noch ein Plus von 72 Millionen Euro. Wegen der schwierigen wirtschaftlichen Lage in Südosteuropa drohen der Skandalbank aus Kärnten weitere Rückschläge. Völlig unklar ist der weitere Kapitalbedarf der Hypo Alpe Adria.

„Das Zwischenergebnis ist kein Grund zum Jubeln“, kommentierte Vorstandschef Gottwald Kranebitter am Montag die Halbjahreszahlen. Der eingeschlagene Weg der Konsolidierung zeige aber positive Wirkung, deshalb wolle der Vorstand seinen Kurs fortsetzen. Kranebitter und seine Kollegen setzen vor allem auf Verkleinerung und Minimierung der Risiken. Auch in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres ist die Bilanzsumme um 1,4 Milliarden auf 33,7 Milliarden Euro geschrumpft.

Keine Fortschritte gibt es beim geplanten Verkauf verschiedener Banktöchter, mit der das Ende 2009 verstaatlichte Institut zumindest ein bisschen Geld in die leeren Kassen bekommen wollte. Vorstandschef Kranebitter gestand gestern ein, dass es für Banken derzeit keine Käufer gebe. Die Hypo Alpe will ihre Landesgesellschaften in Italien, Ex-Jugoslawien und auch in Österreich verkaufen. Kranebitter spricht jetzt davon, die Tochtergesellschaften weiterhin "verkaufsfertig" zu machen, bis eine Abgabe wieder realistisch geworden sei.

Ein Verkauf scheint aber auch auf längere Sicht kaum möglich. Die größten Probleme hat die Hypo Alpe Adria in den Ländern Ex-Jugoslawiens. Dort wachsen die Volkswirtschaften kaum noch, Kroatien oder Slowenien fallen in diesem Jahr in die Rezession zurück. Da eine durchgreifende Verbesserung auch 2013 nicht in Sicht ist, gibt es keine Investoren, die sich für die Töchter der Hypo Alpe Adria interessieren.

Die drei großen Rating-Agenturen Moody´s, Fitch und Standard & Poor´s hatten etwa Slowenien erst vor wenigen Tagen wieder einmal abgestuft. Möglicherweise muss das kleine Adria-Land auch den Euro-Rettungsschirm in Anspruch nehmen. Hypo-Alpe-Vorstandschef Kranebitter spricht selbst von einem "steinigen Weg", der vor der Bank liegt. Im operativen Geschäft zählen die Landesgesellschaften in Ex-Jugoslawien zu den besseren Hypo-Töchtern. Trotz staatsanwaltschafftlicher Untersuchungen in Slowenien oder Serbien nimmt die Zahl der Kunden zu.

Die weitere wirtschaftliche Entwicklung in Südosteuropa wird auch über den Kapitalbedarf der Hypo Alpe Adria entscheiden. Im vergangenen Jahr hatten Österreichische Nationalbank und Finanzmarktaufsicht eine neue Eigenkapitallücke von 1,5 Milliarden Euro errechnet. Eine endgütige Entscheidung soll Ende dieses Jahres fallen. Österreichs Finanzministerin Maria Fekter will den neuen Zuschuss des Staates so gering wie möglich halten, um das Haushaltsdefizit nicht noch weiter ansteigen zu lassen. Hypo-Alpe-Chef Kranebitter verspricht, dass er auch für den Rest des Jahres ein Ergebnis "entlang der Nulllinie" erwirtschaften wird.

Unklarheit herrscht weiter über die möglichen Forderungen der BayernLB an ihre frühere Tochter. In einem ersten Schadenersatzprozess versuchen die Münchener, einen Teil des Kaufpreises von 1,6 Milliarden Euro zurückzuholen. Dieses Verfahren vor einem Zivilgericht in Wien ruht zur Zeit und soll erst im Dezember wieder aufgenommen werden.

Stefan Menzel ist beim Handelsblatt der Spezialist für die Automobilbranche.
Stefan Menzel
Handelsblatt / Korrespondent Automobilindustrie

Kommentare zu " Osteuropa-Krise: Hypo Alpe Adria schreibt wieder rote Zahlen"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%