Palette an Finanzangeboten soll deutlich erweitert werden Frankreichs Regierung will die Post zur Vollbank machen

In den kommenden Wochen entscheidet Frankreichs Regierung, ob das Land eine neue, vollständige Bank im Privatkundengeschäft bekommt. Der Kandidat ist bereits seit dem 19. Jahrhundert im Finanzgeschäft und hat mehr Filialen als alle Konkurrenten zusammen: die französische Post.
  • Christoph Nesshöver (Handelsblatt)

PARIS. Mit einer Kopie der „Einfach und billig“-Strategie der deutschen Postbank will La Poste-Chef Jean-Paul Bailly seinem Unternehmen neues Wachstum verschaffen. Zwar bietet La Poste bereits jetzt Finanzdienstleistungen an. Zwölf Millionen Franzosen haben ein Postscheckkonto oder ein Sparbuch beim blaugelben Staatskonzern. Zentrale Märkte wie Konsumkredite, Immobilienfinanzierung ohne Ansparen und Sachversicherungen blieben der Post aber bisher verschlossen. Im neuen Vertrag mit der Regierung über die mittelfristige Geschäftsstrategie (Contrat de plan) dürften diese Beschränkungen nun nach fast 15-jähriger Debatte aufgehoben werden. Eine endgültige Entscheidung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin wird bis Ende September erwartet.

Frankreichs etablierte Geschäftsbanken sind wenig begeistert von der Aussicht auf den neuen Konkurrenten, der dank des Mutterkonzerns mit 17 000 Ablegern das mit Abstand größte Filialnetz in Frankreich hat. Sowohl dem neuen BNP Paribas-Generaldirektor Baudouin Prot als auch Société Générale-Chef Daniel Bouton wird nachgesagt, hinter den Kulissen emsig gegen La Poste zu trommeln. Crédit Agricole, nach der Übernahme von Crédit Lyonnais (CL) hinter BNP Nummer zwei in Frankreich, droht gar damit, seine Geschäftspost - Jahresvolumen 235 Mill. Euro - künftig einem anderen Logistikunternehmen anzuvertrauen.

Bei La Poste sieht man dem Treiben eher amüsiert zu. Zum einen wird der Briefmarkt für Briefe unter 50 Gramm, das Gros der Geschäftspost, erst zum 1. Januar 2007 liberalisiert. Zum anderen buhlten die Bankmanager, die über die vermeintlich neue Konkurrenz klagten, gleichzeitig schon darum, den neuen Bankriesen als Partner zu gewinnen, heißt es bei La Poste. Mancher Banker, der sich öffentlich gegen die Ausweitung der Postbank-Produktpalette aussprach, griff am selben Tag zum Telefon und lotete beim La-Poste- Vorstand die Möglichkeiten für Kooperationen aus.

Neu wären solche Kooperationen nicht: Bei vielen Produkten arbeitet Frankreichs Post mit den Geschäftsbanken schon zusammen - die betrieblichen Sparpläne etwa, eine private Ergänzung zur Rente, werden gemeinsam mit CL angeboten.

Schon bei seinem Amtsantritt im vergangenen September machte Postchef Bailly deutlich, dass sein Haus für zwei der drei neuen Produkte Partner sucht. „Das muss er auch, denn alleine hat La Poste kaum genügend Eigenkapital für die Ausweitung der Produktpalette“, sagt Analyst Eric Hazart vom Brokerhaus Exane. Mit einem Umsatz von 4 Mrd. Euro - 23 % des Gesamtumsatzes von La Poste - und Einlagen von 200 Mrd. Euro ist Frankreichs Post gegenüber den großen Retailbanken in der Tat klein.

Modell für neue Allianzen soll die Kooperation mit CNP Assurances bei Lebensversicherungen sein, die La Poste bereits seit 1992 im Angebot hat. Ähnlich erfolgreiche Allianzen wünschen sich die Postbanker auch für das Sachversicherungs- und Konsumkreditgeschäft. Noch würden keine konkreten Verhandlungen geführt, heißt es - aber an Interessenten mangelt es La Poste wegen ihres dichten Filialnetzes nicht.

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