Panama Papers
Erster Bank-Chef stolpert über Enthüllungen

Der Vorstandschef der Hypo Vorarlberg nimmt seinen Hut wegen der Briefkasten-Affäre. Österreichs Bankenaufsicht prüft auch Raiffeisen International auf Geldwäsche. Schuld eingestehen wollen beide Banken nicht.

WienNoch zu Wochenbeginn sah es aus als würde der Chef der Hypo Landesbank Vorarlberg, Michael Grahammer, im Zuge der Enthüllung durch die „Panama Papers“ seinen Kopf retten können. Doch am Ende war der Druck auf den Banker zu groß. Grahammer nahm am Donnerstag seinen Hut. In der österreichischen Finanz-Szene genoss Grahammer nach Angaben von Insidern bislang einen guten Ruf.
Auslöser des Rücktritts ist eine Sonderprüfung durch die Wirtschaftsprüfergesellschaft PWC. Die Experten sollen Licht in die in den „Panama Papers“ genannten Transaktionen bringen. Darauf einigten sich der konservative Ministerpräsident (Landeshauptmann) des Vorarlbergs, Markus Wallner, und Grahammer.

Grahammer betonte am Donnerstag, dass sein Rückzug kein Schuldeingeständnis in der Affäre um Briefkastenfirmen sei. „Ich bin nach wie vor zu 100 Prozent davon überzeugt, dass die Bank zu keiner Zeit Gesetze oder Sanktionen verletzt hat“, sagte der Banker. „Es ist kein Schuldeingeständnis, sondern eine sehr persönliche Entscheidung.“ Er sieht sich auch als Opfer der österreichischen Medien. Die Entscheidung zum Rücktritt sei in den vergangenen 15 Monaten gereift. Am Donnerstagmorgen trat Grahammer und sein Vorgänger Jodok Simma vor den Kontrollausschuss des Vorarlberger Landtags. Grahammer gehört seit 2004 dem Vorstand der Hypo Vorarlberg. Vor vier Jahren hatte er Vorstandsvorsitz übernommen.
Die Hypo Landesbank Vorarlberg gehört mehrheitlich dem gleichnamigen Bundesland. Vorarlberg hält 76 Prozent der Stammaktien. Auch deutsche Banken haben sind Anteilseigner: Ein Bankenkonsortium aus Baden-Württemberg, bestehend aus der Landesbank Baden-Württemberg und der Landeskreditbank Baden-Württemberg Förderbank, besitzen knapp 24 Prozent der Anteile. Die Hypo Landesbank Vorarlberg mit 700 Mitarbeitern ist mit einer Bilanzsumme von rund 14 Milliarden Euro die größte Bank in dem westösterreichischen Bundesland.

Die Hypo Landesbank Vorarlberg verkaufte bereits 2009 ihre Tochter im Nachbarland Liechtenstein an die Bank Valartis. Mit diesem Schritt wollten sich sich die Österreicher aus dem umstrittenen Offshore-Geschäft zurückziehen. Die Vorarlberger Hypo wurde bereits 1897 vom Landtag in Bregenz gegründet und begreift sich als Unternehmerbank. Ihr Kerngeschäft ist Vermögensanlage und Finanzierungen, insbesondere im Immobilienbereich.

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