Panama Papers
Schweizer Bankenaufseher wollen Geldwäsche eindämmen

Die Schweizer Aufseher drängen die Banken zu einem konsequenteren Kampf gegen Geldwäsche. Hintergrund ist die Veröffentlichung der Panama Papers. Die Forderung: mehr Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Kunden.

BernNach der Enthüllung über Hunderttausende Briefkastenfirmen in Panama drängen die Schweizer Aufseher Banken zu einem konsequenteren Kampf gegen Geldwäsche. Viele Institute würden verdächtige Geldströme erst dann melden, wenn in den Medien über Korruptionsfälle berichtet werde, sagte Finma-Direktor Mark Branson am Donnerstag auf der Jahrespressekonferenz. Doch die Banken müssten ihre Rolle bei der Bekämpfung internationaler Kriminalität ernster nehmen und mehr Sorgfalt bei der Auswahl ihrer Kunden walten lassen. "Es gibt Musterschüler - und es gibt Schüler, die Sanktionen brauchen, bevor sie verstehen, dass sie sich verbessern müssen", sagte er. Schärfere Regeln forderte Branson jedoch nicht. Die Institute müssten vielmehr die bestehenden Vorschriften umsetzen.

Schweizer Banken zählen zu den größten Vermögensverwaltern der Welt. In den vergangenen Jahren waren sie in die Kritik geraten, ihren vermögenden Kunden bei der Steuerflucht geholfen zu haben. Strafen in diversen Steuerverfahren kosteten die Geldhäuser Milliarden.

Ob die Finma zu den unter dem Schlagwort "Panama Papers" bekannten Enthüllungen ein größeres Verfahren einleite, sei noch nicht entschieden. Sie wolle zunächst prüfen, ob es Hinweise auf Gesetzesverstöße gebe, sagte Branson. Medienberichten zufolge tauchen in den Panama-Papers auch die Großbanken UBS und Credit Suisse auf. UBS hatte daraufhin erklärt, sich an Regeln und Gesetze zu halten. "Wir haben kein Interesse an Geldern, die unversteuert sind oder aus unlauteren Aktivitäten stammen", hatte ein UBS-Sprecher erklärt. Einem Bericht der "Tribune de Geneve" hat die Genfer Staatsanwaltschaft bereits Ermittlungen in Zusammenhang mit den Panama-Papers aufgenommen.

Auch in die Korruptionsfälle um den brasilianischen Energiekonzern Petrobras und den malaysischen Staatsfonds 1MDB seien diverse Schweizer Banken involviert, sagte Branson. Die Finma habe im Zuge dessen bislang sieben Verfahren eröffnet - drei im Petrobras-Skandal und vier in Bezug auf 1MDB. "Es handelt sich nicht um kleine Fische", sagte Branson. Details nannte er nicht. In den malaysischen Skandal um Misswirtschaft und Bestechung ist unter anderen der Vermögensverwalter BSI involviert, der vor dem Verkauf an die Konkurrentin EFG International steht.

Beide Fälle zeigen nach Ansicht von Branson das steigende Risiko für Schweizer Banken, in Geldwäsche-Aktivitäten verwickelt zu werden. Denn viele Institute würden auf der Suche nach Neugeschäft verstärkt Gelder aus Schwellenländern entgegennehmen. Dort sei es aber oft schwierig nachzuvollziehen, woher die Gelder stammten. Um die Institute besser auf die Gefahren aufmerksam zu machen, haben die Aufseher ein Ampelsystem entworfen, dass den Banken die Risiken aufzeigen soll, die sie etwa aufgrund ihrer Kundenstruktur haben. Derzeit hätten 14 der von der Finma beaufsichtigten Institute ein Rating im roten Bereich. Namen nannte Branson nicht.

Die britische Finanzaufsicht FCA teilte ebenfalls am Donnerstag mit, sie habe 20 Banken und Finanzfirmen aufgefordert, Auskunft über mögliche Verbindungen zu der im Zentrum der Enthüllungen stehenden Anwaltskanzlei Mossack Fonseca zu geben. "Wir haben die Firmen diese Woche angeschrieben", sagte eine FCA-Sprecherin.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
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