Papier des Finanzausschusses
Deutsche Banken stoßen griechische Anleihen ab

Beim Geld hört der europäische Zusammenhalt offenbar auf - zumindest bei vielen deutschen Banken und Versicherern. Die haben sich offenbar massenweise von griechischen Anleihen getrennt. Das belastet das Land erheblich.
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Düsseldorf/Berlin/AthenDeutsche Versicherer und Banken haben sich Zeitungsberichten zufolge in großem Stil von griechischen Staatsanleihen getrennt. Die deutschen Versicherungsunternehmen halten laut einem Bericht der "Welt" nur noch 2,8 Milliarden Euro der Papiere. Das gehe aus einem internen Papier des Finanzausschusses des Bundestages hervor, das der Zeitung vorliege. An den gesamten Kapitalanlagen hätten damit griechische Anleihen nur noch einen Anteil von 0,22 Prozent. Vor einem Jahr habe die Anlagesumme noch bei 5,8 Milliarden Euro gelegen.

Der "Financial Times Deutschland" zufolge haben sich deutsche Banken seit Anfang Mai 2010 von rund einem Drittel ihrer griechischen Anleihen getrennt. Das gehe aus den Bundesbank-Zahlen zu den Auslandsforderungen der Institute gegenüber dem griechischen Staat hervor. Demnach hielten die Banken im Januar und Februar 2011 Anleihen Athens über 10,3 Milliarden Euro. Ende April 2010 seien es noch 16 Milliarden Euro gewesen.

Fachleute sehen in der Schieflage Griechenlands erhebliche Gefahren für die deutschen Finanzinstitute. Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, hält deshalb auch den harten Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB) gegen jedwede Form der Griechenland-Umschuldung für völlig gerechtfertigt. "Denn eine Umschuldung Griechenlands würde das griechische Bankensystem kollabieren lassen", sagte Horn Handelsblatt Online. "Damit wäre die EZB entsprechend ihrer Aufgabe, den Zahlungsverkehr im Euroraum zu sichern zu sichern sofort im Obligo, Stützungsmaßnahmen zu leisten."

Schließlich sei zu befürchten, dass die aus der Umschuldung resultierenden Abschreibungen im Finanzsektor "destabilisierende Schäden" verursachen. "Schlimmer noch sind die zu erwartenden Ansteckungseffekte in den übrigen Krisenländern, die der EZB weitreichende Stabilisierungsmaßnahmen für das europäische Bankensystem abverlangen dürften", warnte der IMK-Chef. "Diese richtigen Überlegungen sind der Grund für den Widerstand der EZB und nicht der Bestand an möglicherweise kritischen Staatspapieren in ihrem Bestand." Schließlich sei die EZB keine Privatbank, die jedes Jahr Gewinne ausweisen müsse.

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Kommentare zu " Papier des Finanzausschusses: Deutsche Banken stoßen griechische Anleihen ab"

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  • Lloyd's Vater war Postangestellter und hat mit Hilfe von Krediten das Studium finanziert. Also das elitäre Klischee wird hier nicht bedient.

    Jeder Mensch kann zum "Unmensch" werden!
    Das Problem ist, dass jeder Versuch - um dies zu verhindern, am Ende scheitern wird. Denn dies ist die Natur des Menschen.

    Experiment: Mal angenommen man würde nur noch Postangestellte als Bankenchefs einsetzen oder besser noch Krankenpfleger. Was würde irgendwann geschehen -das Geld oder anders ausgedrückt, die damit erworbene Macht, würde sie mehr und mehr zu Egoisten machen -das Gen würde sich selbst aktivieren.

    Anders Beispiel, was ist denn aus denen geworden, die gegen den Kapitalismus und die -für sie damit zusammenhängende Armut gekämpft haben. Die Revolutionsführer -die die den Menschen so viel Versprochen haben!
    Sie haben die Revolution für ihre Zwecke genutzt -sie haben die Revolution verraten, weil sie Lasterhaft waren.
    Kein Mensch ist frei von Lastern!!!
    Es werden noch so viele Köpfe rollen, aber am Ende ist der Hunger des Volkes nach mehr Brot nicht zu stillen.

    Die WELT ist doch nur die meinungsBILDende Zeitung im seriösen Mantel! Das Volk lechzt doch geradezu nach öffentlicher Hinrichtungen -egal ob es sich dabei um das geschriebene Wort oder das fallende Messer handelt, es ist immer das gleiche! Bestes Beispiel: Dominique Strauss-Kahn -wie da manche US-Bürger vor dem Gericht ausgeflippt sind -das hatte schon was mittelalterlisches. Fehlte nur noch das Gespucke und die Giutine!!

  • Europas oberster Korruptionsbekämpfer Wolfgang Hezter sagt im Interwiev mit WELT Online u. a. über die Banker: "Es ist die Gier, die sie treibt. Gier und Selbstprivilegierung. Durch Selbstprivilegierung und erkauftes Wohlwollen entstand ein Milieu, in dem die erfolgreiche Teilnahme an Bereicherungsorgien alleiniges Ziel des Handelns ist. Wer nicht ein entsprechendes Ego mitbringt, der steigt gar nicht in die Vorstände der Finanzwelt auf. Das sind Leute, die sich dauernd vergleichen wollen, die krankhafte Vorstellungen von Erfolg haben, sonst würden sie bestimmte Dinge gar nicht tun."
    Welt Online: Wer krank ist, braucht eigentlich Hilfe.

    Hetzer: "Dafür sind diese Menschen vermutlich gar nicht mehr empfänglich. Durch die Globalisierung sind sie in der Lage, so viele und große Räder gleichzeitig zu drehen, dass sie sich selbst mit dem lieben Gott verwechseln. Goldman-Sachs-Chef Lloyd Blankfein hat es ja wörtlich so gesagt: „Wir verrichten das Werk Gottes.“ Leider verschwenden sie keinen einzigen Gedanken daran, was man mit dem ganzen Geld Sinnvolles tun kann."
    http://www.welt.de/finanzen/article13407540/Im-Wuergegriff-der-Mafia-aus-Finanzwelt-und-Politik.html

  • Sehr amüsante Kommentare sind hier zu lesen. Dabei ist doch ganz klar, das die Banken nur zwei Dinge der Gesellschaft wiederspiegeln. Zum einen ist da das egoistische Gen, welches jeder Mensch in sich trägt und was auch in der "Unterschicht" vorhanden ist -Gesetz des Stärkeren. Zum anderen wird die Gier der Menschen offengelegt und die ist beim besten Willen nicht nur bei den Bankern vorhanden, sondern in jedem von uns!!!
    Kommt nur darauf an um welche Gier es sich handelt! Manche Menschen gieren nach mehr Anerkennung durch facebook. Oder sind gierig nach Wissen, etc. Und es gibt natürlich die Gier nach Reichtum, weil dieser -so meint man- das Leben erleichtert. Vieleicht kann man dan endlich leben anstatt nur zu überleben.
    Der Punkt ist, dass sich jeder mal seine Gedanken über seine Lebensweise machen sollte, bevor er die jenigen anschwärzt, die letzten endes nur das tun was die Gesellschaft (jeder Einzelne -nicht das Kollektiv) am Bankschalter von ihren Dealern so verlangt. Nämlich mehr Geld!! Wir sind die Junkies, die sind Dealer! Unwissenheit schützt hier nicht!!
    Denn genau das verstehe ich (junger Bürger) nicht. Die Menschen sind doch alt genug zum Kinderkriegen, aber können sich nicht mal selbst schlau machen -überlassen anderen die Denkarbeit. Der Deutsche schaut doch beim Autokauf auch -als wäre er der "Fachmann"- auf das Preis-Leistungs-Verhältnis! Und bei den Banken beschwert er sich, dass er über den Tisch gezogen wurde! Das wäre ja genauso als würde man ein Kasino verklagen, weil es einen dazu gedrängt hat sein Geld dazulassen. Man wurde aber doch nicht gezwungen dort hinzugehen oder??

    "Ein Blick ins Gesetz erspart dummes Geschwätz"

    Das größte Problem ist die Gier des Bundes, der Länder und der Kommunen, die versuchen mit dem eingenommenen Steuergeldern zu zocken, damit man so die Schulden los wird!!
    Ein System wie in China, kann auch nicht das Ziel sein. Aber das ist scheinbar typisch Deutsch?! Von einem Extrem in das Andere!

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